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Wald überdeckt düsteres Kapitel der Geschichte

Ottendorf Wald überdeckt düsteres Kapitel der Geschichte

Ein Reh genießt die Ruhe in dem lauschigen Waldstück und trottet dann ungestört über den angrenzenden Acker. Am höher gelegenen Rand von Ottendorf bietet sich Idylle pur. Doch das war nicht immer so. Vor mehr als 70 Jahren wurde auf der Anhöhe über Leben und Tod entschieden. Am Batterieweg befand sich im Zweiten Weltkrieg eine schwere Flakstellung, die alliierte Bomberverbände abhalten sollte, ihre zerstörerische Fracht auf Kiel abzuwerfen.

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Gerd Sell steht vor dem zugemauerten Eingang zu dem oberirdischen Bunker auf dem Batteriegelände in Ottendorf.

Quelle: Torsten Müller

Ottendorf. Noch heute sind auf dem bewaldeten Gelände zwei Bunker deutlich zu erkennen: ein ober- und ein unterirdischer. Zwischen ihnen befanden sich vier Flugabwehrkanonen, zudem gab es Laufgänge, Munitionsbunker und eine Baracke. Die Stellung gehörte zur Marine-Flak-Abteilung 251, die 1939 aufgestellt worden war. Ziel war es, Angriffe auf den Hafen, die Rüstungsindustrie und den Nord-Ostsee-Kanal zu verhindern.

 Gerd Sell (Jahrgang 1940) kann sich nur noch an Bombenalarme erinnern. Die Batterie nahm der kleine Bauernjunge erst nach dem Krieg wahr, als er auf dem Pferdewagen vorbeifuhr. „In dem oberirdischen Bunker lebte eine Flüchtlingsfamilie, weitere vier Familien wohnten in der Baracke“, erinnert er sich. Er schätzt, dass die Menschen aus Pommern oder Ostpreußen stammten. Später seien sie auf den Höfen, auch auf dem seiner Eltern, einquartiert worden. „Solche Verhältnisse haben wir heute noch nicht“, sagt er. Bis Mitte der 50er Jahre lagerte ein Sprengmeister in dem frei gewordenen Bunker Dynamit.

 Der unterirdische Bunker wurde nach dem Krieg von den Bauern genutzt. „Sie lagerten in dem frostsicheren Raum Kartoffeln ein und zapften Wasser aus dem Tiefbrunnen“, erzählt er. Anschluss an die Kieler Trinkwasserversorgung erhielt Ottendorf erst in den 60er Jahren. Bereits unmittelbar nach dem Krieg hatten die Engländer versucht, die dicken Betongebäude zu sprengen. Sie scheiterten ebenso wie das Technische Hilfswerk Ende der 80er Jahre.

 1990 übergab das Bundesvermögensamt das zwei Hektar große Gelände der Gemeinde, die es aufforstete. „Im Herbst 1991 haben wir im Rahmen einer Bürgeraktion 8600 Bäume gepflanzt“, erinnert sich Doris Schneider, Umweltausschuss-Vorsitzende. Wald überdeckt heute das düstere Kapitel der Geschichte. Sogar Dachse fühlen sich dort wohl – und Fledermäuse. 1994 ließ die Gemeinde den unterirdischen Bunker mit dem Wasserreservoir für sie als Winterquartier herrichten. Einfluglöcher wurden gebohrt und Hohlblocksteine an der Decke befestigt. „Jahre später stellte eine Biologin Aktivitäten fest“, sagt Schneider. Um spielende Kinder nicht zu gefährden, wurden sämtliche Bunkereingänge zugemauert – auch der fünf Meter tiefe ehemalige Notausstieg der Flakbatterie. Ungebetene Besucher kommen dennoch: Räuber vergruben dort sogar einmal ihre Beute.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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