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Blauer Warnschuss

Wildreflektoren im Kreis Plön Blauer Warnschuss

Immer mehr Jäger setzen Wildreflektoren an Straßen ein, wo besonders viele Rehe oder Damwild unter die Räder kommen. Die blauen Warnzeichen an den Leitpfosten funktionieren gut, berichten Revierinhaber. Trotz der Bemühungen steigt aber die Zahl der Wildunfälle im Kreis Plön seit zehn Jahren an.

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Auf der Straße zwischen Schmiedendorf und Hohwacht ereigneten sich besonders viele Wildunfälle in Höhe des Großen Binnensees. Seitdem Jäger blaue Wildreflektoren angebracht haben, sank die Zahl deutlich.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Jagdaufseher Matthias Potrafky kümmert sich um die Straße zwischen Schmiedendorf und Hohwacht, die am Großen Binnensee entlangführt und von Feldern und Wäldern gesäumt ist. So müssen sich Rehe und Wildschweine das Paradies vorstellen. Auf dem nur wenige Kilometer langen Straßenstück zählte Potrafky in der Vergangenheit pro Jahr rund 60 Stück Fallwild. Nach Anbringen der blauen Warnreflektoren, die das Scheinwerferlicht der Wagen widerspiegeln, sank die Zahl auf fünf bis sechs. Allerdings weist Potrafky darauf hin, dass sich der Bestand des Rehwildes an einigen Stellen verringert hat. Trotzdem schätzt er, dass die Reflektoren 80 Prozent der Unfälle auf dieser Straße verhindern.

 Die blauen Schildchen kosten um die 5 Euro pro Stück. Den optischen Reh-Alarm zahlen die Jäger aus eigener Tasche. Bei größeren Abschnitten kommen da schon beträchtliche Summen zusammen. Potrafky: „Vielleicht könnten sich die Kfz-Haftpflichtversicherungen an den Kosten beteiligen.“ Die hätten schließlich etwas davon.

 Hans-Werner Blöcker hat sein Revier in einer selbst für den Kreis Plön enorm wildreichen Gegend. Es liegt an der Kossau im Bereich Engelau. Die Bundesstraße 430 führt hier hindurch. Nach Setzen der blauen Marken gingen die Verluste beim Rehwild um 30 bis 40 Prozent zurück. Nicht so stark wie in Hohwacht, aber immerhin. In seinem Abschnitt fielen früher sieben bis acht Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer. Jetzt sind es zwei bis drei pro Jahr. Eigentlich alles gut, doch Blöcker warnt vor den Eigenheiten der Rehe. „Der Gewöhnungseffekt bei den Tieren ist riesengroß.“ Aus seiner Sicht müssen die Jäger die Reflektoren zeitweilig wieder abmontieren. Ansonsten gehe der bläuliche Warnschuss mit der Zeit an den Sinnen des Wildes vorbei.

 Der Landesjagdverband pries vor zwei Wochen die Wildreflektoren. Landesweit seien die Wildunfälle daher in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Beim Blick in die Statistik der Polizei ergibt sich für den Kreis Plön allerdings ein völlig anderes Bild. 2006 meldete die Autofahrer noch 1200 Unfälle mit Reh und Wildschwein, 2015 waren es schon 1550. Die Zahlen kletterten kontinuierlich nach oben, nur unterbrochen durch zwei strenge Winter 2010/2011 und 2012/2013. Erklärungen sind schwierig zu finden. Hans-Werner Blöcker geht von einem Anstieg des Wildbestandes im Allgemeinen aus. Stefan Kalinowski, Leiter des Sachgebiets Verkehr bei der Polizeidirektion Kiel, rätselt ebenso, wie das sein kann angesichts der zunehmenden Zahl von Wildreflektoren. Vielleicht hänge das mit einem höheren Verkehrsaufkommen zusammen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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