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Die Luft zum Atmen geht aus

Amt Bordesholm Die Luft zum Atmen geht aus

Das Geld wird knapper: Kleine Gemeinden mit vielen Kindern im Amt Bordesholm appellieren an Bund und Land für mehr Unterstützung. In Schönbek sind über ein viertel der Einwohner unter 15 Jahre alt. Kosten für Schulen und Kitas schlagen teuer zu Buche. In Brügge ist es noch dramatischer.

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Beim Dorffest winkte fast der gesamte Schönbeker Nachwuchs in die Kamera. Insgesamt 50 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren zählt die Gemeinde.

Quelle: Sven Tietgen

Bordesholm. Da steckt Leben im Dorf: Mehr als 50 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren zählt Schönbeks Bürgermeisterin Sabine Marohn am vergangenen Wochenende auf dem Sportplatz beim Vogelschießen. Über ein Viertel der 215 Einwohner zählenden Gemeinde, die zu den kleinsten im Amt Bordesholm gehört, sind minderjährig. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagt sie. Mit dem gleichen Atemzug fügt sie aber hinzu: „Aber wir bluten deshalb aus.“ Die Gemeindechefin appelliert an Bund und Land, kleinere Orte mit vielen Kinder besser zu unterstützen. Viele andere Bürgermeister denken ebenso.

Finanziell hat Schönbek wegen des Kinderreichtums kaum mehr Luft zum Atmen. 2015 nahm die Kommune insgesamt 102155 Euro ein. Da man über keinen eigenen Kindergarten und keine Schule verfügt, müssen Ausgleichsbeträge bezahlt werden. Im vergangenen Jahr waren das für Kindertagesstätten, Schulen und Betreute Grundschulen genau 75357 Euro. Das sind fast 74 Prozent der verfügbaren Jahreseinnahmen. „Und da haben wir noch keine Straße saniert, die Feuerwehr finanziert und andere Dinge bezahlt“, macht Sabine Marohn im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Im Amt Bordesholm steht Schönbek nicht mal an der Spitze. In Hoffeld (75 Prozent), Loop (78) und Brügge (94) ist die Lage noch dramatischer.

„Es macht Spaß in so einem lebendigen Dorf, wo teilweise drei Generationen unter einem Dach zusammen wohnen, zu leben“, so Sabine Marohn weiter. Aber es müsse sich bei der Finanzierung etwas ändern, sonst breche das Ganze irgendwann zusammen. Im jetzt laufenden Jahr sieht es noch drastischer aus, da die Einnahmen auf 98900 Euro sinken und die Ausgaben auf 84300 Euro steigen. Schon jetzt würden viele Dinge (glücklicherweise) noch durch unbezahltes Engagement der Einwohner übernommen. „Da wird die Bankette gemäht. Ein Spielgerät wird durch Spenden beim Vogelschießen finanziert“, nannte sie Beispiele. Schönbek sei noch nicht pleite, weil man noch über eine Rücklage von 150000 Euro verfüge – irgendwann sei aber auch die verbraucht.

Insbesondere durch die Kosten für die Betreuung der unter Dreijährigen in den Kindergärten sind die Belastungen für die Kommunen in den letzten Jahren enorm gestiegen. „Wer die Musik bestellt, sollte sie eigentlich auch bezahlen“, findet Marohn. Heinrich Lembrecht, Amtsdirektor in Bordesholm, kann ihr nur beipflichten. Ursprünglich sollten vom Bund über das Land, wo das Ganze politisch beschlossen wurde, sogenannte Konnexitätsmittel für die hohen Kosten bei der Krippenbetreuung bereit gestellt werden. „Da ist aber bis heute nicht viel angekommen, sodass die Kommunen die 5000 bis 7000 Euro je Platz selbst tragen müssen“, so Lembrecht. Wenn dieses Geld endlich fließen würde, könnten die Gemeinde auch wieder durchatmen.

Ein Ranking der Ausgaben für Schule und Kita:

Das Amt Bordesholm hat für seine 14 Gemeinden auf der Grundlage der Haushaltsabschlüsse 2015 detailliert ausgerechnet, was von den bereinigten Einnahmen nach Abzug der Kita- und Schulkosten übrig bleibt. Ein Gefälle ist feststellbar. Spitzenreiter ist Brügge, wo von 488000 Euro nur 31000 Euro „zum Leben“ bleiben. Im Ranking der stark belasteten Kommunen folgen Hoffeld, Loop und Schönbek mit 78, 75 und 73,7 Prozent. Im mittleren und unteren Bereich rangieren Wattenbek (64,1 Prozent), Bissee (58,4), Schmalstede (58,3), Negenharrie (53,3), Mühbrook (51,5), Sören (47), Reesdorf (45,7), Groß Buchwald (40,4) und Grevenkrug (35,1). Das Unterzentrum Bordesholm liegt mit 58,2 Prozent im Mittelfeld. Von 4,8 Millionen Euro werden 2,8 Millionen für Kitas und Schulen ausgegeben, mit darin enthalten sind 474000 Euro, die an Schulen außerhalb des Schulverbands fließen.

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