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140 Jahre und kein bisschen leise

Nortorf 140 Jahre und kein bisschen leise

Für „eine flotte, alte Dame, die richtig gut in Schuss ist“, hält Kirchenmusiker Ulrich Hein die Orgel in der St. Martin-Kirche in Nortorf. Es gibt auch ältere, aber diese hier feiert dieses Jahr ihren 140. Geburtstag. Wäre damals, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nicht der Organist und Kantor Hinrich Bluhm gewesen, dann würde es das hochkomplizierte Bauwerk, wie es heute hier steht, nicht geben.

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Imposant von außen und nicht weniger im Inneren: Fast 2000 unterschiedlich große, metallene und hölzerne Pfeifen verbergen sich in der Orgel der St. Martin-Kirche.

Quelle: Nora Saric

Nortorf. „Es ist schon toll, diese Orgel zu spielen“, sagt Ulrich Hein. „Sie ist die älteste, die ich bisher bedient habe.“ Seine Füße gleiten geschickt über eine Reihe aus ganz vielen kleinen Pedalen. Heins Hände liegen auf einem von drei Manualen, die Reihen mit den Fingertasten. Immer wieder zieht er eines der 35 Register, woraufhin sich der Orgelklang verändert. Jedesmal, wenn er einen dieser Knöpfe zieht, löst sich eine Sperre zwischen dem Luftdruck und den Pfeifen. Eine zweite Sperre wird durch das Drücken der Tasten gelöst. Nur so könnten die von einem elektrischen Motor erzeugten Winde in die knapp 2000 Pfeifen der Orgel strömen, erklärt der Musiker.

 Aus dem Privatarchiv von Karsten Harp aus Ellerdorf geht hervor, dass 1873 im Zuge des Baus eines neuen Kirchenschiffs begonnen wurde, die Orgel zu bauen. Eingeweiht wurde sie am zweiten Advent 1875 in der Kirche. Ihr Schöpfer ist der Orgelbaumeister Marcussen aus dem dänischen Apenrade. Er schuf mit ihr sein 100. Bauwerk. „Dass gerade hier das 100. Bauwerk steht, haben wir dem damaligen Organisten, Küster und Dorfschullehrer Hinrich Bluhm zu verdanken“, so Harp. Der sei nämlich mit Marcussen sehr gut befreundet gewesen.

 4076 Thaler soll die Orgel damals gekostet haben. Wie viel das heute in Euro sein könnte, kann Ulrich Hein nicht beantworten. „Ich gehe davon aus, dass man heute für eine neue Orgel in der Größe auch ein tolles Einfamilienhaus bekommt. Das liegt einfach am sehr großen Arbeitsaufwand.“ Im Inneren des etwa sieben Meter hohen Instruments zeigt sich eine komplizierte Konstruktion aus unterschiedlich großen Pfeifen. Über unzählige Stränge aus Holz sind sie mit dem Luftdruck und den Bedienelementen verbunden. Die größten Pfeifen sind 2,70 Meter lang, die kleinsten vielleicht nur 20 Zentimeter und kleinfingerdick. Eng ist es im Bauch der „alten Dame“. „Da mussten die Orgelbauer schon auf ihre Diät achten“, scherzt Hein. Er zeigt auf ein paar rot-braun gefärbte Pfeifen aus Holz. „Das sind ein paar von den Originalen, die Marcussen damals gebaut hat.“ Viele wurden in den vergangen Jahren ersetzt.

 „Im Kriegsjahr 1917 mussten Orgelpfeifen aus wertvollem Zinn für Munitionsherstellung abgeliefert werden und konnten lange Zeit nicht erneuert werden“, so Harp. Erst 1935 wurden Pfeifen und auch neue Register eingebaut. 1964 erfolgte ein Umbau wegen vieler Mängel am Instrument. Nach einer weiteren Instandsetzung 1980 besitzt die Orgel statt der ursprünglich 26 ihre 35 Register. 14 der Marcussen-Originale wurden übernommen.

 Am Ostersonntag stehen der Orgel und Ulrich Hein noch ein besonderer Auftritt bevor. Vier Stücke, konzipiert für Chor und große Orgel, hat die Kantorei für den Gottesdienst um 10 Uhr vorbereitet. Dafür hat Hein extra veranlasst, dass eine kleine Kamera über dem Sängerpodest ein Bild des Dirigenten Lorenz Jensen auf einen Monitor überträgt, der oben bei der Orgel neben seinen Noten steht. Dann könne auch er den Dirigenten in Echtzeit sehen, freut sich Hein. Damit alles auf die Sekunde passt.

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