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Nur Ziehen oder Füllung

Zahnärzte im Einsatz auf den Kapverden Nur Ziehen oder Füllung

Voller Eindrücke und persönlicher Erlebnisse ist das Plöner Zahnarzt-Ehepaar Dres. Ute und Wolfgang Kehl von den Kapverdischen Inseln zurückgekehrt. Die beiden Ruheständler haben ihren ersten Auslandseinsatz für die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ (DWLF/Dentists without limits Foundation) hinter sich.

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Erinnern sich gern an ihren Einsatz auf den Kapverden: Ute und Wolfgang Kehl aus Plön.

Quelle: Ralph Böttcher

Plön.  „Wir wollten das immer schon machen“, sagt Ute Kehl (69), „aber 14 Tage aus der Praxis raus – das ging irgendwie nie.“  Eine Erkenntnis haben die beiden Plöner von ihrer Arbeitsreise mitgebracht: Vor allem Kinder und Jugendliche in dem Inselstaat leiden unter schwer geschädigten Zähnen. Die Zivilisation mit Cola und Süßigkeiten habe offensichtlich ihre Spuren hinterlassen, meint Ute Kehl. „Die Kleinen haben ständig einen Lolli im Mund, und Zahnbürsten oder Zahncreme gibt es in keinem Supermarkt.“

 Etwa 200 Patienten behandelte das von Wolfgang Kehl geführte Team in einem der drei Behandlungszentren in Praia, der Hauptstadt der Hauptinsel Santiago. Ihm zur Seite standen ihm neben seiner Frau die junge Zahnärztin Annika Ziegler aus Mainz und die Zahnarzthelferin Ye Eun Tak aus Südkorea. Beim Kontakt mit den einheimischen Patienten half zudem die kapverdische Kollegin Elisabeth Rodriguez. Wo immer es ging, entschieden sie sich für eine Komplettsanierung, besonders bei Kindern. „Wir haben Krankheitsbilder gesehen, die wir hier gar nicht kennen“, sagt der 73-jährige Zahnarzt. Entzündungen, die aus dem Mundraum nach außen wuchsen, Kinder, denen bereits Milchzähne und bleibende Backenzähne gezogen worden waren. Bei einer Dreijährigen war das gesamte Milchgebiss von Karies befallen. Für die „Zahnärzte ohne Grenzen“ keine leichte Aufgabe, zumal ihnen die gewohnte Ausrüstung fehlte. Es gab kein Röntgengerät, keine Desinfektionsmittel, das aus Deutschland mitgebrachte Material lag 14 Tage beim Zoll. Wurzelbehandlungen sind unter diesen Umständen undenkbar. „Da ging nur Füllung oder Ziehen“, sagt Kehl. 140 Extraktionen listet sein Bericht auf. Für größere Eingriffe müssten die Einheimischen nach Dakar fliegen – wenn sie es denn bezahlen können, die Bevölkerung ist arm.

 40 Jahre lang haben Ute und Wolfgang Kehl in ihrer gemeinsamen Plöner Praxis am Stuhl gestanden. Beim Studium in Marburg hatten sie sich kennengelernt – sie stammt aus Neumünster, er aus Hagen. Als sie Ende 2014 in den Ruhestand gingen, war endlich die Zeit reif für neue Pläne. Und dabei stand nicht das eigene Vergnügen im Vordergrund. Die Zahnmediziner wollten helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Mongolei, Sri Lanka, Namibia – die DWFL bietet ihren Mitgliedern Einsatzorte in aller Welt an. Für die Kehls war schnell klar: Sie wollten auf die Kapverdischen Inseln. Die ehemalige portugiesische Kolonie, drei Flugstunden südlich der Kanaren, besteht aus einem guten Dutzend Inseln. Die überwiegend katholische Bevölkerung sei „liebenswert, offen und dankbar“. Im Januar 2017 wollen sie wieder dorthin.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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