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Eine Frage des Preises

Eckernförde Eine Frage des Preises

Bräunlich klar oder gelblich naturbelassen schimmern die „Schätze“ auf dem Tisch von Marcel Querl. Bernstein, das oft beschworene „Gold des Nordens“, findet sich in vielen Haushalten als Schmuck oder selbstgefundene Bröckchen. Dienstag taxierte Bernsteinschätzer Querl im Eckernförder Ostsee-Info-Center auf Wunsch mitgebrachte Stücke.

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Im Schein der Taschenlampe leuchtet dieser Bernstein wie Gold. Der Schätzer erkennt, ob Risse oder Störungen vorhanden sind. Vor allem der asiatische Markt verlangt nach gelbem, reinen Bernstein.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Ankauf-Interesse weckten bei ihm allerdings nur gelbe, makellose Natursteine. Sie stehen derzeit bei den Chinesen hoch im Kurs.

„Dort gibt es keinen Bernstein mit der Farbe Gelb“, erläutert Querl. Und gerade die ist in China ein Symbol für Reichtum. Entsprechend tragen viele Chinesen den Bernstein als Prestigeobjekt. Ganz anders ist der Geschmack der Europäer. Hier ist vor allem der klare Bernstein beliebt, am besten mit Einschlüssen von Pflanzen oder Insekten. So wurde der Naturbernstein häufig durch Kochen künstlich geklärt. Mikrofeine Lufteinschlüsse, die das versteinerte Harz gelblich erscheinen lassen, verschwinden bei dieser Prozedur.

Charlotte Lühr breitet Ketten und ein Armband vor dem Schätzer aus. „Jahrelang hat das in der Schublade gelegen, irgendwann ist man es leid“, sagt sie. Dabei ist die Gettorferin durchaus Bernstein-Fan, hat sogar einige Stücke selbst an der dänischen Nordsee gefunden. Doch ihre Erwartungen muss Querl ein wenig dämpfen. Auf 60 Euro schätzt er die Kette ein, die einst für 200 im Schaufenster lag. Und das Armband ist aus sogenanntem Polybern, einer Mischung aus Polyesterharz und eingebetteten Bernsteinstückchen. Letztlich finden aber noch zwei gelbe Fund-Bernsteine das Interesse des Experten. Für 16 Gramm gibt es 18 Euro. „Davon kann ich noch gut Fisch essen gehen“, scherzt Charlotte Lühr.

Als Nächste nimmt eine Osdorferin Platz, um ihr Armband zu zeigen. Doch der Bernstein hält den kritischen Augen des Prüfers nicht stand. „Die Chinesen mögen reinen, blanken, gelben Stein“, erläutert er. Gebraucht im Internet würde das Armband noch etwa 70 Euro bringen. Schon ausgetrocknet sind die Steine, die ein Altenholzer in einem Plastikbeutel dem Schätzer präsentiert. Die ererbten Fundstücke stammen aus Ostpreußen. Durch die lange Lagerung haben sie eine Kruste bekommen. „In Form und Größe ideal für Bernstein-Schleifkurse“, sagt Querl.

Antiken Bernsteinschmuck aus der Ostpreußenzeit sollte man dagegen tunlichst unberührt lassen.„Niemals aufpolieren“, sagt der Schätzer. Denn die Patina sei Teil des Wertes. Die teuersten Bernstein-Stücke, die Querl bisher vor Augen hatte, waren ein Bernsteinschiff und ein Bernsteinaltar, beide fünf bis sieben Kilogramm schwer. Gefertigt hatte sie einer der letzten Lehrlinge der damaligen staatlichen Bernsteinmanufaktur Königsberg. Die Schätzwerte pro Stück: 30.000 bis 35.000 Euro.

Doch nicht alles, was wie Bernstein aussieht, ist auch echter Bernstein. So gibt es Pressbernstein, der unter Hitze aus Schleifstaub gefertigt wird, oder teils täuschend echte Imitate aus Bakelit, die von der Jahrhundertwende bis 1940 hergestellt wurden. Selbstgefundenen Rohbernstein kann man in Eigenarbeit aufpolieren.„Mit Zahnpasta und einem Baumwolltuch“, erläutert Querl. Und echter Bernstein lässt sich sogar verräuchern. Im Mittelalter wurden so Räume von der Pest „gereinigt“.

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Christoph Rohde
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