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Unterricht im Unruhestand

Senior-Teacher in Blekendorf Unterricht im Unruhestand

Statt seinen Ruhestand zu genießen, steht der ehemalige Gymnasiallehrer Bernd Friedrich (67) vor der Tafel, dieses Mal als Senior-Teacher in der Ostseeschule Blekendorf. Der Lütjenburger ist einer von 150 Lehrern in Schleswig-Holstein, die mit Billigung des Kultusministeriums weiterhin Unterricht geben.

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Für Bernd Friedrich sind die Grundschüler eine große Herausforderung.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Blekendorf. Friedrich unterrichtete jahrzehntelang am Gymnasium Lütjenburg Latein, Deutsch und Geschichte. Er hielt pubertierende Obertertianer in Schach und brachte Tausende von Schülern durchs Abitur. Als Senior-Teacher hilft Friedrich nun aber auch in Grundschulen, wenn durch Krankheit oder einfach Lehrermangel Kräfte fehlen. Sein jüngstes Engagement: Derzeit gibt er vier Stunden pro Woche Heimat-, Welt- und Sachkunde in einer Klasse der Ostseeschule in Blekendorf.

 Die 29 acht- und neunjährigen Jungen und Mädchen waren für ihn anfangs eine gewaltige Herausforderung, von der er nicht ahnte, wie groß sie sein würde. Während Gymnasiasten in einer Oberstufe eher zur Lethargie neigen, sind Grundschüler Energiebündel. „In den ersten Stunden hatte ich gewisse Probleme“, gesteht der Pädagoge ein. Man kenne die Namen nicht. Zwei Jungs hätten sich ständig aneinander gerieben. Die Lautstärke der Kleinen sei zudem nicht zu verachten, wenn sich zwei gegenüberstünden und sich anschrieen, als sei das ganz normal. Es dauere immer ein bisschen, bis alle wirklich auf ihren Plätzen sind. „Meine Achtung für Grundschullehrer ist seitdem enorm gewachsen.“

 Die Freude am Unterricht ist trotzdem groß. Friedrich erklärt seiner Klasse, dass Schleswig-Holstein einmal zu Dänemark gehörte. Er zeigt ihnen die Hünengräber in Futterkamp oder besucht mit ihnen das Eiszeitmuseum. „Ich habe den Anspruch, dass sie etwas lernen sollen.“ Demnächst ist das Thema Strom dran. „Da musste ich mich selbst erst einarbeiten.“ Ausflüge in den Tierpark Neumünster oder zu den Waldjugendspielen müsste er nicht mitmachen, aber er ist dabei, weil es ihm Spaß macht. Bis zum Ende des Schuljahres bleibt er in Blekendorf. Was dann kommt? Mal sehen.

 Senior-Teacher sind in Schleswig-Holstein gefragt. Mit Staunen denkt Friedrich an die Anfragen, die ihn erreichten. Eine Schule in Bad Oldesloe wollte ihn gar für zwölf Wochenstunden verpflichten. In Wyk auf Föhr hätte er für drei Monate zwischen Frühjahr und Sommer unterrichten können – kostenlose Ferienwohnung inklusive. Eine interessante Sommerfrische. „Wenn ich nicht verheiratet wäre, hätte ich es gemacht.“ Für Friedrich gilt der Grundsatz: Er hilft gern, wenn Not am Mann ist. Eine Art Feuerwehrmann mit Lehrauftrag. Ausdrücklich unterstreicht er: „Ich will aber keine jungen Lehrer ersetzen oder ihnen den Arbeitsplatz wegnehmen.“

 Ein wenig stolz ist er, dass er durch seine Arbeit im Ruhestand nun fast alle Schularten kennt. Friedrich war im Laufe seines Lebens Leiter des Internats in Plön, unterrichtete an einer Auslandsschule in Athen, lernte die kooperative Gesamtschule kennen und nun eben die Grundschule. Lust auf Unterricht verspürt Friedrich noch jede Menge. Er möchte weitermachen. „Bis 70. Das kann ich schon.“ Schulleiter mit Personalengpässen werden es ihm sicher danken.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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