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Arbeitskreis spürte 815 Zwangsarbeiter auf

Ausstellung in Bordesholm Arbeitskreis spürte 815 Zwangsarbeiter auf

Ein Tabu-Thema, das nicht nur in der Region Bordesholm selten oder nie richtig aufgearbeitet worden ist: Der Arbeitskreis zur Geschichte von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zeigt ab dem 1. Dezember das Ergebnis langjähriger Recherche in einem Buch und einer Ausstellung im Rathaus.

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Drei polnische Zwangsarbeiter, die bei Habermann & Guckes in Wattenbek arbeiten mussten, ließen sich vor der Kleinbahn, mit der der Kies aus dem Abbaugebiet bei Brüggerholz nach Bordesholm transportiert wurde, ablichten.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Ein Tabu-Thema, das nicht nur in der Region Bordesholm selten oder nie aufgearbeitet und in Gemeindechroniken weggelassen oder nur am Rand erwähnt worden war, dürfte ab Donnerstag, 1. Dezember, für Gesprächsstoff sorgen. Dann präsentiert der Arbeitskreis Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener seine zweijährigen Recherchen im Rathaus – in einem mehr als 200-seitigem Buch und einer Ausstellung.

Auslöser für dieses Projekt war im Oktober 2013 eine Anfrage von Reinhard Abitz in einer Gemeindesitzung in Bordesholm. Zum 70. Geburtstag der Finnenhaussiedlung fragte der Bewohner an, ob mehr zur Gründung der Siedlung oder den vielen Zwangsarbeitern, die dort untergebracht waren, bekannt sei. „Dabei merkten wir schnell, dass das Thema in der Region nie so richtig aufgearbeitet worden war“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Ronald Büssow, der im Februar 2014 Interessierte zu einer ersten Sitzung eingeladen hatte.

Mehr als zehn Personen um Uwe Fendsahm und Nils Lange recherchierten dann in Archiven der Gemeinden, Arbeitsämtern und Krankenkassen, sichteten Unterlagen und sprachen mit Bürgern aus den 14 Orten im Amt. In akribischer Detailarbeit ermittelten die Hobbyhistoriker, wie viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zwischen 1939 und 1945 auf den Bauernhöfen und in den Unternehmen in der Region eingesetzt waren. 815 Fälle konnte das AG-Team nachweisen. Mit 177 Menschen, die zwangsweise für den Dienst verpflichtet wurden, fällt der größte Anteil auf Bordesholm – in Hoffeld (83), Bissee (80), Wattenbek (70), Loop (66) sowie Sören (64) waren die Gruppen aber auch sehr groß. Überwiegend kamen die Arbeiter aus Polen, aber auch aus der Ukraine, Frankreich und Italien.

Bei der Ausstellung sind auf 25 Schautafeln einzelne Themen näher beleuchtet: beispielsweise die Zwangsarbeit bei der Firma Habermann & Guckes in Wattenbek, bei der ab Frühjahr 1940 insgesamt 30 junge Polen im Kieswerk arbeiten mussten. Die Männer wohnten in einem Barackenlager am Ende des heutigen Gewerbegebiets Nienröden. Außerdem wird es eine Tafel mit den Namen und Nationalitäten der im Krieg umgekommenen Zwangsarbeiter aus der Region geben. Viele Fotos aus der damaligen Zeit sind in das Buch und in die Ausstellung integriert worden.

„Man kann feststellen, dass ohne die Zwangsarbeiter die Wirtschaft in der Region nicht funktioniert hätte. Das war eine riesige Maschinerie“, sagte Büssow. Bei der Dokumentation in Buch und Ausstellung habe man Fakten dargestellt, aber nie auf einer Vorwurfsebene. „Eine Abwehrhaltung ist uns bei Recherchen oder in Interviews nie entgegengebracht worden.“

Zur Buchpräsentation, die um 17 Uhr im Rathaussaal beginnt, wird mit Professor Bernd Faulenbach, Bundesvorsitzender des Vereins „... gegen Vergessen – für Demokratie“, ein prominenter Ehrengast erwartet. Der Preis für das Buch steht bisher noch nicht fest, er soll aber zwischen 15 und 20 Euro liegen.

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