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Endlich alles ebenerdig

Bordesholmer Tafel Endlich alles ebenerdig

Total zentral und doch nicht für jedermann einsehbar: Diese beiden Aspekte hob Beate Kälbert, Leiterin der Bordesholmer Tafel, am Dienstagnachmittag bei der offiziellen Übergabe der neuen Räume im ehemaligen Gewerbekomplex Lüttparten besonders hervor. Am 17. März soll hier die Lebensmittelausgabe beginnen.

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236 Quadratmeter stehen der Tafel in dem ehemaligen Gewerbekomplex im Lüttparten künftig zur Verfügung.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm. Das Amt Bordesholm hat den Komplex, der ursprünglich mal als Notunterkunft für Flüchtlinge vorgesehen war, umgebaut und vermietet 236 Quadratmeter an den Kirchengemeindeverband, unter dessen Dach die Tafel agiert.

 Nachdem sich im Frühjahr 2016 abgezeichnet hatte, dass die Flüchtlingswelle abebbt, wurde der Umbau für eine Notunterkunft für maximal 60 Personen gestoppt. Bereits im März waren dann die ersten Gespräche zwischen Amt und Tafel geführt worden. Schnell war man sich auch einig geworden. Der Umbau hat insgesamt rund 285000 Euro gekostet. Mit dabei ist die Sanierung des Wohnhauses des Unternehmers, in dem zurzeit zwei fünfköpfige Familien aus Armenien und Syrien leben, und eine Wohnung mit Platz für zehn bis zwölf Flüchtlinge. Der größte Teil des Komplexes steht aber der Tafel zur Verfügung, die monatliche Miete beträgt 500 Euro. „Für das Amt ist die Vermietung eine soziale Verpflichtung gewesen“, so Amtsdirektor Heinrich Lembrecht, der insbesondere allen Helfern für ihren stetigen Einsatz dankte.

 „Eine lange Geschichte geht heute in etwas ganz Tolles über“, dankte Beate Kälbert dem Amt. Zusammen mit Bruno Petzoldt hatte sie 2009 die Tafel ins Leben gerufen. Immer freitags werden die Lebensmittelspenden an Bedürftige verteilt. Immer sorgen 15 Helfer aus dem 40-köpfigen Team für den reibungslosen Ablauf. Mit der Versorgung von 50 bis 60 Haushalten startete man vor acht Jahren, heute sind es laut Kälbert 360 Personen (davon 239 Flüchtlinge) in 130 Haushalten. Allein 131 Kinder sind auf die Unterstützung der Tafel angewiesen.

 Der stark angestiegene Bedarf und das Mehr an Lebensmitteln stellte die Helfer auf dem Christuskirchengelände zunehmend vor Probleme. Die Kisten mit den Speisen mussten von einem Kellerraum quer übers Gelände zum Saal getragen werden. „Das war Knochenarbeit“, beschrieb der 67-jährige Dieter Danker, der seit Jahren auch die teilweise 20 Kilo schweren Pakete als Ehrenamtler geschleppt hat. Im neuen Domizil ist alles ebenerdig. Die Transporter können direkt bis vor den Eingang fahren. Anschließend werden die Lebensmittel sortiert und kommen dann in den benachbarten Ausgaberaum oder in den Kühlraum.

 „Bis zur Eröffnung werden wir dem Ganzen hier den Feinschliff geben. Die neue Möblierung wird aus Spenden finanziert“, führte Beate Kälbert aus. Ziel ist es, einen nahtlosen Übergang zu bieten, damit kein Ausgabetag ausfällt. Kritisch gab Klosterkirchen-Pastor Thomas Engel allen mit auf den Weg. „Ich hätte mir das nie für Bordesholm vorstellen können. Weil es aber so ist, unterstützen wir die Tafel gerne – dass das aber in unserer reichen Gesellschaft notwendig ist, ist für sich gesehen ein Skandal.“

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Ein Artikel von
Frank Scheer
Holsteiner Zeitung

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