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Grüne Technik reinigt mit Schilf

Bordesholm Grüne Technik reinigt mit Schilf

Mit einem Schilfpflanzenweitwurf wurde am Donnerstag eine Klärschlammvererdungsanlage in Reesdorf im Amt Bordesholm für den Betrieb freigegeben. Die „grüne Technik“ wandelt mithilfe des Schilfs den Schlamm über zehn Jahre in Erde um, die in der Landwirtschaft genutzt werden kann.

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30 000 von diesen Schilfpflanzen vererden jetzt den Klärschlamm aus der Region Bordesholm.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Mit den Worten „Jetzt können die Pflanzen ihren Job machen“, gab Peter Peters, Vertriebsingenieur der Firma Eko-Plant aus Nordhessen, am Donnerstagnachmittag die 1,3 Millionen Euro teure Klärschlammvererdungsanlage in Reesdorf offiziell für den Betrieb frei. Mit einem Schilfpflanzenweitwurf weihten die Vertreter des Abwasserzweckverbands Bordesholmer Land die neue ökologische Technik ein.

 Gut zweieinhalb Jahre hat der Verband, der das Abwasser von rund 12000 Menschen aus Bordesholm, Wattenbek, Brügge, Reesdorf und Bissee in dem 1964 gebauten Klärwerk reinigt, überlegt, was mit dem bei der Reinigung der Hinterlassenschaften aus den Haushalten entstehenden, wässrigen Klärschlamm gemacht werden soll. Bislang wurde er in einer Kammerfilterpresse entwässert. „Die Stromkosten dafür lagen bei 100000 Euro pro Jahr – viel zu teuer“, machte Helmut Tiede, Chef des Abwasserzweckverbands, deutlich. Durch die „grüne Technik“ hofft er, die Betriebskosten bei der Klärschlammbehandlung um ein Drittel senken zu können.

 Den ersten positiven Aspekt bekamen die Verbraucher aus den 3500 Haushalten bereits zum Januar 2016 zu spüren: die Abwassergebühr je Kubikmeter wurde deutlich von 2,88 auf 2,64 Euro gesenkt. „Das lag vor allem daran, dass Abschreibungen für alte Anlagen aus der Kalkulation wegfielen“, so Susanne Albert von der Amtsverwaltung. Dennoch geht Tiede auch mittelfristig von einem weiter sinkenden Abwasserpreis aus. „Wir wollen dieses Jahr mal abwarten, wie die Wirklichkeit mit der neuen Technik ist.“

 1,7 Hektar wurden für die Vererdungsanlage gekauft. In drei Beete mit einer Größe von 3300 Quadratmetern wurden 30000 Schilfpflanzen gesetzt. Über ein Rohrsystem wird der wässrige Schlamm (pro Jahr fallen in Reesdorf 20000 Kubikmeter an) in die sogenannten Polder gepumpt. Durch das Wachstum und die Verdunstung würden dem Klärschlamm Wasser und Nährstoffe entzogen. „Etwa 95 Prozent schafft das Schilf“, versprach Peters. Von einem Kubikmeter Nass-Schlamm wird nach zehn Jahren nur noch 50 Kilogramm Erde übrig bleiben. Nach etwa acht bis zehn Jahren wird ein Beet voll sein, und dann soll der umgewandelte Klärschlamm in die Verwertung in die Landwirtschaft gehen.

 Tiede geht davon aus, dass der Bordesholmer Schlamm diesen Weg auch nehmen wird. „Der Schlamm aus größeren Kläranlagen wird bereits verbrannt und muss verpflichtend in die Verbrennung. Ich gehe davon aus, dass unsere Anlage nicht zu diesen größeren zählt.“

 Bundesweit gibt es etwa 80 solcher Vererdungsanlagen. Die, die sich die Bordesholmer vor Auftragsvergabe angesehen haben, ist in Büsum und seit 1999 in Betrieb.

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Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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