2 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Knackpunkt bleibt die Betreuung

Asylunterkunft in Brux Knackpunkt bleibt die Betreuung

Die Unterbringung von bis zu 56 Flüchtlingen im abgelegenen Hotel Falkenhof in Brux bewegt die Menschen in der Umgebung. Die Plätze im Bürgerhaus Westensee reichten am Donnerstagabend nicht aus. Weit über 100 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung des Amtes Achterwehr.

Voriger Artikel
Kanaltunnel war nach Unfall voll gesperrt
Nächster Artikel
Rendsburgerin kochte am besten

Integration kann gelingen: Klaus-Detlef Neumann berichtete von der erfolgreichen ehrenamtlichen Arbeit der Flüchtlingsinitiative. Sie betreut derzeit sieben Eritreer in Westensee.

Quelle: Torsten Müller

Westensee. Die beiden Polizeibeamten waren umsonst angefordert worden. Befürchtete rechtsradikale Aufwiegler blieben aus – die Diskussion verlief sachlich, aber durchaus kontrovers. Grenzüberschreitungen regelte die Versammlung selbst. Als eine besorgte Anwohnerin einen Text vorlas und darin aus Sicht der Mehrheit der Anwesenden zu viele Vorurteile gegen Menschen mit anderer Religion und Kultur äußerte, wurde sie aufgefordert, damit aufzuhören. Ende!

 Im Zentrum des Abends standen vor allem der problematische Standort sowie kritische Fragen nach der Betreuung der Asylsuchenden. Eine Anwohnerin fand es nicht akzeptabel, „dass fast die Hälfte des Kontingents, das das Amt in diesem Jahr aufnehmen muss, nach Brux kommt“. Auch andere sahen die Aufnahme von bis zu 56 Flüchtlingen bei nur 200 Einwohnern im Ortsteil als zu hoch an. „Sie sollten sich nicht bemühen, die Zahl auszureizen“, warnte Michael Floors die Verwaltungsvertreter. Es dürfe „keinen Automatismus“ geben, dass das Amt angemietete Wohnungen aufgebe, „um den Falkenhof voll zu machen“. Amtsdirektor Hans-Werner Grewin räumte ein, dass „ökonomische Dinge“ durchaus eine Rolle spielten. Das Amt habe das Hotel für vier Jahre gemietet. „Ist es nicht voll belegt, tragen die acht Amtsgemeinden das finanzielle Risiko“, betonte Amtsvorsteher Detlef Ufert (SPD). Weil es für eine dezentrale Unterbringung nicht mehr genügend freie Wohnungen gegeben habe, sei nichts anderes übrig geblieben, als das Angebot des Falkenhofs anzunehmen.

 Knackpunkt bleibt die Betreuung. „Ihr könnt doch nicht 56 Leute in den Wald setzen und von den Bruxern erwarten, dass wir sie hin- und herkutschieren“, entrüstete sich eine Frau. Anwohner beklagten das Fehlen eines klaren Betreuungskonzeptes. Nach Angaben der Amtsverwaltung ist bereits regelmäßig eine neue Betreuungskraft aus dem Sozialamt vor Ort. Über mögliche weitere Stellen werde der Amtsausschuss in der März-Sitzung entscheiden. Zudem fahre die Polizei regelmäßig Kontrollen. Auch die Mobilität der Asylbewerber solle verbessert werden.

 Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer berichteten von ihren positiven Erfahrungen. „Betreuung beginnt mit der Willkommenskultur“, betonte Klaus-Detlef Neumann. Freundliche Ansprache, Deutsch-Unterricht, Hilfe im Alltag und Beschäftigungen durch Betriebspraktika seien wichtig für die Menschen. Ein erstes offenes Treffen für Helfer ist am Dienstag, 23. Februar, um 18 Uhr im Falkenhof.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3