18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Lichtblicke in der Krise

TSV Germania Ascheberg Lichtblicke in der Krise

TSV Germania Ascheberg kann nach dem Desaster um das Sportheim auf die Solidarität vieler Bürger zählen. Vorsitzender Frank Pieters will den Verein langsam aber sicher aus der Krise führen und greift dabei zu ungewöhnlichen Mitteln: Panini-Sammelbildchen von aktiven Sportlern sollen Geld in die Kasse spülen.

Voriger Artikel
Unbekannte kappten Telefonkabel
Nächster Artikel
Riesenfrucht: Zucchini schießt in die Länge

Das Vereinsheim der Ascheberger Germanen hat zwar ein neues Dach, bietet aber ansonsten einen trostlosen Anblick. Rund 300 000 Euro würde die komplette Renovierung kosten, für die Hälfte könnte man den Funktionsbereich mit Umkleideräumen und sanitären Anlagen wieder auf Vordermann bringen.

Quelle: Peter Thoms

Ascheberg. So viel vorweg: „Der Sportbetrieb ist sichergestellt!“ Frank Pieters, der Vorsitzende des TSV Germania Ascheberg, des ältesten und größten Vereins in der Gemeinde, klingt selbstbewusst, weiß aber, dass der Verein mit seinen Geldsorgen offensiv umgehen muss, wenn man irgendwann einmal aus den roten Zahlen herauskommen möchte. Das dürfte zwar deutlich länger als eine Fußballsaison dauern, aber Pieters ist optimistisch, die Germanen aus der Krise zu führen.

Als er vor rund viereinhalb Jahren sein Amt als Vorsitzender abgab und sich aus beruflichen Gründen nach Mainz verabschiedete, war eigentlich alles in Ordnung: Er übergab seinen Nachfolgern einen Verein mit 850 Mitgliedern und einem – wenn auch renovierungsbedürftigen – funktionierendem Sportheim. Das Vereinsgelände war und ist im Besitz von Graf Brockdorff-Ahlefeldt, die Gemeinde Ascheberg ist Pächter des Geländes und hat mit dem TSV Germania einen Nutzungsvertrag.

Das Desaster mit dem Clubheim begann vor rund vier Jahren und ließ die stolzen Germanen in die Krise schlittern: Für die vom Sportverein geplante Umgestaltung der Umkleideräume und Sanierungsarbeiten in den Duschräumen legte die Gemeinde Ascheberg 7000 Euro auf den Tisch – und dann verselbstständigten sich die Umbaupläne. Viele Gewerke wurden in Angriff genommen und keins fertiggestellt. Außerdem schätzten die Aktiven des Vereins den Wert ihrer Eigenleistungen viel zu hoch ein. Die Folge ist unübersehbar: eine Bauruine direkt am Großen Plöner See.

Als Frank Pieters im Herbst vergangenen Jahres nach Ascheberg zurückkehrte, war der Sportbetrieb zu weiten Teilen eingestellt, weil die Übungsleiter nicht mehr bezahlt werden konnten. Spürbare Folge: Die Zahl der Mitglieder hatte sich halbiert. Vor allem die Jugendfußballer hatten sich benachbarten Vereinen angeschlossen, um ihrem Hobby weiter nachgehen zu können. Für Pieters hieß es „Ärmel hochkrempeln“. Er hat einen nach seinen Worten „mega-motivierten“ elfköpfigen Vorstand an seiner Seite, der sich darüber im Klaren ist, „dass wir es alleine nicht schaffen“. Die Mitgliederzahl steigt auch dank der Rückkehr einiger fördernder Mitglieder wieder leicht an, und liegt jetzt bei 451. Und all diesen Mitgliedern ist klar: Wenn das Sportheim nicht wieder in Betrieb genommen werden kann, wäre das der Todesstoß für den Verein.

