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„Kunst auf Zeit“ zum kleinen Preis

„Kunst auf Zeit“ zum kleinen Preis

Bilder leihen wie Bücher – das ermöglichen Artotheken. Für wenig Geld landen so originale Grafiken oder Zeichnungen an den Wänden der Kunden. Sind sie „ausgelesen“, können sie gegen neue ausgetauscht werden.

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Seit 1981 betreibt Norbert Weber in seiner Galerie im Bootshaus die Eckernförder Artothek.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. 120 Artotheken gibt es in Deutschland, von denen sich 30 Vertreter Anfang Mai zur Jahrestagung in Eckernförde treffen.

Im Ostseebad führt der Kupferdrucker und international tätige Kurator Norbert Weber eine Artothek in seiner Galerie im Bootshaus. Schon seit 1981 gibt es hier Kunst auf Zeit. Zur Auswahl stehen rund 300 Grafiken, Zeichnungen, Fotografien. Die Brandbreite reicht von regionalen Kreativen wie Carl Lambertz, Maria Reese und Ingrid Schmeck bis zu international bekannten Künstlern wie Jan Koblasa oder Peter Nagel. Viele der Bilder sind Belegexemplare für die Druckwerkstatt. „Statt in die Schublade gebe ich sie lieber in den Leihverkehr“, sagt Weber, der auch Vorsitzender des Artothekenverbandes Schleswig-Holstein ist.

An diesem Tag schaut Verena Leonhardt von der benachbarten Stadtbücherei vorbei. „Wir leihen alle zwei Monate zwei neue Bilder aus“, erzählt sie. Und so wechseln Fotografien von Alexander Rodschenko gegen Grafiken von Jochem Roman und Jan Koblasa. Letzteres Bild zeigt einen Jogger in voller Aktion. „Das passt zu meinem nächsten Projekt“, verrät Leonhard mit einem Lächeln.

Norbert Weber legt die Grafik-Blätter in einen Rahmen ein, damit sie problemlos an die Wand gehängt werden können, und verpackt das Ganze in einer Papptragetasche für den sicheren Transport nach Hause. 2,50 Euro werden bei einer Privatleihe pro Bild für mindestens zwei Monate fällig. Kunst, die sich jeder leisten kann. „Ich mache das, weil ich es einfach toll finde“, bringt es Weber auf eine kurze Formel.

1972 entstand die erste Artothek in Berlin, nachdem es schon Vorläufer in den 1920er Jahren gegeben hatte. Anschub gab die 68er-Bewegung, die mit dem Schlagwort „Kunst für alle“ in den Kulturbetrieb aufbrach. Und Druckgrafiken waren als Originale am preiswertesten zu haben. Anfangs liefen vor allem gegenständliche Motive, erinnert Weber. Doch Kunst-Trends verändern sich. „Heute ist es umgekehrt.“ Für ihn ist die Artothek mit ihrem breiten Angebot von dekorativer Standardkunst bis experimenteller Konzeptkunst eine gute Ergänzung zur Galerie, die vor allem auf die nordeuropäische Avantgarde ausgerichtet ist.

Ebenso vielfältig ist die Kundschaft. Institutionen leihen sich Bilder für ihre Büros, Praxen für die Wartezimmer und Privatleute für den freien Platz über dem Sofa. Sogar Familien kommen mit ihren Kindern, die mit aussuchen dürfen. Am schwierigsten fällt die Entscheidung für ein Bild nach Webers Erfahrungen bei Ehepaaren. Die durchschnittliche Leihdauer beläuft sich auf vier Monate. Da bleibt genug Zeit, sich zu Hause in Ruhe mit einem Kunstwerk auseinanderzusetzen.

Da sich viele jedoch unter dem Begriff Artothek wenig vorstellen können, sucht der Deutsche Artothekenverband am 8./9. Mai auf seiner Jahrestagung in Eckernförde nach einem griffigen Slogan. „TakeArt: Artothek“, „Bilder leihen wie Bücher“ oder „Kunst auf Zeit – Zeit für Kunst“ stehen bisher zur Diskussion. Die weiteste Anreise in den Norden hat eine Teilnehmerin aus dem 933 Kilometer entfernten Friedrichshafen. Brigitte Haaf betreut dort die Artothek im Zeppelinmuseum. 60 Prozent der Artotheken in Deutschland sind an Museen oder Kulturvereinen angebunden, 40 Prozent an Büchereien.

Artothek Eckernförde, Galerie im Bootshaus, Öffnungszeiten Mo-Fr 15-18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 04351/712500)

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Christoph Rohde
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