6 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Tränen zwischen Hoffen und Bangen

Flintbek Tränen zwischen Hoffen und Bangen

Ein trauriger und bewegender Moment: Am Montagmorgen standen Mitarbeiter der Ausländerbehörde in Flintbek vor der Tür von Familie Alo, um die angekündigte Umsiedlung in die Landesunterkunft zu vollziehen. Freunde und Bekannte sangen, protestierten, weinten und mussten dennoch Abschied nehmen.

Voriger Artikel
Flüchtlingshelfer sind enttäuscht
Nächster Artikel
Mehr Gewerbesteuer rettet Haushalt

Bilder, die für sich sprechen: Tränenreiche Umarmungen für Mutter Khanem Alo beim Abschied.

Quelle: Sorka Eixmann

Flintbek. "Der Staat demonstriert, dass Recht nicht immer menschlich ist. Barmherzigkeit zählt bei den Behörden nicht", machte Pastor Manfred Schade deutlich, was er von dieser Maßnahme hielt. "Zehn Tage vor Weihnachten, wie unmenschlich ist das?", fragte eine Frau, die nur schwer die Tränen zurückhalten konnte. Mit einem großen Banner machten jüngere Leute bei der Protestaktion ihren Unmut deutlich.

2014 kamen Khanen und Khalil Alo mit ihren Kindern Zaiza und Machmed nach Flintbek, nach eigenen Angaben aus Syrien. Seitdem werden sie vom Freundeskreis Flüchtlinge betreut, werden von der Vorsitzenden des Freundeskreises Flüchtlinge Flintbek Ute Bergner als "Vorzeige-Asylsuchende" aufgrund ihrer fantastischen Integration bezeichnet. Das gehbehinderte Mädchen erhielt Orthesen und besucht die zweite Klasse der Lilly-Nielsen-Schule, Bruder Machmet wurde gerade eingeschult und kickt beim TSV Flintbek und der kleine Aram (2) besucht den Kindergarten. Aber: "Laut einem Sprachgutachten kommen sie aus einem GUS-Staat und nun soll die Botschaft des Landes gesucht werden, in das sie angeblich gehören", erklärt Betreuer Dieter Fichtel das Dilemma.

Die Ausländerbehörde ließ nicht mit sich reden. "Da werden Verbrecher nur beobachtet und laufen gelassen, aber eine Familie mit kleinen Kindern, die gar nicht verschwinden könnte, werden aus ihrem Leben gerissen und in eine Landesunterkunft gebracht. Für mich unverständlich", sagte Pastor Schade. Mit dieser Meinung stand er nicht allein. Als die Mitarbeiter der Ausländerbehörde vor Ort eintrafen, versperrten junge Menschen mit einem großen Banner den Weg zur Haustür von Familie Alo. Daraufhin forderten die Behörden-Mitarbeiter Unterstützung durch die Polizei an. Bevor die Situation eskalierte, stimmten die Menschen "We shall overcome" an und unter den Klängen des Klassikers der US-Bürgerrechtsbewegung zog Familie Alo freiwillig aus.

"Es ist ein trauriger Moment, aber wir geben die Hoffnung nicht auf", betonte Schade, der den kleinen Aram an der Hand hielt, während sich Mutter Khalil unter Tränen von Freunden und Nachbarn verabschiedete.

Bilder von der Umsiedlung der Familie Alo von Flintbek in die Landesunterkunft in Boostedt

Zur Bildergalerie

Von Sorka Eixmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3