Einige Sorgen sind die Ascheberger inzwischen los: Viele unbezahlte Rechnungen aus den vergangenen Jahren sind mittlerweile beglichen, die Abwanderung zu anderen Vereinen ist gestoppt beziehungsweise in reguläre Spielgemeinschaften verwandelt worden. Sportliche Rettung waren die Nachbarschaftshilfe aus Dersau und Kalübbe (Spielgemeinschaften im Jugendfußball), Tennis zum Freundschaftspreis beim ASV Dersau, und Body-Fitness-Kurse in Kalübbe. Und es gibt genug Übungsleiter, die aus den laufenden Einnahmen bezahlt werden können.

Weiterer Lichtblick: Das Sorgenkind Sportheim ist zumindest wasserdicht und damit winterfest. Lars Neumann, Dachdecker aus Kührsdorf mit fußballerischer Germanen-Vergangenheit, konnte sich das von der Bundesstraße 430 aus deutlich sichtbare Elend nicht mehr ansehen. Er spendierte Material und Manpower und ließ von seinen Mitarbeitern das Dach neu decken.

Hilfe auch vom Plöner Hagebau-Markt: Carsten Struck hat einen Materialbedarf von 127000 Euro ermittelt, um dem Sportheim wieder zu neuer, alter Blüte zu verhelfen. Eine Zahl, die Andreas Vössing von der Firma Nagel als Grundlage für weitere Kostenkalkulation nehmen konnte und (inklusive professioneller Bauleitung) auf 300000 Euro Gesamtkosten kommt.

Eine solche Sanierung ist zum derzeitigem Zeitpunkt reine Utopie: Schon ohne diese im Raum stehende Summe haben die Germanen Geldsorgen: Ein 40000-Euro-Kredit wird abgestottert, 16000 Euro Eigenkapital sind schon im Sportheim versickert und 30000 Euro Fördergelder vom Kreis- und Landessportverband müssen möglicherweise zurückgezahlt werden.

Eine Fragebogenaktion mit 30-prozentiger Antwortquote sei ein Hoffnungsschimmer, so Pieters. Sie signalisiere eine enorme Solidarität in der Gemeinde. An Helfern für die Platzpflege gibt es laut Pieters keinen Mangel. Das geschieht in Eigenregie und wird vorrangig vom Vorstand und von Aktiven der Altliga übernommen. Weitere Helfer, die Spaß an der Platzpflege haben, sind willkommen, um die Belastung für jeden Einzelnen so gering wie möglich zu halten.

Eine 300000-Euro-Sanierung ist also Utopie, aber Pieters ist zuversichtlich, in den kommenden zwei, drei Jahren 150000 Euro zusammenzubekommen, um zumindest die Umkleiden und den Sanitärbereich im Sportheim fertigzustellen. Dann könnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, und bei Heimspielen durch Getränke- und Wurstverkauf sowie Bandenwerbung wieder Geld in die Kasse kommen. Ein Grundstock für die finanzielle Wiedergeburt des Vereins liegt bereits auf einem Spendenkonto.

Eine weitere Trumpfkarte ist laut Pieters in Vorbereitung und zielt auf die Sammelleidenschaft der Ascheberger: Panini-Sammelbildchen könnten 300 Bilder von aktiven Sportlern aller Altersgruppen, Übungsleitern, Bildern der Herzsport- und Yogagruppen sowie historische Ansichten zeigen. Die wären wegen des geplanten Kooperationspartners Coop zwar nur bei Sky in Plön erhältlich, würden bei den Aschebergern aber sicher gut ankommen.

Der TSV Germania Ascheberg ist jetzt 70 Jahre alt – da darf man schon mal von der Party zum 75. Geburtstag träumen. Pieters’ Visionen: Neue Sparten wie Radfahren oder Bogenschießen haben zusätzliche Mitglieder angelockt, und auf dem rundum mit Bandenwerbung umsäumten Spielplatz spielen die Ascheberger im SHFV-Lotto-Pokal des schleswig-holsteinischen Fußballverbands um die Qualifikation für den DFB-Pokal.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3