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Brandschutz birgt böse Überraschung

Kronshagen Brandschutz birgt böse Überraschung

Man muss schon genauer hinschauen, um in Kronshagen noch eines altes Haus aus dem 19. Jahrhundert zu finden. In der Kieler Straße 148 steht ein solches: Die Gemeinde hat es gekauft, um es der Nachwelt zu erhalten und Flüchtlinge darin unterzubringen – doch jetzt ist es sogar vom Abriss bedroht.

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Eines der ältesten Häuser Kronshagens: In der Kieler Straße 148 wohnte die Familie des Landwirtes und langjährigen Gemeindevorstehers Claus Sinjen. Im Erdgeschoss befand sich das damalige Gemeindebüro. Das Gebäude wurde vermutlich im späten 19. Jahrhundert errichtet.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. An der Ecke Kieler Straße/Dorfstraße lag der Bauernhof der Familie Sinjen. In Blickweite befanden sich das ehemalige Gutshaus der Domäne, das spätere Amtsgebäude, sowie die 1892 in der Dorfstraße angesiedelte Gaststätte Bruno’s Lust. Noch ein Stück weiter, an der Gabelung Dorfstraße/Suchsdorfer Weg, hatte die Familie Bierend ihren Hof, die sogenannte Holländerey. In diesem Bereich versammelte sich vor mehr als 100 Jahren ein Großteil des alten Kronshagen. 1895 bestand die Gemeinde, zu der schon Kopperpahl gehörte, aus 79 Familien mit 431 Personen – heute sind es etwa 12000 Einwohner.

 1895 war das Wohnhaus der Familie Sinjen in der Kieler Straße 148 schon vorhanden. Das genaue Baudatum lässt sich im Rathaus nicht mehr feststellen. Landwirt Claus Sinjen hatte von 1887 bis 1910 das Amt des Gemeindevorstehers in Kronshagen inne. Im Erdgeschoss befand sich das Gemeindebüro. Aufgrund dieser gewissen historischen Bedeutung fiel im vergangenen Jahr im heutigen Rathaus die Entscheidung, das alte Wohngebäude zu kaufen. Es war zuletzt von der Anschar-Schwesternschaft des DRK genutzt worden und sollte zur Unterbringung von Asylsuchenden umgebaut werden.

 Seit Dezember besitzt es die Gemeinde, doch jetzt kam die böse Überraschung: Statt der veranschlagten Kosten in Höhe von 100000 Euro fallen 210000 Euro an. Der Brandschutz erfordert zusätzliche Maßnahmen. In den Fraktionen kam die Nachricht nicht gut an. „Wie kann eine Kalkulation so danebenliegen?“, fragte Wolfgang Weskamp (SPD). Wären diese Kosten bekannt gewesen, wäre es möglicherweise gar nicht zum Kauf gekommen, mutmaßte er.

 Erklärungsnot im Rathaus: Bürgermeister Uwe Meister führt das Problem auf den Handlungsdruck bei der Unterbringung von Flüchtlingen zurück. Ein Architekt habe das Gebäude zunächst ohne einen öffentlichen Auftrag begutachtet. Im Nachhinein habe jedoch eine dichtere Zimmerbelegung geplant werden müssen. Deshalb fordert der Brandschutz einen zweiten Rettungsweg, Rauchabzüge und eine Brandmeldeanlage.

 Was tun? Gudrun Rempe (Grüne) wollte einen Verkauf nicht ausschließen: „Es sind Steuergelder, die wir nicht aus Nostalgie verschleudern können.“ Die Verwaltung hat bereits einen Investor an der Hand, der das historische Gebäude abreißen und einen Neubau für 32 Flüchtlinge errichten will. Doch zunächst will die Politik einen anderen Weg gehen: Es soll geklärt werden, ob der Brandschutz bei einer Nutzung als Sozialwohnungen geringere Anforderungen stellt.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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