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Widerstand gegen den Panzerentzug

Waffensammler aus Heikendorf Widerstand gegen den Panzerentzug

Zwei Tage dauerte die Bergung eines Weltkriegspanzers aus der Villa des Waffensammlers Klaus-Dieter F. Anfang Juli in Heikendorf. Jetzt strebt sein Anwalt mit allen rechtlichen Mitteln an, dass sein Mandant den beschlagnahmten Panzer und seine anderen Waffen zurückbekommt.

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Bei der Razzia in Heikendorf holten Bergungsspezialisten der Bundeswehr auch diesen Panzer aus dem Keller.

Quelle: Frank Peter

Heikendorf. Zum Zeitpunkt des Erwerbs sei das Kampffahrzeug vom Typ „Panther“ aus dem Zweiten Weltkrieg demilitarisiert gewesen. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen den 78-Jährigen wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

 Der Panzer und eine 8,8-Zentimeter-Flak, die ebenfalls beschlagnahmt wurde, stehen jetzt in einer Halle auf dem Truppenübungsplatz Putlos. Mehr als 30 Pioniere der Bundeswehr hatten Anfang Juli zwei Tage schwer geschuftet, um den 40 Tonnen schweren „Panther“ mit zwei Bergepanzern aus einer Tiefgarage zu ziehen. Bei dieser Aktion musste der Panzer gedreht werden. Dabei wurden Wände beschädigt. Auch der Weg zu der Villa des vermögenden Mannes wurde durch das Gewicht der Fahrzeuge schwer in Mitleidenschaft gezogen.

 Zudem hatten die Beamten Handfeuerwaffen mitgenommen, für die Klaus-Dieter F. Waffenberechtigungskarten hat. Der Kreis Plön als Waffenbehörde prüft jetzt, sie ihm wieder zu entziehen. Auch dagegen will der Anwalt rechtlich vorgehen. Den Nachbau einer V1-Rakete mit Holzflügeln wollte die Staatsanwaltschaft offenbar nicht mitnehmen und ließ sie zurück.

In Heikendorf wurde ein Panzer und diverse Militaria aus einem Privathaus beschlagnahmt.

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 „Ich halte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig“, sagte Anwalt Gramsch. Seiner Ansicht nach wäre es völlig ausreichend gewesen, wenn sich einige Beamte mit einem Sachverständigen die Waffensammlung in Ruhe angeschaut und dann beurteilt hätten, ob sie etwas mitnehmen oder vor Ort lassen. „Es wäre auch möglich gewesen, den Raum einfach zu versiegeln und zu einem späteren Zeitpunkt über den Verbleib zu entscheiden“, sagte Gramsch.

 Zudem hätte sein Mandant beim Kauf des Panzers, der schon damals in den 70er-Jahren nicht schussbereit war, das Bundeswirtschaftsministerium gefragt, welche technischen Veränderungen er vornehmen müsse. Diese habe er umgesetzt, so der Anwalt. Die Handwaffen seien in einer begehbaren Waffenkammer sicher aufbewahrt gewesen. Auch die Flak sei demilitarisiert worden und schieße nicht mehr. Er sehe keine Rechtsgrundlage für die Beschlagnahmung. „Mein Mandant ist ein Sammler und geht sehr verantwortungsvoll mit den Waffen um“, sagte Gramsch.

 Oberstaatsanwältin Birgit Heß wollte sich am Montag nicht äußern. „Die Ermittlungen dauern an“, sagte sie. Anwalt Gramsch bemüht sich jetzt um einen Besichtigungstermin in Putlos, der Ende Juli oder Anfang August stattfinden könnte. Er suche derzeit einen Gutachter für eine fachliche Expertise. „Wir setzen alles daran, dass Panzer, Flak und Handwaffen wieder zurück nach Heikendorf kommen“, sagte er.

 Unterdessen wurde eine Online-Petition auf der Plattform change.org gestartet. Die über 5300 Unterzeichner fordern, dass die Exponate dem Waffensammler wieder ausgehändigt werden. Die Leidenschaft von Klaus-Dieter F. sei kein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ein Sympathisant stuft das Verhalten der Staatsanwaltschaft als „reine Behördenwillkür“ ein. Fraglich sei, auf welcher rechtlichen Grundlage der Einsatz der Bundeswehr erfolgt sei.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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