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Eine Gabe für die Götter?

Steinzeitfund von Gowens Eine Gabe für die Götter?

Manfred Schnoor und sein Vater Hugo wollten 1970 eigentlich nur eine Dränage legen. Stattdessen legten sie am Rand einer Moorsenke im Dannauer Ortsteil Gowens Beile aus der Jungsteinzeit frei. Bis heute gibt der Fund, der als größter seiner Art in Schleswig-Holstein gilt, Rätsel auf.

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 Opfergabe für die Götter oder Lager eines steinzeitlichen Händlers: Fund von Gowens.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Dannau. Der Schatz aus der Steinzeit umfasst 16 Beile und einen Meißel und lag 50 Zentimeter unter der Erde. Das längste Teil misst 21 Zentimeter und dürfte für schwere Arbeiten an Bäumen gedacht gewesen sein. Wissenschaftler schätzen das Alter der Werkzeuge auf 4700 bis 4900 Jahre. In dieser Zeit lebten Menschen in zahlreichen Siedlungen im Raum Lütjenburg, die zur Trichterbecherkultur gehörten. Ihre Epoche klang allerdings kurz danach aus. Sie waren die ersten sesshaften „Schleswig-Holsteiner“, die ihr Leben als Jäger und Sammler aufgegeben hatten und stattdessen eine einfache Landwirtschaft und Viehzucht betrieben.

Drei relativ gut erhaltene Hünengräber im Gowenser Wald und weitere steinzeitliche Grabstätten in der näheren Umgebung wie im benachbarten Högsdorf sind bis heute sichtbares Zeugnis der untergegangenen Trichterbecherkultur, die im Norden vor etwa 6200 Jahren entstand.

Depot oder Opfergaben?

Die Gowenser Beile sind zwar schon sorgfältig in Form geschlagen worden, aber der Fertigungsprozess war noch nicht zu Ende. Die Klingen hätten noch geschliffen und geschärft werden müssen. Daher stellt sich die Frage: Handelt es sich um das Depot eines steinzeitlichen Werkzeugmachers, der immer gerne ein paar halbfertige Beile in Reserve hatte und auf Kundenwunsch fertigstellte? Oder war es ein Warenlager für den Handel mit Siedlungen weiter im Binnenland?

Die Wissenschaftler halten eine andere Theorie für wahrscheinlicher: An der moorigen Fundstelle tauchten bei späteren Nachforschungen auch Gegenstände aus Bronze auf. Der Platz könnte daher als Kultstätte gedeutet werden, glauben die Archäologen. Manfred Schnoor hat auch eine Vermutung: „Vielleicht waren die Beile Opfergaben an die Götter.“

Weitere Funde aus der Steinzeit

Der Gowenser Landwirt besitzt weitere Funde aus der Steinzeit, die er im Laufe der Jahre auf seinen Feldern gefunden hat. Darunter befinden sich ein bereits geschliffenes, sehr fein gearbeitetes Steinbeil und Speerspitzen. Er entdeckte die Teile vom Trecker aus oder fand sie beim Steinesammeln auf den Äckern, das früher noch per Hand erledigt wurde. Heute stehen die Chancen eher schlecht, auf den Koppeln und Feldern noch Gegenstände aus der Steinzeit zu finden. Die modernen Maschinen in der Landwirtschaft arbeiten zu gründlich. Schnoor: „Das können die Beile nicht ab.“

Fast wäre das Gowenser Flintbeil-Depot für immer zerstört worden. Ein Feuer brannte 1984 das Haus der Familie Schnoor nieder. Die Hitze der Flammen zersprengte die Steine, die Schnoor unter seinem Bett sicher verwahrt glaubte. Der Schaden hielt sich aber noch in Grenzen. Archäologen klebten die Stücke wieder zusammen. Ob das aber weitere 4900 Jahre hält?

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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