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Bewegende Momente auf der Leinwand

Bordesholm Bewegende Momente auf der Leinwand

Mit dem Film Freistatt lieferten die Organisatoren gleich zum Auftakt der Schulkinowoche im Savoy harte Kost. Über 100 Schüler aus Bordesholm und Nortorf fieberten mit dem 14-jährigen Wolfgang, der sich in dem 1968 angesiedelten Spielfilm im diakonischen Erziehungsheim gegen Gewalt und Unterdrückung auflehnt.

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In bewegenden Worten schilderte Zeitzeuge Wolfgang Rosenkötter die unmenschlichen Lebensbedingungen in der diakonischen Einrichtung Freistatt.

Quelle: Sven Tietgen

Bordesholm. Noch eins drauf setzte Wolfgang Rosenkötter: Eindringlich schilderte der Zeitzeuge seine Erlebnisse in Freistatt – und rührte auch die Lehrer zu Tränen.

Statt Ausbildung oder Unterricht war in der sogenannten Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche Torfstechen im Moor bis zur Erschöpfung angesagt. Prügelstrafen waren an der Tagesordnung, auch nachts, wenn ein betrunkener Hausvater die alte SS-Uniform vom Dachboden holte und in den Schlafsälen zuschlug. Bei besonderen Vergehen wurden die Kinder und Jugendlichen sogar lebendig begraben. Die Erlebnisse während der 16 Monate in der Einrichtung zwischen Bremen und Diepholz, die in das Filmdrehbuch einflossen, hängen Wolfgang Rosenkötter noch heute nach.

 „Ich kann nachts nicht im Dunkeln schlafen. Wenn ich einen Schlüsselbund klirren höre, kriege ich sofort einen Schreck“, erzählte der heute 70-jährige Hamburger am Montag. In den 1960er-Jahren konnten Jugendliche schon fürs Schule schwänzen und fürs „Abhängen“ mit Gleichaltrigen in eine der bundesweit 3000 Heime eingewiesen werden. Die körperlichen und seelischen Misshandlungen blieben für die Aufseher in Freistatt, die mit „Bruder“ angesprochen werden mussten, ohne Folgen: Körperverletzung verjährt nach zehn Jahren. Mit vier weiteren Leidensgenossen hat Rosenkötter Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. „Ganz bitter ist, dass es nur von ganz wenigen Einrichtungen eine Entschuldigung gegeben hat, und gar keins kam von den katholischen Anstalten.“

 Neben dem uraufgeführten Jugenddrama werden im Rahmen der Schulkinowoche elf weitere Filme im Savoy gezeigt. Für insgesamt 750 Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse wird der Kinosessel bis Freitag zur Schulbank.

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