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Damit Streit nicht eskaliert

Amt Nortorfer Land Damit Streit nicht eskaliert

Zahltag in der Amtsverwaltung Nortorfer Land: Bis zu 60 Menschen warten auf die Auszahlung von Sozialleistungen. Da liegt durchaus gereizte Stimmung in der Luft. Inzwischen gehen Sicherheitsleute in schwarzer Uniform durch die Flure und schreiten ein, wenn es zu Streit kommt.

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An Zahltagen und an langen Donnerstagen wacht ein Sicherheitsdienst in der Amtsverwaltung: Daniel Heers (links) und Carsten Meier von der Firma Wolloschek.

Quelle: Beate König

Nortorf.  Auch andere Amtsverwaltungen im Kreis haben ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. In Bordesholm, Flintbek, Achterwehr und Molfsee setzt man allerdings auf stillen Alarm per Knopfdruck und Mitarbeiterschulungen.

 „Die Security ist eine reine Vorsorgemaßnahme“, betont Peter Krey, Fachbereichsleiter für Bau- und Umwelt, Ordnungs- und Sozialverwaltung in Nortorf. Gefährliche oder bedrohliche Vorfälle wie 2015 bei der Kreisverwaltung Rendsburg habe es in Nortorf nicht gegeben. Die Sicherheitsleute wurden vor vier Wochen engagiert, um die Kundenströme im Flur vor der Bücherei, Einwohnermeldeamt und der Zahlstelle für Grundsicherung zu entzerren. „Sie sollen Sicherheit ausstrahlen.“

 An Zahltagen warten bis zu 60 Menschen über Stunden auf die Auszahlung von Sozialleistungen, sagt Stefan Wolloschek, Chef der Sicherheitsfirma. „Das sind nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Empfänger von Grundleistungen.“ Der Geräuschpegel sei hoch, manche Bürger wagten sich deswegen nicht mehr ins Amt. Die Aufgabe seiner Mitarbeiter: „Deeskalieren.“ Die Männer- und Frauenteams mischen sich ein, wenn bei den Wartenden die Lautstärke steigt und trennen Streitende. Wird im Büro mit gehobener Stimme gesprochen, ist die Security ebenfalls zur Stelle. „Manche Zahlungen fallen geringer aus, als erwartet. Das kann Streit auslösen“, weiß der Sicherheitsfachmann. Die Bargeldausgabe habe das Amt bereits reduziert, sagt Peter Krey. Der größte Teil werde, wie in anderen Ämtern ebenfalls üblich, inzwischen bargeldlos überwiesen.

 Für Sonja Baller, büroleitende Beamtin im Amt Flintbek, sind Sicherheitsleute in der Verwaltung dagegen undenkbar. „Es sendet das falsche Signal. Man fühlt sich beäugt.“ Flintbeks Strategie: Um Warte- und Bearbeitungszeiten zu verkürzen, verteilt die Verwaltung die Arbeit auf viele Schultern, die Mitarbeiterzahl wurde aufgestockt. In den Büros stehen die Zwischentüren auf, die Mitarbeiter sind im Blickkontakt und arbeiten in Teams. Alle Ämter mit Bürgerverkehr wurden auf die Erdgeschoss-Ebene gelegt. Zudem beherbergt das Verwaltungsgebäude auch das Polizeibüro. Problematische Fälle würden frühzeitig, schon vom Hausmeister der Flüchtlingsunterkünfte und von den ehrenamtlichen Helfern erkannt, so Baller: „Aggressiv ist noch nie jemand geworden.“

 Auf offene Zwischentüren als Mittel, um frühzeitig eingreifen zu können, setzt auch das Amt Bordesholm. 2015 wurden zwei Tage alle gut 50 Mitarbeiter in einem Sicherheits-Verhaltenstraining geschult. „Das war vor der Flüchtlingswelle“, betont Verwaltungschef Heinrich Lembrecht. Derzeit wird in den Amtsstuben ein stiller Alarm installiert, der dann alle Kollegen erreicht.

 Für das Amt Molfsee sind Alarmknöpfe Geschichte. Seit das Sozialamt ins Amt Achterwehr ausgegliedert wurde, habe sich das „Potenzial für Wutbürger“ dort deutlich verringert, sagt Molfsees Bürgermeisterin Ute Hauschild. Auszahlungen werden über die Bankfiliale, die im gleichen Haus wie die Verwaltung sitzt, abgewickelt.

 Im Amt Achterwehr wurde zur Erhöhung der Sicherheit der Kassenraum mit einem Tresor aufgerüstet: „Früher wurde aus soliden Geldkassetten ausgezahlt“, sagt Marco Carstensen, Leiter der Finanzabteilung. Zum Schutz der Mitarbeiter wurden außerdem die Öffnungszeiten der Abteilungen vereinheitlicht.

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