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Syrer träumt vom Arztberuf

Klinik Preetz Syrer träumt vom Arztberuf

In Syrien hatte er schon mit dem Medizinstudium begonnen. Doch dann flüchtete Mohamad Abd Raboh vor dem Krieg nach Deutschland. In der Klinik Preetz macht er nun ein Pflegepraktikum. Und begeistert mit seiner offenen Art sowohl Kollegen als auch Patienten.

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Mohamad Abd Raboh, syrischer Praktikant in der Klinik Preetz, misst bei einer Patientin den Blutdruck.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Auch Pflegedienstleiterin Maren Lach schwärmt von der guten Arbeit, die der 21-Jährige leistet. „Wir sind auch alle von seinem Charme und Witz begeistert.“ Vor einigen Wochen hatte Jutta Sörensen von der Flüchtlingshilfe Preetz bei ihr angerufen und gefragt, ob der junge Syrer ein Praktikum machen könne. Er möchte gerne arbeiten – und zwar möglichst in einem Bereich, der mit seinem Berufswunsch zu tun habe. „Ich war beim Vorstellungsgespräch überrascht von seinen guten Deutschkenntnissen“, gesteht Maren Lach. Immerhin lebt er erst elf Monate in Deutschland. Doch er hatte schon in Syrien an einem Institut angefangen, die Sprache zu lernen.

 „Freunde haben mich gefragt, warum ich ein Praktikum mache, wenn es umsonst ist“, berichtet Mohamad Abd Raboh. Doch er wollte nicht untätig zu Hause sitzen, sondern sein Deutsch verbessern. Das ginge nur im Kontakt mit anderen Menschen. „Außerdem lerne ich auch viel im medizinischen Bereich.“ Am 1. Juni hat er angefangen, am 29. August ist das Praktikum wieder zu Ende. Mehr als drei Monate darf er nicht, weil er noch keine Aufenthaltsgenehmigung hat, sondern nur eine Duldung.

Eine Bombe traf seine Wohnung

 Mohamad Abd Raboh hatte in Aleppo gerade sein erstes Semester im Medizinstudium absolviert, als eine Bombe das Hochhaus traf, in dem er wohnte. Er kehrte zu seiner Familie in einen Vorort zurück, dort konnte er aber weder arbeiten noch weiter studieren. Immer wieder fielen auch dort Bomben. Mit fünf anderen Männern aus seiner Stadt machte er sich auf die Flucht. Zu Fuß durch die Türkei, mit einem Schlauchboot die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Griechenland, durch Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich. Seine beiden Schwestern flüchteten innerhalb Syriens, sein Bruder blieb in Aleppo, wo er gerade an der Uniklinik seinen Facharzt macht.

 Ab September besucht Mohamad Abd Raboh einen Sprachkursus an der Uni Kiel, um dort fünf Monate lang fünf Stunden pro Tag zu büffeln. Die abschließende Prüfung benötigt er für einen Hochschulbesuch. Für das Medizinstudium braucht er außerdem ein dreimonatiges Pflegepraktikum, das er dann schon nachweisen kann. Maren Lach würde ihm auch sofort eine Ausbildung als Krankenpfleger anbieten. „Er bekommt ein super Zeugnis für sein Praktikum“, kündigt sie schon jetzt an. „Die Patienten mögen ihn, er packt mit an und unterstützt die Kollegen.“

 Warten auf die Anerkennung

 Nach seiner Ankunft landeten Mohamad Abd Raboh und die anderen fünf in Neumünster. „Die anderen haben schon seit fünf Monaten ihre Anerkennung“, erzählt er. Er weiß nicht, woran es liegt, dass er weiter warten muss. Vielleicht daran, dass die anderen einen anderen Dolmetscher hatten. Neuerdings erhielten Flüchtlinge, die bisher noch keine Aufenthaltsgenehmigung haben, nur noch einen Status für ein Jahr, berichtet er. Dann hätte er Probleme mit dem Bafög und könnte nicht studieren. „Ich mache mir Sorgen“, gesteht er. Maren Lach fügt hinzu, dass die Preetzer Flüchtlingsbeauftragte Maren Sterzik bereits versuche zu vermitteln.

 Mohamad Abd Raboh arbeitet auf der internistischen Station. „Ich schaue immer, was die Schwestern machen, wie sie in einem Notfall handeln“, erzählt er. Er lerne viele medizinische Fachbegriffe kennen. „Ich arbeite hier gerne, weil das Team mit den Schwestern, Servicekräften und Ärzten sehr nett ist.“ Mit einem Arzt aus Ägypten könne er sich auch mal auf Arabisch unterhalten.

 Der junge Syrer ist froh, dass er in Preetz gelandet ist. „Weil man in der Großstadt nicht so viele Kontakte findet“, meint er. In Preetz gebe es eine sehr gut organisierte Flüchtlingshilfe. „In der Kleinstadt lernt man mehr Leute kennen, das hilft mir sehr, von der Sprache her und auch von der Kultur.“ Sein größtes Glück wäre es, einen Studienplatz in Kiel zu bekommen und in Preetz bleiben zu können. „Also wenn Integration gelingt, dann mit Mohamad“, ist Maren Lach überzeugt.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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