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Wenn Altes Neuem weichen muss

Stadtentwicklung Wenn Altes Neuem weichen muss

Während Frankfurt gerade eine neue Fachwerkaltstadt errichtet, um das historische Zentrum wieder auferstehen zu lassen, verschwinden andernorts immer mehr Altbauten. Ein Beispiel dafür ist Laboe.

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Moderne trifft auf Tradition: Dieses Fachwerkhaus soll stehen bleiben, auch wenn Investoren das Grundstück gerne hätten.

Quelle: Ulf Dahl

Laboe. Im April wurde das alte Schulhaus in Laboe abgerissen. An Stelle der „Delln“-Kate an der Dorfstraße steht seit 2008 ein modernes Mehrfamilienhaus. Zwischen die übriggebliebenen Katen und Höfe mischen sich Neubauten.

 In der Hafenstraße steht vor einem großen gelben Terrassenbau noch ein Überbleibsel aus früheren Zeiten: Eine rotgeklinkertes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1884. „Das Haus gehörte früher Freunden von uns“, sagt Regina Schröder. „Und das bleibt da auch stehen.“ Die Schönkirchenerin hat es gerettet. Weil sie eine Reetdachdeckerei betreibt, liegen ihr alte Gebäude am Herzen. Viele Investoren hätten um das Grundstück geworben und „riesige Summen“ dafür geboten. „Aber die wollten das Haus alle abreißen und einen Wohnblock dahin bauen“, sagt Schröder. Stattdessen deckte sie das Haus neu ein und restaurierte es Stück für Stück. „Wir haben dem Vorbesitzer versprochen, dass wir es nie abreißen.“

 Auch im Oberdorf erinnern noch einige Reetdachhäuser an die ehemalige bäuerliche Siedlung, die den Anfang des Ortes bildete. Einige der alten Gebäude, wie die große Bauernvogthufe (1560 gebaut), stehen auf der Liste der Kulturdenkmale des Landes. Andere müssen für Neubauten weichen.

Ostseeresidenz statt "Speelmannsstell"

 So auch ein Teil des ehemaligen Stammhofs „Speelmannsstell“ der Familie Arp, an der Ecke Dellenberg/Dorfstraße. Der zum Wohnhaus umgebaute Kuhstall aus dem Jahr 1841 wurde diese Woche abgerissen. Nur noch eine Infotafel vor dem Grundstück erinnert bald an die Historie des Hofes. Dort entsteht ein modernes zweigeschossiges Haus mit 10 Einheiten: Die Ostseeresidenz Oberdorf, Kaufpreis 379000 Euro.

 „Es ist immer bedauerlich, wenn alte Bausubstanz verloren geht“, sagt Eckardt Wiese von der Interessengemeinschaft Bauernhaus. Er wohnt selbst im Oberdorf auf einem denkmalgeschützten Hof. „Leider kann man nicht alles erhalten, man muss auch den wirtschaftlichen Faktor sehen.“ Laut Wiese wären hohe Renovierungskosten auf einen Käufer zugekommen, er schätzt zusätzlich zum Kaufpreis mindestens 300000 Euro. „Bei der Lage direkt an der Einfallstraße, überlegen sich das Interessenten zweimal.“ Finde sich kein Käufer, der das Gebäude erhalten wolle, dann werde es eben abgerissen. Die Gemeinde kann das ohne Bebauungsplan nicht verhindern.

Während Frankfurt gerade eine neue Fachwerkaltstadt errichtet, um das historische Zentrum wieder auferstehen zu lassen, verschwinden andernorts immer mehr Altbauten. Ein Beispiel dafür ist Laboe.

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 Einst erstreckte sich der Hof über 3000 Quadratmeter. Das ehemalige Fachhallenhaus existiert schon seit 1978 nicht mehr, dort steht heute ein Reihenhausblock. „Die Neubebauung, die damals entstand, war ein Reinfall“, sagt Wiese. Auch die nun geplante Ostseeresidenz passt in seinen Augen nicht in die Umgebung. „Hätte man da architektonischer nicht etwas sensibler rangehen können?“, fragt er. Die Neubauten müssten ja keine Kopien sein, es könnten doch aber die Materialien wiederaufgenommen werden. „Wir haben bei der Fassadengliederung versucht uns mit klassizistischen Elementen an die Umgebung anzupassen“, sagt Carlos Göttsch, der die Ostseeresidenz entworfen hat. So bekomme das Haus zum Beispiel Sprossenfenster und Balkons mit Stabrüstung. Das Gebäude solle so seinen „Gutshofcharakter“ behalten.

 Mit „wachem Auge“ schützen

 Sollen alte Häuser dem Erdboden gleichgemacht werden, rufen Kritiker schnell nach Denkmalschutz. Doch der kommt oft gar nicht infrage. „Hat ein altes Haus ein Reetdach, bedeutet das nicht gleich, dass es schutzwürdig ist“, erklärt der stellvertretende Landeskonservator Dirk Jonkanski. Um als Denkmal gelistet zu werden, kommt es auf seine Bedeutung für die Menschen an. „Ein Kriterium ist der geschichtliche Wert. Also, ob ein Haus beispielsweise für den Ort prägend war oder besondere Bewohner darin lebten“, sagt Jonkanski. Auch die wissenschaftliche und künstlerische Bedeutung werde geprüft, zum Beispiel auf spezielle Mauertechnik oder Friese geachtet.

 Ein Objekt kann sich auch aus städtebaulicher Sicht als denkmalwert erweisen., wenn es einen Platz rahmt oder mit anderen Gebäuden eine Reihe bildet. „Sitzt eine Villa an der anderen wie auf einer Perlenschnur, dann kann das Ensemble unter Schutz gestellt werden“, so Jonkanski. Bildet die Gruppe zusammen ein historisches Straßenbild, ist sie als Ganzes erhaltungswürdig. Stehen aber bereits Neubauten als Fremdkörper dazwischen, ist das nicht mehr möglich: „Dann ist die Perlenschnur unterbrochen, wie bei einem Gebiss, wo die Zähne fehlen.“

 Die Gemeinden müssten mit „wachem Auge“ die baulichen Entwicklung in ihren Orten begleiten, so Jonkanski. „Viele Ämter lassen solche Fragen aber lieber offen,“ sagt der stellvertretende Landeskonservator. Einige Gemeinden gingen schon „arg sorglos“ mit ihrem architektonischen Erbe um.

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