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Wiesenschlüsselblume kehrt zurück

Stiftung Naturschutz Wiesenschlüsselblume kehrt zurück

Sie sehen aus wie ganz normale Primeln, die man zu Ostern auf den Märkten kaufen kann. Doch in den Körben des Biologen Christian Dolnik und der Gärtnerin Wiebke Busch ruht ein Pflanzenschatz: die sehr seltene Wiesenschlüsselblume. 500 Exemplare der Art wachsen nun auf einer Weide in Klamp.

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Das Pflanzen von Schlüsselblumen auf einer Wiese ist eine mühsame Sache. Die Helfer der Stiftung Naturschutz schlagen mit Spitzhacken Löcher in den Lehmboden.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Klamp. „Blütenmeer 2020“ heißt die Aktion der Stiftung Naturschutz, mit der die Wiesen in Schleswig-Holstein wieder bunter werden sollen. In den nächsten vier Jahren säen und pflanzen die Biologen auf 250 Hektar seltene Blumen an. Von dort sollen sie sich auf eine Fläche von über 2500 Hektar ausbreiten. Auf der Pferdeweide der Familie von der Osten, die in Klamp den Ferienhof Rodenbrok betreibt, ist es eben die Wiesenschlüsselblume, die zur Blume des Jahres 2016 gewählt worden ist.

Projektleiter Christian Dolnik ist vom Standort überzeugt. Die 2,4 Hektar große Weide erstreckt sich zum Teil über Hügelkuppe und liegt tagsüber im prallen Sonnenschein. Die Wiesenschlüsselblume liebt solche lichtreichen Plätze. Zudem ist die Weide niemals unter den Pflug gekommen oder mit Dünger bearbeitet worden. Zwei Dinge, die aus einer bunten, blumenreichen Wiese eine reine Nutzfläche machen, die wenig Platz bietet für seltene Pflanzen. In Klamp grasen nur Pferde auf der Fläche. Und die sind keine Gefahr für den Fortbestand der leuchtend gelben Blume.

Die Stiftung lässt nicht die gesamte Weide bepflanzen. Dolnik suchte sich nur einige Streifen auf dem Hügelkamm aus. In mühsamer Handarbeit setzten die Helfer die Pflanzen in den schweren Lehmboden. So können die Biologen genau verfolgen, ob die Wiesenschlüsselblume aus eigener Kraft die übrigen Flächen in Richtung Niederung besiedeln kann. Die jungen Pflanzen, die in Klamp ein neues Zuhause gefunden haben, stammen aus der Archegärtnerei in Eggebek bei Flensburg. Insgesamt 5500 Exemplare zog Wiebke Busch dort heran. Sie werden ausgepflanzt in Molfsee, Darry bei Lütjenburg, im Travetal und bei Heiligenhafen. Die Samen der Wiesenschlüsselblume sammelten die Naturschützer auf dem Truppenübungsplatz in Putlos, wo noch einer der wenigen Standorte der Pflanze erhalten geblieben ist. Der Bundeswehr sei dank. Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung des Geländes kam niemand auf die Idee, die Flächen dort zu düngen oder zu spritzen. Dolnik: „In Putlos liegt eine echte Vorzeigewiese mit noch reichlich einheimischen Wildblumen und Wildpflanzen.“

Theoretisch hätte man die Samen auf der Wiese auch ausstreuen können. Doch die Reproduktion auf diese Art und Weise hat nur mäßigen Erfolg, weiß Dolnik aus Erfahrung. Deshalb ließ man die Samen unter kontrollierten Bedingungen in der Archegärtnerei keimen und wachsen.

Die Stiftung Naturschutz kümmert sich mit der Aktion „Blütenmeer 2020“ auch um andere seltene Wiesenblumen. Dazu gehören die Heide-Nelke, Klappertopf, Wiesen-Margerite und der Teufelsabbiss.

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Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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