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Treibsel gehört dazu

Symposium Treibsel gehört dazu

Weiße Strände wünschen sich viele Urlauber, doch die Anspülung von Seegras und Algen ist natürlich. Wege zum Umgang mit Treibsel haben Vertreter von Tourismusgemeinden, Verbänden und Behörden sowie Wissenschaftler auf einem Symposium des Klimabündnisses Kieler Bucht diskutiert. Fazit: möglichst liegenlassen!

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Brachte unterschiedlich getrocknete Proben mit: Seegrashändler Jörn Hartje, der daraus Dämmstoff macht.

Quelle: Christiansen

Schönberg. Zu Beginn hatte Schönbergs Bürgermeister Dirk Osbahr auf die Probleme hingewiesen: „Wir haben sechs Kilometer Strand, also viel Fläche für Treibsel.“ Um die 300 bis 1000 Tonnen pro Jahr zum Lagerplatz zu bringen, wurde extra ein Radlader angeschafft. Es gebe schönere Begriffe als Treibsel, meinte Horst Sterr, Projektleiter vom Klimabündnis: „Es ist nicht nur Abfall.“

 Die beste Verwendung von Treibsel sei, ihn als Küstenschutz liegen zu lassen, waren sich viele der rund 60 Teilnehmer der Veranstaltung im Naturfreundehaus Kalifornien in Schönberg einig. Um den Geruch zu vermeiden, könnte man das pflanzliche Material mit Sand abdecken, meinte Sandra Enderwitz, Koordinatorin des Klimabündnisses. Viele Gemeinden würden das Treibsel gern an andere Stellen am Strand umlagern. Die dafür notwendigen Genehmigungen hält Wolfgang Jensen vom Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) für möglich.

 Aus Sicht des Natur- und Küstenschutzes würden die Probleme mit Treibsel erst anfangen, wenn man es wegräume, meinte Michael Packschies (Naturschutzabteilung der Stadt Eckernförde). Überlasse man es sich selbst, bilde es zusammen mit Sand einen natürlichen Erdwall, der allmählich besiedelt wird: „Das ist ein wunderbarer natürlicher Küstenschutz.“ Er berichtete von einem Pilotversuch einer mit Seegras aufgefüllten Düne. Jensen beklagte, dass der LKN nicht einbezogen wurde, sprach aber von einer guten Idee: „Wir modellieren einen natürlichen Zustand.“

 Vorgestellt wurden auch vielfältige Möglichkeiten, die im Treibsel enthaltenen Rohstoffe zu verwerten. Jörn Hartje, der in Westerau bei Bad Oldesloe einen Seegrashandel betreibt, sprach von einem „tollen und wertvollen Rohstoff“, der in Dänemark in großen Mengen von Landwirten geerntet und zum Beispiel als Naturdämmstoff genutzt werde.

 Florian Weinberger vom Geomar kündigte ein Forschungsprojekt in der Badesaison 2016 zur Befragung von Strandnutzern an. Ziel seien Strandreinigungskonzepte, die sich an der jeweiligen Treibsel-Zusammensetzung und den örtlichen Problemen orientieren. Nach seinen Daten ist in der Probstei der Anteil an Rotalgen besonders hoch.

 Viel kritisiert wurde der von 2001 stammende Treibsel-Erlass des Landes, demzufolge Seegras zu entsorgender Abfall sei, sobald er abgeräumt wird. Regina Kleinhans vom Umweltministerium versprach für Ende 2015 die Aufhebung des Erlasses.

 Sterr regte gemeinsame Projekte für die geplante Pilotregion Seegras in der Kieler Bucht an. Dazu gehöre aber auch, an naturbelassenen Strandabschnitten Verständnis zu schaffen, wenn Seegras und Algen liegen bleiben. Packschies hatte das Foto eines Schildes auf Rügen gezeigt, das unter der Überschrift Naturstrand erklärt, dass die Anspülung ein natürlicher Prozess ist. Weiter heißt es dort: „Er gehört zum Leben an der Küste wie das Rauschen der Wellen und die Schreie der Möwen.“

 „Das könnte ich mir auch gut in unserer Region vorstellen“, sagte Enderwitz. Zumindest entlang des Klimaerlebnispfades, auf dem das Klimabündnis zwischen Laboe und Schönberg an zwölf Standorten Schildern aufstellen möchte, wird Treibsel ein Thema sein.

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Ein Artikel von
Thomas Christiansen
Ostholsteiner Zeitung

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