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Zahn der Zeit nagt an Gebäuden

Turmhügelburg Lütjenburg Zahn der Zeit nagt an Gebäuden

Plastik ist auf der Lütjenburger Turmhügelburg eigentlich streng verpönt. Das gab es schließlich im Mittelalter nicht. Doch um den Verfall einer Wand aufzuhalten, muss die stabile blaue Plane her. Die Pflege und Unterhaltung der Lehmgebäude ist heute so mühsam und zeitintensiv wie vor 1000 Jahren. Die Freunde der mittelalterlichen Burg bereiten die Häuser und Anlagen derzeit für die neue Saison vor.

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100 Meter Weidenzaun besserten freiwillige Helfer auf der Turmhügelburg aus (von links): Alexander Petong, Bernd Oldewurtel, Jens Kahl, Alfons Bendorf, Jana Petong und Ruth Bendorf.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Die Wetterseite der Schmiede hat es besonders hart erwischt. Der Regen und der Wind ließen den Lehm bis auf das Astgeflecht in der Wand abbröckeln. Die einzelnen Gefache müssen neu verputzt werden. Aber wie den Lehm haltbar machen, dass der Regen ihm nichts anhaben kann? Bernd Oldewurtel, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, lässt mit Quark experimentieren, aus dem eine dünne Paste angemischt werden soll. Sie wird auf den Lehm als eine Art Schutzschicht aufgetragen. Ein teurer Spaß, weil der Quark nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern aus schonend behandelter Milch stammen muss. Sonst funktioniert es mit der wasserabweisenden Wirkung nicht.

 Die Vergänglichkeit nagt auch an der Turmhügelburg selbst. Im vergangenen Jahr erhielt sie ein Betonfundament, weil die tragenden Balken verrottet waren. Ein ganz natürlicher Vorgang und kein Baumangel. Bernd Oldewurtel: „Im Mittelalter fielen die Türme nach zehn oder 15 Jahren um.“ Doch damals schlug man ein paar neue Eichenstämme und baute das Verteidigungswerk einfach neu auf. Das kann sich der Lütjenburger Verein allerdings nicht leisten – zu teuer. Deshalb akzeptierten die Freunde der Burg schließlich den Beton, der nicht sichtbar ist, auch wenn sie ansonsten höchsten Wert auf die Authentizität der Anlagen legen.

 Wasser und Feuchtigkeit sind die größten Feinde des Holzes. Probleme gibt es damit auch auf der Rückseite des Wirtschaftsgebäudes. Eine Regenrinne aus Holz wollen die freiwilligen Helfer an der Dachkante installieren. Die Dächer mit den Schindeln sind zwar ständig der Witterung ausgesetzt, aber sie gehören erstaunlicherweise zu den langlebigsten Bauteilen auf dem Mittelalter-Gelände. Oldewurtel hat in den USA Schindeldächer gesehen, die über 100 Jahre alt waren und immer noch den Regen sicher abhielten.

 Rund 5000 Arbeitsstunden steckten die Helfer im vergangenen Jahr in den Erhalt der Gebäude, damit die über 40000 Besucher jedes Jahr einen Abstecher ins Mittelalter machen können. Dieses Jahr dürften es nicht weniger Einsätze der Helfer werden. Neidisch schauen die Lütjenburger zu einer befreundeten Burganlage in Bayern. Der dortige Verein erhält großzügige Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand. Vielleicht hilft der Turmhügelburg ja auch mal ein finanzstarker Sponsor aus der Wirtschaft...

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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