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Zu wenige Plätze im Frauenhaus

Preetz Zu wenige Plätze im Frauenhaus

Heute vor genau 40 Jahren wurde das erste deutsche Frauenhaus eröffnet. Auch die Einrichtung im Kreis Plön besteht schon fast 35 Jahre. Das ist allerdings kein Grund zum Feiern. Denn der Bedarf wächst weiter. Zurzeit müssen wegen Überfüllung immer wieder Frauen abgewiesen werden.

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Zu wenige Plätze und zu wenige Finanzmittel: Schon beim Besuch des damaligen schleswig-holsteinischen Gleichstellungs- und Integrationsministers Emil Schmalfuß vor genau fünf Jahren in den neuen Räumen des Frauenhauses Preetz gab es Kritik von der Landesarbeitsgemeinschaft der Autonomen Frauenhäuser.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. „Wir hatten gerade eine bundesweite Tagung der autonomen Frauenhäuser zu diesem Jubiläum“, erzählt Mitarbeiterin Andrea Heitmann. Das bittere gemeinsame Fazit: „Die Plätze reichen nicht aus.“ Alle Häuser seien mehr als voll. Nicht alle Einrichtungen seien wie der Neubau in Preetz zum Teil behindertengerecht, und manche könnten keine Jungen über 14 Jahre zusammen mit den Müttern beherbergen. „Wir sind außerdem eine Besonderheit, weil wir auch Haustiere mit aufnehmen“, so Heitmann.

 Es sei immer das Ziel gewesen, allen Frauen eine Zuflucht zu bieten, die Hilfe suchten. „Aber das geht nicht mehr“, sagt sie, „sonst bekommen wir die Zustände, wie wir sie früher im alten Haus hatten, als alle Zimmer komplett vollgestopft waren.“ Früher mussten sich bis zu vier Frauen ein 15 Quadratmeter großes Zimmer teilen, für alle gab es nur eine Toilette und eine Dusche. Der Kreis beschloss daraufhin einen Neubau, der im Januar 2011 eingeweiht wurde. Neun Schlafräume, einer davon barrierefrei, ein Gemeinschaftsraum, eine große Küche, ein Kinderspielzimmer und Sanitärräume entstanden auf einer Gesamtfläche von 320 Quadratmetern.

 Die 15 Plätze seien zur Zeit ständig voll belegt. „Früher ging es mit den Notaufnahmen immer irgendwie“, erzählt Andrea Heitmann, aber jetzt mussten allein in den Monaten Juli und August 30 Frauen mit über 30 Kindern abgewiesen werden, obwohl man sogar schon wieder Stockbetten habe und auch mal zwei Frauen in einem Zimmer unterbringe. „Wir haben landesweit keine Plätze mehr.“ Dabei sollten Hilfesuchende eigentlich innerhalb von drei Tagen vermittelt werden können. Ein großes Problem sei die längere Verweildauer, weil die Frauen keinen bezahlbaren Wohnraum fänden. „Wir sind ständig am Limit oder darüber, das ist richtig heftig geworden.“ Selbst wenn man Spiel- und Wohnzimmer belegen würde, würde das nicht ausreichen.

 Dazu kämen immer mehr geflüchtete Frauen, für die oft ein Dolmetscher angefordert werden müsse und die auch mal zu Schulen und Kindergärten begleitet werden müssten. Damit steige die Arbeitsbelastung. Diese Frauen würden häufig durch Polizei und Mitarbeiter in Erstunterkünften vermittelt. Auch dort gebe es zwar die Möglichkeit der Wegweisung, „doch die Gewalt hört damit meistens nicht auf, weil sie oft durch die Familien oder den Gruppendruck weiterläuft“, so Andrea Heitmann. Viele Opfer hätten neben den körperlichen Verletzungen durch Faustschläge, Messerstiche oder Fußtritte auch psychosomatische Leiden.

 Die Autonomen Frauenhäuser hätten sich bereits an Land und Kreise gewandt mit der Bitte, mehr öffentliches Geld für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. „Wir brauchen mehr Geld, Plätze und Personal – wir gehen langsam auf dem Zahnfleisch“, meint Heitmann. Das Frauenhaus des Kreises mit seinen vier Teilzeitmitarbeiterinnen leiste eine Rund-um-die-Bereitschaft. Man sei sehr dankbar für den Neubau in Preetz, betont sie. Um die größte Not zu lindern, schlägt sie vor, einen Wintergarten anzubauen und im Wohnzimmer fünf weitere Plätze einzurichten. Eine weitere Überlegung sei, ein Wohnprojekt mit einer betreuten WG einzurichten, um den Frauen erst einmal Wohnraum bieten zu können. Für diese sei es schwierig, das selbst zu organisieren. Aber auch für diese Lösung brauche man Geld.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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