23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Kaum noch Stare in Bendfeld

Vogelwelt Kaum noch Stare in Bendfeld

Anders als bei seiner ersten Kartierung vor 28 Jahren wurde Uwe Dierking jetzt überall in Bendfeld freundlich empfangen, oft sogar zum Rotwein eingeladen. Für Vögel scheint der Ort aber nicht mehr so attraktiv zu sein – die Zahl der Arten hat zwar zugenommen, doch es gibt deutlich weniger Vögel.

Voriger Artikel
Volles Rohr auch für den Papst
Nächster Artikel
Weniger Bauflächen am Kirchsee?

Fast verschwunden: der Star. Das einzige Paar, das Dierking noch in Bendfeld entdeckte, gehört vermutlich zum Bestand in Stakendorf. Dort gibt es noch an allen Ortsrändern Weidegrünland – und fast 20 Starenpaare.

Quelle: Patrick Pleul

Bendfeld. Besonders drastisch ist der Rückgang der Stare. Mit 80 Brutpaaren war der Bestand 1987 extrem hoch, in diesem Jahr fand Dierking nur noch ein einziges Paar. „Stare brauchen Weidegrünland, weil sie nur auf kurzrasigen Flächen Nahrung suchen können und diese Flächen durch den Tierkot sehr insektenproduktiv sind. Das weitgehende Verschwinden der Stare lief parallel zu der Aufgabe der Jungviehweiden“, erklärt er. Nicht nur in um Bendfeld, auch landesweit verschwinde immer mehr Grünland, bedauert Dierking.

 Vor 28 Jahren wohnte Dierking noch im Kreis Plön. „Mir war aufgefallen, dass in der Probstei die Situation in den Dörfern für die Vogelwelt überdurchschnittlich gut ist, die umliegende Landschaft aber intensiv genutzt wird. Ich hatte großes Interesse daran, zu schauen, wie sich das auf die Bestände auswirkt“, erinnert er sich. Tatsächlich fand er im Ort 35-mal so viele Vogelpaare wie außerhalb. Das führte er auf die intensive Nutzung und die Strukturarmut der Agrarlandschaft und andererseits den besonderen Strukturreichtum im Dorf mit dem „offenen, parkartigen Gelände mit vielen Bäumen und Nischen“ zurück. Dies bescherte Bendfeld auch im Vergleich zu anderen Dörfern eine deutlich höhere Vogeldichte. „Das Umland liefert kaum Nahrung, die Vögel ernähren sich im Dorf“, sagt Dierking.

 Zufällig stieß er vor einiger Zeit auf die Ausgabe des Corax, der Zeitschrift der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein und Hamburg, in der Dierking seine Ergebnisse veröffentlicht hatte. „Ich wollte das überprüfen“, begründet er seine zweite Kartierung, für die er wieder sieben Tage schon vor dem Sonnenaufgang unterwegs war. Dierking ist seit 35 Jahren im Naturschutz aktiv, vor allem für das Land und den Verband für Landschaftspflege, doch die Kartierung in Bendfeld war privat: „Das hat einfach viel Spaß gemacht.“ Vor allem in diesem Jahr. Während er 1987 kaum wahrgenommen wurde, nahmen die Dorfbewohner jetzt großen Anteil, luden ihn ein und gaben ihm „viele wertvolle Hinweise“. Für die meisten war er „der Mann mit dem Klemmbrett“.

 Überrascht war er nicht nur davon, sondern auch von den Ergebnissen: „Die Unterschiede waren viel größer als ich gedacht habe.“ Die Artenzahl hat zwar von 29 auf 40 zugenommen, doch die Zahl der Individuen ging um zwei Drittel zurück. Insgesamt 13 Arten traten neu auf – darunter der Turmfalke, die Dorngrasmücke, der Sumpfrohrsänger und der Neuntöter. Zugenommen haben zum Beispiel der Zaunkönig und der Feldsperling, der zur zweithäufigsten Art wurde. Besonders stark abgenommen haben auch die Bestände der 1987 noch vorherrschenden Arten wie Haussperling, Star, Rauchschwalbe, Grünfink und Buchfink. „Das ist ein bundesweiter Trend, der besorgniserregend ist, weil diese Arten die Ökosysteme tragen“, sagt Dierking. Trotz der Rückgänge biete das Dorf den Vögeln aber auch heute noch sehr viel, betont Dierking: „Bendfeld ist wie eine Insel in der intensiv genutzten Landschaft.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events: Kreis Plön

Veranstaltungen im
Kreis Plön - Aktuelle
Termine, News, Infos

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3