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Weltstars auf Gut Horst

Stolpe Weltstars auf Gut Horst

Moritz (13) und der elfjährige Leo haben zu Hause auf Gut Horst in Stolpe öfter ganz besondere Spielkameraden: Die beiden Brüder kicken dann draußen vor dem Herrenhaus mit Musikern, die in ihren afrikanischen Heimatländern vor mehreren Tausend Zuhörern spielen.

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Weltstars zu Gast auf Gut Horst: Marion von Gaudecker freut sich auf die Besuche der afrikanischen Künstler, macht mit ihnen im Gutshaus Musik oder kocht für die Gäste.

Quelle: Sven Tietgen

Stolpe. Während ihrer Tourneen wohnen die Stars zwischendurch im Gutshaus bei der Mutter von Leo und Moritz: Marion von Gaudecker organisiert seit über 15 Jahren weltweit Konzerte mit Künstlern aus Afrika.

Schlicht und einfach Griot heißt die Agentur, die Marion von Gaudecker bereits 1993 als Studentin in Dortmund gründete. Francis Bebey, ein Musiker aus Kamerun, bat sie damals um Unterstützung bei der Suche nach Auftritten. „Wir hatten damals von nichts eine Ahnung, ich weiß noch, wie wild mein Herz klopfte, als ich mit den ersten Veranstaltern telefonierte“, erzählte die 45-jährige Gutsherrin. Vor allem Lesungen organisierte sie, darunter Touren mit Dietmar Schönherr und dem nicaraguanischen Dichter Ernesto Cardenal. Der Durchbruch kam 1998, als Marion von Gaudecker mit ihrem damaligen Ehemann Wulf von Gaudecker für die Expo-Weltausstellung in Hannover den Zuschlag für ein fünfmonatiges Afrikaprogramm mit 500 Konzerten bekam.

Die dort geknüpften Kontakte zu Musikern bestehen vielfach noch heute. Mit ihrem Vater Wolf von Kap-Herr und Mitarbeiterin Heike Lieske organisiert sie Auftritte in Japan, Australien und vor allem in Europa. Weltstars wie der südafrikanische Jazztrompeter Hugh Masekela oder Saxofonist Manu Dibango aus Kamerun legen mit ihren Bandmusikern gerne eine Tourneepause ein und logieren im 1860 gebauten Herrenhaus von Gut Horst. Während Marion von Gaudecker im Arbeitszimmer Flüge bucht, Verträge unterschreibt und Tourpläne entwickelt, greifen nebenan die Musiker in die Tasten des alten Flügels oder spielen mit Hund Anton und den beiden Kindern. „Die Afrikaner sind sehr familiär orientiert, meine Söhne können schon ziemlich gut Englisch sprechen“, sagte die Agenturchefin.

Oftmals wollen die Gäste zwischen ihren Auftritten auch einfach ihre Ruhe haben. Auf dem Küchentisch stehen fast immer Getränke und Snacks bereit, für ein Stück Heimatgefühl sorgen Currygerichte aus einem pakistanischen Imbiss in Ascheberg. „Manchmal höre ich sie erst mittags über den Flur schlurfen. Sie müssen auch haushalten mit ihren Kräften, ein Auftritt mit Abbau geht oft bis morgens um 4 Uhr, um 8 Uhr sitzen sie im Flieger zum nächsten Veranstaltungsort.“ Ab und zu kann Marion von Gaudecker Auftritte in der Region vermitteln. Künstler ihrer Agentur spielten auf der Kieler Woche, bei Jazz Baltica oder im Husumer Speicher. Die weitaus meisten der 12000 gelisteten Veranstalter sitzen aber in Metropolen wie Madrid, Amsterdam, Tokio, London oder Paris. Manchmal begleitet sie ihre Schützlinge auch auf den Konzertreisen. „Ich freue mich über jeden Tag, weil immer etwas Spannendes passiert.“

Griots halten den Regierenden den Spiegel vor

Griot (gesprochen grió) sind Musiker, Geschichtenerzähler und Sänger, die vor allem in Westafrika von Dorf zu Dorf ziehen. Seit Jahrhunderten sorgen die Griots auf Marktplätzen für die Weitergabe der Orts- und Landesgeschichte. Sie gehören zu den wenigen Bewohnern, die über die Herrschenden spotten dürfen. „Sie halten so den Regierenden den Spiegel vor, sie sind wie Till Eulenspiegel in Afrika“, erklärte Marion von Gaudecker. Den Begriff entdeckte sie vor über 20 Jahren in dem Buchtitel Le ministre et le griot und benannte danach die Agentur. Zweigstellen unterhält das Unternehmen auf Gut Helmsdorff bei Lütjenburg, in Gräwenwiesbach sowie im englischen Brighton.

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