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Keiner will Fleischer werden

Ausbildungsmarkt im Kreis Plön Keiner will Fleischer werden

Jubel bei den Elektrohandwerkern, trübe Aussichten bei den Fleischern und Bäckern. Das neue Ausbildungsjahr ist im Kreis Plön sehr uneinheitlich gestartet. Lehrlingsmangel? Bastian Sohn, Obermeister der Elektro-Innung, bemerkt in diesem Jahr davon überhaupt nichts. 26 Azubis haben dieses Mal ihre Lehre begonnen.

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Koch-Azubi Niklas Hoyer (19), der beim Hotel Lütje Burg in Lütjenburg lernt, muss sich um einen Job keine Sorge machen. Händeringend werden in der Branche Fachkräfte gesucht.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Plön. So viele waren es seit Jahren nicht mehr. 2015 lockte die Technik in und an Gebäuden nur 13 Jugendliche an. Woher kommt der Erfolg? Sohn: „Nachwuchswerbung hat für mich höchste Priorität, in die wir viel Zeit investiert haben.“ Die Elektro-Innung mache gute Öffentlichkeitsarbeit, pflege die Zusammenarbeit mit Schulen und Berufsschulen, gehe direkt auf Jugendliche zu. „Unsere Betriebe sind immer offen für Praktikanten. Vielleicht ist das der Schlüssel.“ Außerdem sei Technik für die Jugendlichen interessant. Eines ist für Sohn aber sicher: Der Lohn ist nicht der Grund für die große Nachfrage nach Lehrstellen in seinem Gewerk. Ein Azubi im ersten Lehrjahr erhält nur so um die 400 Euro im Monat.

 Der neue Jahrgang im Elektrohandwerk zeichnet sich durch eine weitere Besonderheit aus. Fünf junge Menschen haben einen Migrationshintergrund und sind zum Teil kaum länger als ein Jahr in Deutschland. Sohn: „Die Handwerksbetriebe sind bereit, ihren Beitrag bei der erfolgreichen Integration von Flüchtlingen zu leisten.“

 Sehr düster sieht es hingegen bei der Fleischer-Innung aus. Obermeister Jürgen Fritze schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Ausbildungsplätze in den rund 30 Betrieben im Kreis unbesetzt geblieben sind. Allein in seiner Schlachterei in Kalübbe hätte er noch gerne jeweils einen Azubi als Fleischereifachverkäufer und als Fleischer einstellen wollen. Doch Fritze fand einfach keine Bewerber. Er sieht in dem demographischen Wandel die Ursache für die Misere, die Auswirkungen auf die Zukunft des Fleischerhandwerkes haben werde. Heute fehlen die Auszubildenden und damit morgen die dringend benötigten Gesellen. Fritze schätzt, dass wegen der Nachwuchs-Krise eine Reihe von Schlachtereien im Kreis Plön vom Markt verschwinden wird.

 Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck, kennt im Kreis Plön noch weitere Branchen, denen junge Kräfte fehlen. Dazu gehören ebenso das Bäcker- und Friseurhandwerk. Aber: Insgesamt steigt die Zahl der Auszubildenden. Im vergangenen Jahr begannen im Kreis Plön 214 Jugendliche eine Ausbildung in einem Handwerksberuf. Bei der Kammer sind in dieser Saison schon 229 Ausbildungsverträge registriert worden. Und erfahrungsgemäß lassen sich eine Reihe von Meistern mit dem Übersenden noch Zeit. Die Zahlen könnten bis Jahresende weiter steigen.

 „Gute Auszubildende behandeln wir wie Goldstaub“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Andreas Tedsen. 26 junge Menschen starten in eine Kochlehre, 17 als Hotelfachkraft und zehn als Restaurantfachkraft. Bei insgesamt 100 Dehoga-Mitglieder im Kreis Plön findet Tedsen die Zahlen „nicht wirklich toll“, zumal viele unterschätzten, wie anstrengend der Job in der Branche sei. Im vergangenen Jahr beendeten nur sechs Köche ihre Ausbildung. „Eine Katastrophe“. Tedsen kritisiert das schlechte Image, dass die Öffentlichkeit von einem Beruf im Hotelgewerbe oder in der Gastronomie hat. Die Zeiten, in denen die Inhaber ihre Mitarbeiter schlecht behandeln konnten, seien längst vorbei.

 Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön, Tanja Schatomski, rechnet damit, dass sich die Situation im nächsten Jahr dank der Flüchtlinge entspannen könnte. Das Beherrschen der deutschen Sprache sei derzeit noch das größte Problem. Aus ihrer Sicht gibt es zu wenig Integrationskurse für Menschen aus Syrien oder dem Irak, um sie in der deutschen Sprache fit zu machen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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