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Ein ganzes Dorf feiert die Kunst

Skulpturensommer in Bissee Ein ganzes Dorf feiert die Kunst

So richtig gewöhnt hat sich Guntram Thiesfeld an „Der Mann in den Wolken“ noch nicht. Der neun Tonnen schwere Koloss aus Beton ummanteltem Stahl steht auf der Pferdekoppel des Bauernhofs seiner Familie an der Eiderstraße 27 in Bissee. Das knapp 15 Meter hohe Kunstwerk des renommierten amerikanischen Bildhauers Peter Lundberg, das ein bisschen an ein überdimensionales X-Chromosom erinnert, spaltet das Publikum im Skulpturensommer 2015. „In der Sonne blitzt die sehr grobe Oberfläche vor dem blauen Himmel, ein bisschen knorrig wirkt es schon.“

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"Der Mann in den Wolken" von Peter Lundberg ist ein richtiger Hingucker. Guntmar Thiesfeld findet die neun Tonnen schwere Skulptur schön.

Quelle: Frank Scheer

Bissee. Die Familie Thiesfeld gehört nicht dem Verein „Skulptur in Bissee“ an, der seit 1998 diesen einzigartigen Kunstsommer in einem ganzen Ort auf die Beine stellt. „Die Bauernhöfe haben damals mit Argwohn beobachtet, was da vom Antikhof so organisiert wird“, erzählt Guntram Thiesfeld. Seine Familie macht aber von Beginn an mit und stellt Privatland als Standort für die Kunstwerke zur Verfügung. „Der Verein hat es geschafft, die Dörfler mit ins Boot zu holen. Keiner fühlt sich ausgeschlossen“, erzählt er weiter. Land trifft Kunst und deren Künstler, beschreibt er die Philosophie. Und besonders schön sei es, wenn alle Beteiligten zusammen mit den Künstlern im Februar bei einem Essen zusammenkommen und Bilder anschauen. „Da sieht man, wie schön es hier ist, und die Kunst trägt dazu bei.“

„Einfach toll“, findet die Vereinsvorsitzende Karin Russ „Der Mann in den Wolken“. Nicht nur, weil die Realisierung eine der größten Herausforderungen in der Geschichte des Skulpturensommers für den Verein gewesen ist. „Das Kunstwerk ist in dem Loch vor der Skulptur von dem Künstler in zwei Wochen geschaffen worden. Mit einem Kran ist sie letztlich an die Stelle gehievt worden.“ Die „Bisseer Figur, die mit dem Finger quasi in den Bisseer Himmel zeigt“ werfe natürlich Fragen auf. Kunst dürfe aber auch Chaos verbreiten und zu Gesprächen Anlass geben.

Hier sehen Sie Beispiele des Skulpturensommers 2015 in Bissee.

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26 Stationen mit Kunstwerken von zwölf Künstlern gibt es in diesem Jahr. Die Vielfalt ist besonders groß. Karin Russ ist neben dem monumentalen Werk Lundbergs auch von dem blauen High Heel „Stilett bank“ von Trine Brix oder den vier Frauendarstellungen von Henning Spitzer begeistert. Schwer beeindruckt sei sie auch von den zahlreichen „Gerngroß Models XXL“ von Pit Kinzer, die an den Hauswänden oder auf Reetdächern – im Dunklen angestrahlt – zu finden sind. „Da kommt eine Fröhlichkeit rüber“, sagt Karin Russ. Aber jedem gestehe sie auch zu, etwas nicht zu mögen.

Beim Publikum kommen diese Installationen bislang nicht so gut an, berichtet Tomke Stiasny, die für die Führungen verantwortlich ist. Besonders die Lundberg-Skulptur kommt bei den Gästen an. Sie selbst findet den Brunnen von Rainer Fest gut. „Wasser und Stein sind eine tolle Kombi.“ Drei Führungen mit 60 Personen hat sie bereits geleitet. 90 Minuten sollte man für einen Rundgang einplanen. Wer tiefer einsteigt, braucht länger. An jedem Kunstwerk gibt es eine Hinweistafel mit einem QR-Code für Mobilgeräte.

Der Verein ist 1998 von den Initiatoren Egon Blitza und Karin Russ gegründet worden. Bürgermeister Klaus-Dieter Mengel und Antikhofeigentümerin Renate Stahmer sowie Christian Schnura, Markus Sander und Peter-Christian Noodt gehörten mit zur ersten Riege. Zurzeit hat der Verein 16 Mitglieder. Darunter auch immer mehr Dorfbewohner, wie Karin Russ erfreut berichtet. Die Vereinsmitglieder stellen den Skulpturen-Sommer jährlich von Mai bis Oktober mit viel Herzblut und viel Eigenleistung sowie mit Hilfe von selbst eingeworbenen Sponsorengeldern auf die Beine – seit zehn Jahren hat der Verein keinen öffentlichen Zuschuss für die Realisierung erhalten. Das Projekt hat sich überregional in der Kunstszene und auch im Tourismus ein Namen gemacht und ist ein Besuchermagnet geworden: Die Kunst in ländlich gelassenem Ambiente haben den Bekanntheitsgrad steigen lassen. Die Landschaftsgalerie Bissee schließe eine wichtige Lücke in der zeitgenössischen Kunstpräsentation, lobte vor Jahren der Künstler Jörg Plickat.

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Skulpturensommer
Foto: Aufnahme läuft: Elsabe Gläßel filmt und Ehemann Dieter Gläßel hält das Mikrofon in Richtung Annette Wettengel, die erstmals Skulpturen in ihrem Garten aufstellen will.

Mit einem Dokumentarfilm will Elsabe Gläßel die Skulpturenausstellung im Dorf Bissee würdigen. Unter dem plattdeutsch-englischen Titel Dörp meets Art rückt die Bordesholmer Filmemacherin vor allem die Dorfbewohner und die Macher vom Skulpturenverein in den Mittelpunkt.

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