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Digitale Helfer für Flüchtlinge

Schwentinental Digitale Helfer für Flüchtlinge

Die einen haben alte Notebooks, die sie nicht mehr brauchen. Die anderen wären dankbar, wenn sie irgendeinen Computer nutzen könnten. Der Computer Club Klausdorf in Schwentinental bringt sie zusammen: Er rüstet alte Geräte auf das Betriebsystem Linux um und gibt sie an Flüchtlinge und andere Bedürftige ab.

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Wilhelm Mannertz (hinten) vom Klausdorfer Computerclub rüstet alte PCs und Laptops auf Linux um und stellt sie Flüchtlingen und anderen Bedürftigen zur Verfügung. Kibrom Tekle hat bereits einen solchen Laptop.

Quelle: Andrea Seliger

Schwentinental. Kibrom Tekle (31) aus Eritrea hat bereits so einen Laptop zu Hause: „Ich lerne damit Deutsch, suche Informationen, höre Musik und gucke Filme“, erklärt er. Sein Deutsch ist nach 15 Monaten in Schwentinental schon ganz brauchbar. Trotzdem hat er sich auch gleich den Link zu den neuen Seiten des Kreises Plön, den Wilhelm Mannertz ihm geschickt hat, auf Tigrinya (seiner Muttersprache) abgespeichert.

 Mannertz (67), Elektrotechniker, ist Mitglied des Computer Clubs, der seinen Treffpunkt im Kinder- und Jugendhaus in Schwentinental-Klausdorf hat. Sein „Pionierprojekt“ war ein in mehreren Sprachen eingerichteter PC, den er einem Asylbewerber in der Unterkunft im Paradiesweg (Schwentinental) zur Verfügung stellte. Inzwischen besitzt auch die Kieler Paul-Gerhard-Kirchengemeinde zwei mehrsprachige PCs in ihrem Internetcafé, die Clubmitglied Mike Preuß auch noch betreut. Und mehr als 30 umgerüstete Laptops sind inzwischen an Flüchtlinge und andere Bedürftige abgegeben worden – zuletzt an eine aus Albanien stammende Schülerin, die in Raisdorf die offene Ganztagsschule besucht, und zwei syrische Studenten, die gerade im Paradiesweg untergebracht sind. Über die Flüchtlingshilfe Schönberg gehen die in Klausdorf umgerüsteten Laptops aber auch in die Probstei oder ins Amt Schrevenborn.

 Mannertz schwärmt von Linux. Das Betriebssystem sei nicht nur kostenlos, es benötige auch weniger Speicherkapazität und Rechnerleistung als aktuelle Windows-Versionen. Deshalb laufe es auch auf älteren Computern. Da es aber insgesamt noch wenig Nutzer gibt, „schreibt keiner einen Virus dafür“, meint Mannertz. Unter den mehr als 100 verschiedenen Linux-Versionen hat er Edubuntu, die Bildungsvariante von Ubuntu, ausgewählt. Dazu gehören beispielsweise Lernspiele, die das Kind oder der Erwachsene zunächst in seiner Muttersprache ausprobieren und dann auch auf Deutsch anwenden kann. Die Begegnung mit den Asylsuchenden hat Wilhelm Mannertz außerdem zu einer anderen Fleißarbeit inspiriert: Sigrid Sabrowski von der Flüchtlingshilfe in Schönberg hatte einen Sprachführer auf der Internetseite der Organisation veröffentlicht. Mannertz (alias Linux) stellte eine Anleitung, wie das amharische und das Tigrinya-Alfabet auf normaler Tastatur in den Computer einzugeben ist, sowie eine Vokabelsammlung dazu. Dieses Kapitel auf der Internetseite der Schönberger verzeichnet Zugriffe aus ganz Deutschland – inzwischen mehr als 13000.

 Der Computer Club Klausdorf nimmt gerne weitere Laptops entgegen (Kontakt: linux@jugendhaus-klausdorf.de). Diese sind für Flüchtlinge besonders hilfreich, da es beispielsweise in der Unterkunft im Paradiesweg kein Internet gibt. Mit einem mobilen Gerät können sie dann kostenloses WLan in der Stadtbücherei und an anderen Orten nutzen. Laptops und PCs werden aber auch an andere Menschen abgegeben, die Bedarf haben, aber sich keine leisten können.

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Flüchtlinge in Schilksee
Foto: Eine Willkommensinitiative für Flüchtlinge hat sich in Schilksee gegründet: Zum Team rund um die Organisation gehören (von unten links) Gesine Stück, Jochen Ostertag, Britta Janzen, Christiane Kampen, Jochen und Katharina Sturm, (von oben links) Carsten Wehde, Susann Ketzner, Marlen Scharnweber, Ingelore Soll-Koch und Stefanie Sievert.

„Ein ganz toller Geist herrscht gerade in Schilksee“, schwärmt Jochen Ostertag, der mit 80 anderen Ehrenamtlern jüngst die Initiative Willkommen in Schilksee gegründet hat. 170 Flüchtlinge sollen im Januar das Containerdorf auf dem Parkplatz Tempest beziehen. Um ihnen im Alltag zu helfen, entstehen gerade verschiedene Arbeitsgruppen.

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