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Worte und Bilder gegen Gewalt

Plön Worte und Bilder gegen Gewalt

Die Terroranschläge von Paris bestimmten auch die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag. Plöns Bürgervorsteher Dirk Krüger widmete die Gedenkstunde im Gymnasium Schloss Plön „zuallererst den Opfern von Paris“ und bat die Besucher in der voll besetzten Aula zu einer Schweigeminute.

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Die Konfirmanden der Plöner Kirchengemeinde trugen gemeinsam mit Vertretern der Stadt, der Marine und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kränze zum Mahnmal an der Bieberhöhe.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Zuvor war auch Pastor Jörn Kress im Gottesdienst in der Nikolaikirche auf die aktuellen Ereignisse eingegangen. Die „Ethno Mass for Peace“, erstmals in Plön aufgeführt, möge „ein Zeichen für den Frieden und gegen Gewalt“ setzen.

 Bedrücktheit und Sorgen waren in der abgedunkelten Aula beinah mit Händen zu greifen. Wohl jeder der rund 200 Besucher hing seinen Gedanken nach, während die Gymnasiastin Julia Hübner Johann Sebastian Bachs Sinfonia c-Moll auf dem Flügel zu Gehör brachte. Im fünften Jahr fand diese besondere „gemeinsame Veranstaltung am Volkstrauertag“ in Plön statt, die unter Beteiligung von Schulen, Kirchen, Marine, Stadt und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Bogen von Kriegsopfern zur jungen Generation spannt. Initiator ist Pastoralreferent Michael Veldboer vom katholischen Militärpfarramt.

 Im Verkündigungsteil skizzierte Veldboer, der Seelsorger an der Marineunteroffizierschule (MUS) in Plön ist, im Dialog mit Pfarrhelfer Hermann Kopf die Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. „Waffenstillstand ist noch kein Frieden“, sagte er auf die Frage, wann ein Krieg tatsächlich vorbei sei. Erst im Lauf der Jahrzehnte hätten viele Länder Europas ein friedliches Miteinander erreicht, schließlich sei die innerdeutsche Grenze geöffnet worden. „Und heute?“, fragte Veldboer. Heute herrschten Krieg in der Ukraine, Terror in Frankreich. „Heute heißt die Mauer Transitzone, Mittelmeer und Herkunftsländer“, so der Militärpfarrer mit Blick auf die Flüchtlingswellen.

 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Plön erinnerten anhand von Archivmaterial und auf der Grundlage von Interviews mit Zeitzeugen an das Kriegsende im Kreis Plön. Sie schilderten die Erlebnisse zweier überlebender Männer (15 und 17) aus Plön und Preetz, die noch in den letzten Kriegswochen zusammen mit Altersgenossen sowie Menschen im Alter ihrer Großeltern im Volkssturm „verheizt“ wurden. Auch über Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber Fremden zitierten sie aus Archivunterlagen. 6000 Einwohnern standen damals in Plön rund 4000 Flüchtlinge gegenüber.

 Lehrer Dirk Meußer von der Gemeinschaftsschule wies auf „die vielen geschichtsträchtigen Orte“ in der Umgebung hin. So habe etwa in Plön-Stadtheide die Waffen-SS noch vier Wochen vor Kriegsende Stände aufgebaut, um Kinder anzuwerben. Die Schilderung der Kriegsgräberpflege in Sandweiler (Luxemburg) durch Stephan Rodekurth schloss hier nahtlos an: In Sandweiler lägen überwiegend ganz junge gefallene Soldaten, berichtete der Stabsbootsmann von der MUS. Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Plön legten anschließend am Ehrenmal an der Bieberhöhe Kränze zu Ehren der Gefallenen nieder. Der Posaunenchor sorgte für den musikalischen Rahmen der Zeremonie.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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