11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
25-Kilo-Baken von Brücke geworfen

Bewährung und Sozialstunden 25-Kilo-Baken von Brücke geworfen

Junge Gewalttäter und Randalierer: Am Dienstag mussten sich drei Männer zwischen 20 und 24 Jahren und eine 37-jährige Frau, alle vier einst ziemlich beste Freunde in Hanerau-Hademarschen, vor einem bemerkenswert geduldigen Jugendrichter des Amtsgerichts Rendsburg verantworten.

Voriger Artikel
Der Bundespräsident als Patenonkel
Nächster Artikel
Zum Nulltarif ins Museum

25 Kilogramm schwere Bakenfüße warfen die Angeklagten von der Grünentaler Hochbrücke auf ein Containerschiff.

Quelle: Imago

Rendsburg. Sie hatten zwei 25-Kilo-Bakenfüße von der Grünentaler Hochbrücke auf ein Containerschiff geworfen, Scheiben einer Bushaltestelle zerstört, mit dem Luftgewehr in ein belebtes Wohnzimmer geschossen, Häuser mit Gleisbettsteinen beworfen und dabei fast einen im Sessel sitzenden Zeugen getroffen, Softair-Waffen benutzt, Traktoren traktiert und Futter aus einem Silo abgelassen. Zwei der Täter waren zur Tatzeit noch jung genug für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht.

 20 Minuten brauchte die schnell sprechende Staatsanwältin, um alle 29 Ziffern der Anklageschrift zu verlesen. Die Sachbeschädigungen, begangen zwischen 31. Oktober und 8. November 2014 „aufgrund eines gemeinsam gefassten Tatplans“ und bekannt geworden durch einen der Angeklagten, klassifizierte sie als „typische Jugendverfehlungen, aber in diesem Ausmaß grenzwertig“. Die Angeklagten hätten Gefährdungen von Menschenleben billigend in Kauf genommen. „Sie haben verdammtes Glück gehabt, dass wir hier nur über Sachbeschädigung reden.“

Leben jetzt in geordneten Bahnen?

Die 37-jährige Angeklagte betonte, sie sei wegen ihrer vier Kinder nur ein paar Mal dabei gewesen, habe aber meistens „auf dem Rücksitz gepennt und nur manchmal mitbekommen, dass sie sich kringelig gelacht haben, wenn sie was geworfen haben“. Stimmt, sie habe „meistens nach McDonald’s gegeiert“, bekräftigte der 24-jährige Angeklagte, der mit ihr zusammenlebt, nicht der Vater der Kinder ist und, wie sie, bis Dienstag ohne Vorstrafe war.

Der jüngste Angeklagte, 20 Jahre alt und vorbestraft, beteuerte mehrfach, er habe sein Leben umgekrempelt. Sachbeschädigungen, Diebstahl, Hausfriedensbruch – das sei Vergangenheit. Heute lebe er mit seiner Freundin und der gemeinsamen Tochter zusammen und von Hartz IV. „Auch meine gehbehinderte, stark übergewichtige Mutter wohnt bei mir.“ Den Führerschein habe er verloren. „Ich soll angeblich eingeschlafen sein am Steuer.“ Zuletzt habe er als Landmaschinenführer gearbeitet. „Das ist etwas, was ich sehr, sehr gut kann.“ Welcher Sinn hinter den Zerstörungen steckte, wollte der Richter mehrfach wissen. Antwort: „Frust. Dummheit.“

Ein Verfahren ausgegliedert

Als Einziger im Anzug und mit Anwalt erschienen war der 22-jährige, ebenfalls vorbestrafte Angeklagte. Wortkarg skizzierte er sein von der Scheidung der Eltern erschüttertes Leben, in das der jüngste Angeklagte als sein bald bester Freund vetreten sei. Um ihn nicht zu verlieren, habe er alles gemacht. Der Anwalt betonte, sein Mandant habe „auf Anweisung das Führerhaus des Containerschiffes treffen sollen, er hat aber bewusst die eine Bake zu früh geworfen und deshalb Ärger bekommen“. Das Verfahren wurde schließlich abgetrennt, um die Mutter des 22-Jährigen als Zeugin laden zu können. Es wird am 28. September fortgesetzt.

Bei den Urteilen für die drei anderen folgte der Richter im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwältin: 100 Sozialstunden für den jungen Vater, „ich habe Jugendstrafrecht angewendet, weil Sie gerade erst 18 waren“. Der 24-Jährige wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung plus einer Zahlung von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung verurteilt. Seine 37-jährige Partnerin bekam sechs Monate Haft auf Bewährung und muss 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Sie alle wären in U-Haft gewandert, wenn Ihre völlig unsinnigen Taten schon damals herausgekommen wären“, mahnte der Richter. Die Bewährungszeiten wurden auf zwei Jahre festgesetzt, „sie laufen ab heute“. Geschädigte, sofern sie Schadenersatz beanspruchen, werden wegen der geringen Einkommen der drei rechtskräftig Verurteilten voraussichtlich leer ausgehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3