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Stadtführer auf Herz und Nieren geprüft

Tourist-Info Stadtführer auf Herz und Nieren geprüft

Jahr für Jahr machen sich um die 400 Gruppen auf, um kleine Ausflüge in die Plöner Geschichte zu unternehmen. Damit den meist zahlenden Zuhörern kein Unsinn erzählt wird, legt die Tourist-Info in Plön großen Wert auf eine fundierte Ausbildung der Stadtführer.

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Im Hintergrund die Olsborg als Keimzelle der Stadt Plön, auf der anderen Seite das Wahrzeichen: Auf dem Schlossberg stellte sich Marion Heine den Fragen der Prüfer.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Diese müssen anschließend eine praktische Prüfung ablegen – und in diesem Zusammenhang noch letzte Tipps von einem „Profi“ bekommen.

Die sieben Stadtführer in spe, denen Ilse Erny, gebürtige Heidelbergerin und seit elf Jahren Stadtführerin in Plön, in der Prüfung auf den Zahn fühlte, wussten in etwa, was auf sie zukommt: Seit Januar hatten sie in mehreren Vorträgen die Plöner Geschichte von den Slawen bis hin zu Fielmann kennengelernt, Jahreszahlen gebüffelt und sich in ihrer Freizeit verstärkt mit dem Schlossgebiet, dem Mohr von Plön und den Kirchen beschäftigt.

Trotzdem gab es einen überraschenden Auftakt: Die Mitarbeiter der Tourist-Info hatten im Vorfeld festgelegt, wer welche Sehenswürdigkeit oder welchen Sachverhalt erläutern sollte. So wurde selbst bei kniffeligen Fragen ein „Freiwillige vor!“ verhindert – jeder musste eigentlich alles wissen. Und stellte es auch unter Beweis.

Ingo Buth war mit den Fragen rund um die Slawensiedlung Plune und die Festung Olsborg nicht aus der Fassung zu bringen und wusste auf alles eine Antwort. Axel Langfeldt, als Vorsitzender des Vereins Schusteracht in Sachen Gästebetreuung versiert, blieb die Antworten nach dem Stadtwappen und dem ursprünglichen Sinn der Stadtschwentine (dort wurden Wassermühlen angetrieben) nicht schuldig.

Im weiteren Verlauf des Prüfungs-Rundgangs waren die 63 Meter hohe Nikolaikirche, die von Alfred Führer gebaute Orgel und die Motive der bleiverglasten Fenster für Veronika Gebert keine Stolpersteine, und Ulrich Seeger wusste über Twieten, Gänseliesel-Brunnen, „Brandenburger Tor“ und Rathaus so genau Bescheid, als ob er die Entstehung selbst miterlebt hätte.

Das Thema Schlossgebiet mit Marstall, Uhrenhaus (diente früher bei schlechtem Wetter als Reithalle), Kommandeursvilla, Schwimmhalle und ehemaligem Lazarett meisterte Annette Voß ohne Hilfestellung. Marion Heine punktete mit ihrem Wissen um das herzogliche Plön, die vier Herzöge mit Doppelnamen und den jüngsten Schlossherr, Günther Fielmann. Johanna Mohr-Kühnke schließlich erwies sich als Spezialistin für die Neustadt mit der Johanniskirche, wobei dann die Sprache auch unweigerlich auf den Mohr von Plön kommt, der im 17. Jahrhundert eine steile Karriere vom Sklaven zum Feldtrompeter hingelegt hatte.

Soweit die graue Theorie in der Praxis. Aber wie hält ein Stadtführer seine Zuhörer bei Laune? Nur mit nüchternen Fakten und eindrucksvollen Zahlen? Ilse Erny setzte in der Prüfung gleichzeitig den Schlusspunkt für die Ausbildung, denn sie hatte eine Vielzahl praktischer Tipps für ihre zukünftigen Kollegen parat. Tipps, die einen größeren Aha-Effekt erzielen als zum Beispiel das genaue Baujahr des Prinzenhauses: „Wenn sie mit ihrer Gruppe hier angekommen sind…“, so Ilse Erny auf dem Marktplatz, „… schildern sie anschaulich, wie sich hier bis Mitte der 80er-Jahre zwei Bundesstraßen durch die Stadtmitte schlängelten – und zu allem Überfluss die Schranke am Bahnübergang Eutiner Straße alle Viertelstunde senkte!“ Den Namen Fielmann könne man bereits am ehemaligen Finanzamt und heutigen Bettenhaus das erste Mal ins Gespräch bringen – nicht erst am Schloss, regte sie an, und wer englischsprachige Gäste betreue, habe bei den Twieten die Gelegenheit, die Wortverwandtschaft mit dem englischen „between“ (= zwischen) herzustellen. Noch ein Tipp der Prüferin: Der beschwerliche Weg zum Schloss hinauf falle den Touristen etwas leichter, wenn sie vor dem Abstieg erführen, dass der Schlossberg von Hand aufgeschüttet worden sei.

Der wichtigste Hinweis zum Schluss: „Nicht entmutigen lassen! Es gibt auch mal blöde Gruppen“, so Ilse Erny, die sich an einen Jugendlichen erinnert, der sie einmal gefragt hatte: „Wenn ich ihnen zwei Euro gebe, hören sie dann auf zu erzählen?“ Weder Ilse Erny, noch Co-Prüferin Annika Rüting von der Tourist-Info hatten etwas zu kritisieren: „Ich hoffe, dass ich sie demnächst als Kollegen wiedersehe!“

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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