21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
"Dann bleibt der Baum stehen"

Verärgerter Hausbesitzer "Dann bleibt der Baum stehen"

So schnell wird Dieter Arndt bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises in Rendsburg keinen Antrag mehr stellen. Der Bordesholmer wollte eine kranke Kastanie auf seinem Grundstück entfernen lassen – nach zehn Monaten steht der Baum noch. Und für den 71-Jährigen steht fest: Das bleibt er auch, bis er umfällt.

Voriger Artikel
Mehr als 20 Architekten wollen den Ortskern planen
Nächster Artikel
Grundschule Barkelsby setzt auf Behelfsquartier

Tief Risse zieren den Stamm der Kastanie. Dieter Arndt will den Baum jetzt aber stehen lassen.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm/Rendsburg. Arndt hat sich vor allem über die Gebühr des Kreises von 150 Euro geärgert. „Das ist unangemessen.“ Wenn man das, die Kosten für die Fällung und Entsorgung sowie die Neuanpflanzung zusammenrechnet, dann kommt man auf 1000 bis 1500 Euro. „Der, der einen Baum heimlich fällt, kommt günstiger weg.“ Illegal wollte Arndt aber nicht die Säge ansetzen.

 Im November 2014 beantragte er die Rodung der 20 Jahre alten und knapp zehn Meter hohen Kastanie. Der Umfang beträgt in einem Meter Höhe 117 Zentimeter. Schwarze Stellen am Stamm weisen auf das Pseudomonas-Bakterium, die Kastanienkrankheit, hin. Eile ist aber nicht geboten, der zehn Meter hohe Baum steht nicht im öffentlichen Verkehrsraum, das Nachbargrundstück ist nicht bebaut.

 Der Kreis habe ihm im Dezember bei einem Telefonat mitgeteilt, dass er als Ausgleich zwei Obstbäume pflanzen müsste.“ Das lehnte er ab, weil dafür aus seiner Sicht auf dem Grundstück zu wenig Platz sei und er schon mehrere Obst- und Laubbäume die Zeit davor gepflanzt hätte. Die UNB habe daraufhin nur eine Ersatzanpflanzung oder eine Ausgleichszahlung von 100 Euro angeboten. Beides wollte Arndt nicht. „Meine Frage, ob ich zu einem Ausgleich verpflichtet wäre, wenn der Baum umfallen würde, verneinte die Mitarbeiterin.“ Daraufhin habe er ihr zu verstehen gegeben, dass er ihn stehen lassen werde, und bat um eine schriftliche Mitteilung.

 Am 16. Februar erhielt Arndt die Fällgenehmigung. Mit einer Ersatzanpflanzung, umzusetzen bis 30. November 2015. „Das war nicht Tenor des Telefonats.“ Er legte Widerspruch ein, der Kreis habe einen Ermessensspielraum auch bei der Gebühr von 10 bis 5100 Euro, meinte er. Der wurde abgewiesen: Die Gebühr stieg von 150 auf 204,63 Euro. Zähneknirschend bezahlte Arndt.

 „Der Kreis behandelt alle gleich, man nimmt für die Anträge eine Pauschale von 150 Euro“, betonte UNB-Chef Falk Hurrelmann. Der Betrag sei als Durchschnitt berechnet worden. Derzeit überlege die UNB, die Gebühren nach dem tatsächlichen Aufwand zu verändern. Mit der Ersatzanpflanzung von nur einem Obstbaum sei man Arndt schon entgegengekommen. Eigentlich seien bei der Kastanie zwei Laub- oder vier Obstbäume und eine gutachterliche Stellungnahme notwendig.

 Trotz Genehmigung muss Arndt den Baum nun nicht fällen, so die UNB. Und die Moral von der Geschichte: 204,63 Euro Gebühr, eine Genehmigung und ein Baum, der stehen bleibt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3