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Zoff im Internet um eine Buche

Baumfällung in Flintbek Zoff im Internet um eine Buche

Zwei Bedarfsampeln wurden am Mittwochmorgen in der Straße Freeweid in Flintbek installiert, Bürgersteig und Straße mit Absperrungen gesichert: Um eine hohe Rotbuche zu fällen, mussten umfangreiche Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Zuvor hatte es in der Facebook-Gruppe Flintbek Netzwerk hitzige Diskussionen um die Maßnahme gegeben.

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Eine Rotbuche wird im Flintbeker Freeweid gefällt, eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde liegt vor.

Quelle: Sorka Eixmann

Flintbek. Den Anstoß für die Debatte im sozialen Netzwerk gab Grünen-Politiker Achim Lorenzen. Der Gemeindevertreter stellte das Foto der Buche ins Internet und kommentierte etwas provozierend: „Hier bei Facebook gibt es ja die Gruppe ,Flintbek Fotos und Geschichte’, in der Fotos vom alten Flintbek eingestellt werden. Leider predigt die Initiatorin dieser Seite Wasser und trinkt Wein oder auch: das alte, heimelige Flintbek rühmen und selbst beseitigen.“ Weiter macht Lorenzen seinem Unmut Luft: „In diesem Fall die wunderschöne, ortsbildprägende Buche vor ihrem Hause fällen lassen. Weit über hundert Jahre steht sie dort, hat Generationen erfreut. Bestimmt würde sie noch länger leben als die Eigentümer. Aber nein, mit fadenscheinigen Begründungen lässt man diesen tollen Baum beseitigen.“

 Allerdings findet er auf Facebook nicht nur Zustimmung. Während einige Kommentare schon bedauern, dass der Baum gefällt werden soll, kritisieren viele Gruppenmitglieder das Verhalten des Kommunalpolitikers bis hin zum Vorwurf, dass die Anwohner mit einem solchen Eintrag im Internet denunziert würden. Die Wellen in den Debatten schlugen derartig hoch, dass die Diskussion nach einem Tag von den Administratoren der Internetseite offenbar gelöscht wurde.

 Damit ist der Ärger beim Hauseigentümer jedoch nicht beseitigt. „Wir haben diesen Baum geliebt“, erklärt Bernd Miéville-Müller , der seit 1976 mit Ehefrau Ulla im Freeweid lebt. „Wir sind eingezogen, da hatte sein Stamm gerade einmal 20 Zentimeter Umfang“, erklärt er. Doch mit den Jahren und dem Wachsen fingen die Probleme an. „Das Wurzelwerk machte erste Schäden am Fundament, auch die Entwässerung ist betroffen.“ Desweiteren kann Miéville seine Garage nicht mehr nutzen, weil der Baum die Einfahrt versperrt. „Auch ist ist eine Brandrettung aus dem oberen Stockwerk nicht gesichert.“ Viele Gründe, die eine Fällung rechtfertigen – das sieht auch die Untere Naturschutzbehörde so. „Unsere Fachleute haben vor Ort sich ein Bild gemacht“, erklärte Kreis-Pressesprecher Martin Schmedtje. „Dabei wurde festgestellt, dass das Fundament bereits angegriffen ist, ebenso wie die Entwässerung. Für die Fällung gab es eine Genehmigung“, betonte Schmedtje.

 Warum hat Achim Lorenzen nicht das persönliche Gespräch mit den Anwohnern gesucht? „Facebook ist ja da, um Interessantes mitzuteilen. Genau das habe ich gemacht, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich den Baum noch einmal anzusehen“, sagt Lorenzen auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich bin der Meinung, dass die Begründung des Kreises hanebüchen ist, ich werde den Landrat anschreiben und noch mal nachfragen.“ Allerdings wird das nichts mehr nützen: Denn genau wie der Post bei Facebook ist die Buche verschwunden.

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Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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