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Das Wir-Gefühl in Neu Bum’s Dorf

Borgdorf-Seedorf Das Wir-Gefühl in Neu Bum’s Dorf

Das Leben im Grünen unter Gleichgesinnten ist für viele die Alternative zum Wohnen in der Stadt: Der Bau eines Mobilheims auf dem Campingplatz boomt. Auf dem Campingplatz Bum in Borgdorf-Seedorf sind die Flächen sehr begehrt. Hier entsteht eine richtige kleine Siedlung für Mobilheime.

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Vom Wohnmobilstellplatz zum Dorfgefühl (von links): Klaus und Conni Kröplin, Sigrid und Jürgen Theden sowie Moni und Dirk Krohn sind Nachbarn, die gern zusammen feiern.

Quelle: Beate König

Borgdorf-Seedorf. Der eine hat einen Beamer und Punsch, der andere einen Film, der nächste eine geeignete Wand – der Kinoabend unterm Sternenhimmel kann kommen. Was nach hipper Studenten-Idee klingt, war ein spontanes Treffen dreier Paare zwischen 46 und 72 Jahren. Sie haben sich nach ihrem Umzug in die Mobilheim-Siedlung auf dem Campingplatz Bum in Borgdorf-Seedorf kennen gelernt. Eines eint sie: Sie haben alle ihren ersten Wohnsitz auf dem Campingplatz angemeldet und keine Lust mehr auf die Stadt.

Foto: Idylle am Waldrand mit Seeblick: Die Mobilheimstellplätze auf dem Campingplatz Bum sind für die Bewohner der erste Wohnsitz.

Idylle am Waldrand mit Seeblick: Die Mobilheimstellplätze auf dem Campingplatz Bum sind für die Bewohner der erste Wohnsitz.

Quelle: Beate König

2015 eröffnete Bum-Betreiber Kurt Ulrich seine Mobilheim-Fläche mit 26 Stellplätzen. „Mit der Nachfrage habe ich nicht gerechnet“, sagt der 48-Jährige. Es sind nur 100 Meter bis zum Borgdorfer See, es gibt Gas-, Wasser- und Stromanschluss, dazu die Abwasser- und Müllentsorgung. Das alles gehört zum Pachtpaket für die Mobilheimbesitzer. Maximal 40 Quadratmeter Wohnfläche sind erlaubt. Zusätzlich kann ein Vorzelt angebaut werden. Die kleinen Bauvorhaben auf dem Campingplatz werden über einen Bebauungsplan abgewickelt, den die Gemeinde für den gesamten Campingplatz genehmigt hat. „Ich muss lediglich den Nachweis erbringen, dass der Platz ganzjährig geöffnet sein kann. Dafür müssen die sanitären Anlagen winterfest gebaut sein.“

Weder beim Land, noch bei Kreis und Ämtern gibt es bislang Erhebungen, wie hoch die Zahl der Mobilwohnheime in Schleswig-Holstein inzwischen ist. Am Beispiel von Ulrichs Wohnmobilfläche zeigt sich allerdings: Der Markt boomt. Nur noch neun Flächen sind frei, er überplant schon die nächste Fläche auf seinem Grundstück. „Die Leute brauchen keine Baugenehmigung, wenn sie sich an die vorgeschriebene Maximal-Quadratmeterzahl halten“, erklärt Martin Schmedtje, Sprecher des Kreises Rendsburg-Eckernförde, weshalb die Mobilheimbesitzer in keiner Statistik im Land auftauchen. Dass jetzt eine große Zahl Neubürger mit erstem Wohnsitz ins Dorf kommt, die der Gemeinde höhere Einkommenssteuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen bescheren, verneint Borgdorf-Seedorfs Bürgermeister Achim Trede. „Das wäre schön, aber die Zahl der Dorfbewohner schwankt je nach Geburten und Sterberate immer zwischen 400 und 450.“

In der Mobilheimsiedlung nimmt derweil das Wir-Gefühl Fahrt auf. „Wir sind die Village-People“, hat Bewohner Jürgen Theden als Motto ausgegeben und einen Namen für die Siedlung gefunden: Neu Bum’s Dorf. 2015 zog der 72-Jährige aus der Wohnung in Kiel als erster auf den Platz. Er ist per Whatsapp-Gruppe mit den Nachbarn vernetzt, gemeinsam werden Baumarktbesuche oder Grillabende geplant. „Man muss was draus machen“, sagt Theden, dem die 40 Stufen zu seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Kiel zu anstrengend wurden.

Foto: Die Briefkastenwand auf dem Campingplatz zeigt, wie viele Menschen hier schon fest wohnen.

Die Briefkastenwand auf dem Campingplatz zeigt, wie viele Menschen hier schon fest wohnen.

Quelle: Beate König

Seine Nachbarn Conni und Klaus Kröplin suchten zuerst in Niedersachsen nach Bauplätzen für Mobilheime: „In Borgdorf-Seedorf sind mit 290 bis 315 Quadratmeter die Grundstücke deutlich größer“, erklärt Klaus Kröplin. Und: In Niedersachsen hätte man für 60 Quadratmeter Wohnfläche eine Baugenehmigung haben müssen. Jetzt haben die Kröplins einfach zwei Mobilheime aufgestellt, damit der Wohnraum reicht. Moni und Dirk Krohn haben ihr Reihenhaus in Neumünster aufgegeben. „Ich habe in einem Jahr viele nette Nachbarn kennen gelernt, in Neumünster war es dagegen total öde“, sagt Moni Krohn.

Das Schreckgespenst Altersarmut war für die drei Paare kein Grund für die kleine Lösung: Alle sind seit Jahrzehnten überzeugte Camping-Fans. „Mein Mobilheim hat als Basismodell 60000 Euro gekostet“, erzählt Jürgen Theden. „Dafür hätte ich noch lange zur Miete wohnen können.“

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