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Ein wichtiger Baustein zum Schutz der Fische

Wasserkraftwerk I in Raisdorf Ein wichtiger Baustein zum Schutz der Fische

Spaziergänger im Schwentinetal haben es längst gemerkt: Die Arbeiten rund um das Wasserkraftwerk I in Raisdorf sind abgeschlossen. Ein Zusammenspiel von Biologie und Bautechnik sorgt nun dafür, dass Fische und andere aquatische Lebewesen die denkmalgeschützte Anlage umrunden können.

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Unterhalb des Wasserkraftwerks I mündet das Verbindungsgewässer : Hans-Joachim Schröder (von links ), Jörn Paulat und Werner Meier sind zufrieden mit dem Bauwerk.

Quelle: Andrea Seliger

Schwentinental. Als Bernhard Howaldt 1904 und 1908 Wasserkraftwerke an der Schwentine baute, um Strom für seine Werft zu erzeugen, war das ein Meilenstein für die Region, aber schlecht für die Wanderung der Fische. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 drängt auf Lösungen für solche Hindernisse. Bereits seit 2005 gibt es am Wasserkraftwerk II den Helix-Fischturm. 2009 wurde die Holsatiamühle in Kiel durchlässig. Doch erst mit den Maßnahmen um das Wasserkraftwerk I ist der Aufstieg von der Ostsee bis in den Oberlauf des Flusses nun realistisch möglich. „Ein wichtiger Baustein“, nennt Werner Meier vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz das nun abgeschlossene Projekt, bei dem der Gewässerunterhaltungsverband Schwentinegebiet als Bauträger, das Land und die Stadtwerke Kiel als Grundeigentümer kooperiert haben.

Bereits 2013 konnten die Spaziergänger zusehen, wie an dem Überlauf zum Altarm eine Fischtreppe entstand. Ein steiles Stück mit Stufen wurde im Altarm ummodelliert, Steine und Steinriegel sorgen nun für einen abgemilderten Verlauf, mit Nischen, in denen sich schwache Schwimmer ausruhen können.

Da „die Fische aber nicht wissen, wo sie in den Altarm abbiegen müssen“, wie es Hans-Joachim Schröder vom Gewässerunterhaltungsverband ausdrückt, und sich gewöhnlich an der stärkeren Strömung orientieren, landen die meisten vor dem Kraftwerk in der Sackgasse. Dort haben sie nun eine neue Möglichkeit: Der Strom der 2013 neu angeschafften Schwachlastturbine lockt sie auf jene Uferseite, wo 2015 ein künstlicher Wasserlauf geschaffen wurde, über den sie in den Altarm gelangen können. Große Steine regulieren die Strömung in der Mündung. Einfacher ist der Weg flussabwärts: Neben dem Rechen vor dem Kraftwerk-Zulauf mündet ein Rohr, durch das die Fische schadlos die Turbinen umgehen und auf der anderen Seite der Anlage wieder in die Schwentine gelangen. Jörn Paulat von der Stadtwerken Kiel, der die Anlage täglich kontrolliert, hat auch schon eine Meerforelle beobachtet, die versuchte, in dieses Rohr hineinzuspringen – leichter hat sie es nun durch den neuen Wasserlauf.

Was theoretisch einfach klingt, ist in der Praxis ein komplexes System, in dem Biologie und Technik zusammenwirken müssen, und das bei Niedrig- wie bei Hochwasser. Damit Steinbeißer, Meerforelle und Co. tatsächlich durch den Altarm aufsteigen können, ist mit den Stadtwerken Kiel neu vereinbart worden, dass immer 500 Liter pro Sekunde dorthin abfließen müssen. Bisher war es oft deutlich weniger, das Wasser sollte schließlich die Turbine antreiben. Auch der neue engmaschige Rechen im Zulauf, der zum Schutz der kleinen Fische installiert wurde, sorgt für Leistungsverluste von bis zu 30 Prozent. „Dazu waren die Stadtwerke Kiel bereit“, lobt Schröder. Insgesamt haben die Stadtwerke dort 1,8 Millionen Euro investiert, unter anderem für Rechen, Fischabstiegsrohr und die neue Turbine. Die 1,4 Millionen Euro Baukosten teilten sich EU und Land.

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