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Fahrlehrer steuert Hilfe in Mali

Soldat aus Högsdorf Fahrlehrer steuert Hilfe in Mali

Die eigentliche Mission von Jörg Sievert lautete: Fahrausbildung für malische Soldaten. Nebenbei gab sich der Stabsfeldwebel aus Högsdorf bei Lütjenburg selbst noch einen zweiten Befehl: Hilfe für die Bevölkerung, die in großer Armut lebt.

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Die vom Franziskaner-Orden unterrichteten Schüler freuten sich über die Deutsch-Lehrbücher von Jörg Sievert (Zweiter von links).

Quelle: Jörg Sievert

Högsdorf. „Die Menschen sind total begeistert von den Deutschen“, stellte der Bundeswehr-Fahrlehrer fest, der im Kraftfahrausbildungszentrum in der Eutiner Rettberg-Kaserne seinen Dienst versieht. Die Bundesrepublik sei 1960 das erste Land gewesen, das die Unabhängigkeit Malis anerkannt habe, wird ihm erzählt. „Diese Geschichte kennt jeder in Mali, ob groß, ob klein.“

 Sievert kam nicht mit leeren Händen. In Lütjenburg spendeten Ärzte medizinisches Gerät, das er vor Ort verteilte. Die Bundeswehr unterstützte die Aktion. Eine Tagesklinik erhielt ein Ultraschallgerät, über das sie bisher nur einmal in der Woche verfügte, weil die vorhandene Medizintechnik auch in anderen Städten und Dörfern benötigt wurde. Eine kleine Geburtsklinik freute sich über einen Sterilisator aus Deutschland.

 2000 Euro kamen zusätzlich im vergangenen Winter bei den Eishockey-Turnieren des Sporthauses Gehrmann auf dem Lütjenburger Marktplatz zusammen. Sievert setzte das Geld nach Rücksprache mit den Menschen in Mali für einen guten Zweck ein.

 Mit der Spende finanzierte er für eine Missionsstation der Franziskaner eine Ärztetour in ein 40 Kilometer entferntes Dorf. Mehrere Hundert Menschen konnten sich dort untersuchen und von gut ausgebildeten, einheimischen Medizinern auch behandeln lassen. Der Franziskaner-Orden unterrichtet auch Schulklassen. Für sie bestellte Sievert Deutsch-Lehrbücher und anderes Schulmaterial per Internet in München und ließ sich die Sachen nach Mali schicken.

 Sievert war in der Stadt Koulikoro stationiert und Teil einer internationalen UN-Mission, die die Armee Malis im Kampf gegen Tuareg-Rebellen im Norden unterstützen soll. Sievert lernte viele Einheimische kennen. Die Region ist so weit friedlich, dass die Deutschen auch in kleinen Gruppen und in Zivilkleidung unterwegs waren.

 Die meisten Menschen in der kleinen Stadt leben als „Sandfischer“: Mit Eimern und Schaufeln beladen sie kleine Boote mit Sand aus dem Niger. Das Material wird preiswert verkauft und dient zum Häuserbau in Bamako, der Hauptstadt Malis. Eine kleine Fabrik für Baumwollöl hatte vor einigen Jahren geschlossen und viele arbeitslos gemacht.

 Die Armut machte Sievert teilweise sehr betroffen. Am Ende eines Grillabends mit seinen Kameraden bemerkte er, wie sich mehrere Kinder bei den Abfallsäcken umschauten, die Knochen heraussuchten und sie weiter abnagten. Die deutschen Soldaten überließen den jungen Malis daraufhin ihr übriges Grillfleisch. Die Armut nimmt den Menschen aber nicht die Lebensfreude, beobachtete Sievert – „überall wird gesungen und getanzt“.

 Zurück in Högsdorf versucht er weiter, Hilfe zu leisten. Sein Dolmetscher in Mali schaffte bereits sein Bachelor-Studium. Er möchte gern seinen Master in Deutschland machen. Sievert hofft nun, für den jungen Mann ein Stipendium organisieren zu können.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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