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Wenn ein Klackern wie Musik klingt

Tüftler und Sammler aus Dersau Wenn ein Klackern wie Musik klingt

Was Burgfried Mitura in seinem Schuppen sein Eigen nennt, würde andere möglicherweise als Schrott abtun. Das Herz des 72-Jährigen hängt aber an jedem Motor und jedem anderen Metallgebilde in den Kisten und Regalen. Das Wort Leidenschaft ist im Falle Mituras eine eisenharte Untertreibung.

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Burgfried Mitura mit dem Lieblingsstück in seiner Sammlung: Ein 100 Jahre alter Glühkopfmotor der Firma Neufeldt und Kuhnke.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Dersau. „Drehen Sie einmal an dem Knopf“, sagt er und zeigt auf alte Tonbandgeräte aus den 50er-Jahren. Es klackert sanft. Das Geräusch ist für den Dersauer wie erlesene Musik. „Das ist Mechanik vom Feinsten.“ Die Tonband-Oldies funktionieren nicht mehr. Er wagt es nicht einmal, den Steckern einzustecken. Zu groß ist seine Angst, dass die Maschine unter Strom vielleicht verschmort. Aber vielleicht findet sich ja jemand, der die alte Technik innig liebt und der sie wieder repariert. Auf so einen Menschen wartet er. Der würde das Tonbandgerät auch umsonst bekommen.

Und zu jedem Teilchen gibt es eine Geschichte dazu. So zum Beispiel zum Bohrhammer, der wie eine Trophäe auf einer Holzplatte befestigt ist. Das Gerät sei „die Geisel der Schifffahrt“ gewesen. Arbeiter bearbeiteten damit Schweißnähte an den Schiffsrümpfen. Regelmäßig flogen dabei Eisensplitter umher und verletzten Menschen. Ein Sicherheitsbeauftragter für Werften schaffte es nach langen Jahren harten Kampfs, dass diese Technik ausrangiert wurde. Zum Dank schenkten ihm Werftarbeiter die selbstgebaute Trophäe. Die landete im Müll. Mitura zog sie wieder heraus. „Ach, wissen Sie. Ich könnte so viel erzählen.“

So auch zum Indikator, der den Druck in einem Zylinder messen kann. Mituras erstes Arbeitsgerät, als er sein Berufsleben im Maschinenbau begann. Der zeichnet auf einem Blättchen eine Kurve, erklärt Mitura. Die kommt dann in ein anderes Gerät. Und, und, und... Viel versteht ein Laie von den folgenden Erklärungen nicht mehr. Aber Mituras Leidenschaft und Lust, die Dinge anderen Menschen auch nahe zu bringen, lassen sich nicht stoppen. Heute misst Computertechnik den Druck. Schnell ablesbar in einer Anzeige. Man spürt: Mitura lehnt die moderne Technik nicht ab, aber er liebt sie nicht so tief wie seinen Indikator.

Auf den ersten Blick etwas deplatziert hängt ein langes, schmales Kanu unter der Decke. Hat das was mit Mechanik zu tun? Es hat. Als Mitura als Maschinist zur See in der Südsee unterwegs war, fand er auf einer Insel einen Haufen ausrangierter Außenbordmotoren. In Gesprächen mit den Bewohnern fand er heraus, dass sie die Zylinder der Motoren nicht reparieren konnten. Mitura schleppte die Teile in die Werkstatt auf sein Schiff und baute die kaputten Zylinder aus und neue wieder ein. Zum Dank gab es das Kanu. Ach ja, er könne noch so viel erzählen.

Im Alter von 20 Jahren entflammte die Sammellust, die ihn bis heute im Bann hält. Es habe sich herum gesprochen, dass man zu ihm kommen sollte, bevor man etwas wegschmeißt. Seine Frau, mit der er mittlerweile 35 Jahre verheiratet ist, „staunt“ über das Hobby ihres Mannes. Aber so ein bisschen infiziert mit dem Sammeln ist sie schon. Immerhin gehört ihr in der Werkstatt ein Lanz Bulldog.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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