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Den Möbeln eine Seele geben

Selkau/Schlesen Den Möbeln eine Seele geben

Statt eines Griffs baumelt an der Schublade ein Tampen. Eine Meerjungfrau verziert eine Schranktür mit der Aufschrift „Meeresbewohner“. Eine Kommode ist goldfarben verziert. Alten Möbeln eine neue Seele einhauchen – das ist das Ziel von Andrea Berger aus Selkau (Gemeinde Schlesen).

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Andrea Berger arbeitet in ihrer Werkstatt in Selkau Möbel um und gestaltet auch Schlüsselbretter.

Quelle: Silke Rönnau

Schlesen. Die 46-jährige gebürtige Kielerin hatte schon mit 17 Jahren, als sie von zu Hause auszog, versucht, eine alte Wohnwand zu „entspießen“, wie sie schmunzelnd erzählt. Sie begann Grafik und Design zu studieren, brach aber ab, als sie schwanger wurde. Danach war sie jahrelang als Verkäuferin im Außendienst tätig. Vor sechs Jahren begann sie wieder, Möbel mit Acrylfarben zu bearbeiten, und stellte ihre fertigen Produkte unter dem Motto „2ter Frühling“ erstmals in der Werkstatt der Engel am Schloss Eutin öffentlich aus.

 Ihre Kreativität sah sie zunächst nur als Hobby. „Doch es fiel mir immer schwerer, den anderen Job zu machen“, gesteht sie. „Ich wollte eigene Ideen umsetzen und meine Sehnsucht auf die Möbel übertragen.“ Deshalb bekommen auch alle Stücke einen eigenen Namen. Sie liebt maritime Motive , aber auch orientalisches Flair mit Goldtönen sowie Poesie. Immer wieder schreibt sie kleine Sprüche auf Bänke und Schränke, Kommoden und Tische. Vor zweieinhalb Jahren zog sie aufs Land nach Selkau, wo sie in einem Schuppen eine Werkstatt einrichtete. „Da habe ich angefangen, Gas zu geben – ich wollte etwas völlig anderes machen.“

 Die Kunden kommen mittlerweile aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Hamburger interessieren sich vor allem für Motive vom Kiez. Für eine Kundin von den nordfriesischen Inseln hat sie gerade eine Kommode mit Meerjungfrauen fertiggestellt. Die Möbel bekommt sie aus Haushaltsauflösungen oder sucht sie in Kleinanzeigen. Manchmal fährt sie bis nach Dänemark. Und ab und zu baut sie mit ihrem Freund aus alten Teilen etwas Neues zusammen. Die Hälfte der Möbel wird allerdings von den Kunden selbst geliefert, die Eiche rustikal oder Kiefer gelaugt nicht mehr sehen können, sich aber auch von den Stücken nicht trennen mögen.

 Manche hätten ganz klare Vorstellungen, andere sagten einfach nur: „Mach’ doch was Maritimes.“ Die Farben Grau und Weiß seien besonders beliebt. Aber sie experimentiert auch gerne: „Ich habe kürzlich ein Chippendale Möbel mit Tampengriffen und Astra-Flaschen verändert“, erzählt sie. Ein Stück Heimat taucht auch immer wieder auf: Der Fördedampfer auf einer Kommode erinnert sie an ihre Kindheit, die dicke Möwe hat sie in Schönberg entdeckt. Auch plattdeutsche Sprüche sind beliebt wie „To Hus is to Hus“. Sie kann auch Fotos auf das Holz übertragen oder Schrift und Bilder einbrennen.

 Bei manchen Möbeln stehe sie lange davor und überlege, bei anderen wisse sie sofort, was sie machen könne. „Man muss den Trend im Auge behalten, aber auch mutig sein, den eigenen Stil auszuleben“, meint sie. „Ich versuche, jedes Möbel zu verändern.“ Vor einem Jahr hat sie mit ihrer Leidenschaft den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Inzwischen ist ihre Werkstatt schon fast zu klein. „Mein Traum ist es, einen eigenen Laden zu haben“, sagt Andrea Berger.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
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