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Unterbringung bleibt dezentral

Flüchtlinge in Bordesholm Unterbringung bleibt dezentral

Die Realisierung einer Notunterkunft für 50 bis 60 Flüchtlinge in Bordesholm steht offenbar kurz bevor. Den Standort nannte Amtsdirektor Heinrich Lembrecht vor 300 Zuhörern bei der Einwohnerversammlung aber noch nicht. Dafür berichteten viele Ehrenamtliche von ihrer Hilfe für die Flüchtlinge.

Tinga Horny vom Freundeskreis erzählte von ihren Erfahrungen als Patin, dahinter Bärbel Volkers, die am Montag in der Altentagesstätte einen offenen Treff organisiert.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Bei einer Sondersitzung des Amtsausschusses am 9. November sollen die Vertreter der 13 Orte informiert werden. Das Amt werde seine Strategie der dezentralen Unterbringung fortsetzen, bekräftigte Lembrecht. Aber auf dem privaten Wohnungsmarkt werde ab Ende 2015 nichts mehr zu bekommen sein und neue Gebäude, die geplant würden, ständen noch nicht zur Verfügung.

 Das Amt prüft für fünf Standorte 15 Domizile, in denen zwischen 20 und 70 Flüchtlinge untergebracht werden. „Wir können nicht die Versäumnisse beim sozialen Wohnungsbau wettmachen. Bei den Planungen haben wir eine sinnvolle Folgenutzung für die Zeit nach den Flüchtlingen im Auge“, so Lembrecht. Die Kritik einer Zuhörerin, die Rathaus-Aufstockung über der Polizei sei mit dem Argument „Flüchtlinge“ unglaubwürdig und nur eine Aufwertung des Verwaltungsgebäudes, wies er zurück: „Durch die Erweiterung können wir selbst 20 bis 40 Plätze nachweisen.“ Das war das einzige kritische Statement an diesem Abend.

 Ansonsten gab es jede Menge Informationen, auch von drei Flüchtlingen, und Einblicke in die gute Arbeit des Freundeskreises. Da wirken nach Angaben der Sprecherin Stefanie Kämpf 100 Menschen ehrenamtlich mit, um „die Fremden zu Nachbarn werden zu lassen“. Ein Team von 16 Fachkräften, überwiegend pensionierte Lehrer, kümmert sich zweimal pro Woche um den Deutschunterricht. „Da werden auch hiesige Gepflogenheiten vermittelt, und wir machen gute Erfahrungen“, berichtete die Pastorin.

 Kontaktvermittlung ist auch wichtig. 90 Einheimische haben Patenschaften übernommen, gehen mit den Flüchtlingen zu Behörden, Krankenkassen und Ärzten. Die Autorin Tinga Horny kümmert sich mit ihrem Mann um zwei Menschen aus Eritrea. „Asiaten und Afrikaner ticken anders, deren Zeitgefühl, sprich Unpünktlichkeit, macht mich wahnsinnig. Aber der Kontakt ist bewusstseinserweiternd. Man lernt, dass die Welt aus etwas anderem als Konsum und Steuern zahlen besteht.“ Bärbel Volkers lud ein, montags ab 16 Uhr in der Awo-Altentagesstätte im Lüttenheisch bei der Teestube vorbeizuschauen und Flüchtlinge kennenzulernen. „Die Floorballgruppe suchte letzte Woche Mitspieler, davor waren die Volleyballer da. Auch Bürger kommen, weil sie neugierig sind.“

 Alle Kinder werden nach der Ankunft in den Tagesstätten und Schulen untergebracht. „Bislang ging das. Aber die Kita-Plätze werden trotz Ausbaus am Birkenweg nicht reichen“, warnte Rainer Borchert, Leiter des Amtes für Bürgerdienste. Ein Syrer dankte für die herzliche Aufnahme und Integration im Ort. Er sei sehr dankbar. Alle Flüchtlinge seien bemüht, sich anzupassen und zu engagieren. Er selbst half beim Ferienprogramm des Jugendtreffs im Sommer und übersetzt gerade die Homepage der kommunalen Einrichtung in mehrere Sprachen.

Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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