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Melken verlernt man einfach nicht

Padenstedt Melken verlernt man einfach nicht

Schnaufen, Muhen und warmweiches Dung-Aroma – für Marianne Eggers sind das Eindrücke, die sie fast ihr ganzes Leben lang begleitet haben. Für die Hohenwestedterin ging jetzt ein Herzenswunsch in Erfüllung: „Ich würde gern noch einmal eine Kuh melken“, hatte sie zu ihrem 95. Geburtstag gesagt.

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Nach dem Melken genoss Marianne Eggers auch den Besuch im Kälberstall.

Quelle: Jan Köster

Padenstedt. Schon als 14-jähriges Mädchen hatte Marianne Eggers damit begonnen, auf verschiedenen Bauernhöfen zu arbeiten. Auch das tägliche Melken der Kühe gehörte zu ihren Pflichten. „Bei dem zweiten Bauern, bei dem ich war, gab es 30 Milchkühe. Davon habe ich jeden Morgen 27 gemolken“, erzählte Marianne Eggers, die heute im Seniorenzentrum Mittelholstein in Hohenwestedt wohnt. Im Stall von Rainer und Antje Beckmann in Padenstedt stehen 220 Milchkühe.

 Während sich die junge Marianne damals mit Melkschemel und Eimer von Kuh zu Kuh durch den Stall drängeln musste, kommen die Tiere bei Beckmanns von selbst in den automatischen Side-by-Side-Melkstand. Die Kühe kennen die Abläufe ganz genau. Und eben das war der Grund, warum der vermeintlich einfache Wunsch einer älteren Dame gar nicht so einfach zu erfüllen war. „Die Kühe in modernen Ställen kann man nicht einfach so aus der Gruppe nehmen, einzeln hinstellen und von Hand melken, das wäre völlig ungewohnt für sie“, erklärt Antje Beckmann. Darum hatte es lange gedauert bis Ulrike Berger und Barbara Mähler vom Förderkreis Seniorenzentrum Mittelholstein einen geeigneten Milchviehbetrieb zu finden. Zusätzliche Herausforderung: Marianne Eggers ist im Rollstuhl unterwegs.

 Aber die Arbeitsbühne im Beckmann’schen Melkstand ist höhenverstellbar. Auf höchster Stufe war die sitzende Alt-Melkerin fast auf Augenhöhe mit den Eutern der Kühe. Und es klappte: Mit einem langen Arm langte die Seniorin an das Euter der Kuh, griff mit zig-tausendfach geübtem Melkerinnengriff zu, zog und ließ einen satten Milchstrahl auf den Stallboden spritzen – die Freude der alten Melkerin darüber steckte alle an. Auch ihre Tochter Doris Rohwer, ihre Enkelin Julia Jahn und die beiden Urenkelinnen Pia (6) und Frieda (1), die im Stall dabei waren, strahlten über das ganze Gesicht. Der anschließende Besuch im Kälberstall, wo ein frisch geborenes Kalb am Finger von Marianne Eggers nuckelte, ließ weitere vertraute Erlebnisse eines langen Arbeitslebens wieder aufleben. „Ich hab das immer gern gemacht“, sagte Marianne Eggers nach dem Stallbesuch über ihre lange Zeit in der Landwirtschaft.

Von Jan Köster

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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