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Bücherbus-Ausstieg sorgt für Zündstoff

Wattenbek will keine Fahrbücherei mehr Bücherbus-Ausstieg sorgt für Zündstoff

Der Ausstieg von Wattenbek aus dem Vertrag mit der Fahrbücherei zum Ende des Jahres bringt die Ortspolitiker aus Brügge in Rage. Von „unfairem Verhalten“ ist die Rede.

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Im Dezember steuert der Bücherbus des Kreises Plön zum letzten Mal die Gemeinde Wattenbek an. Hat die Kündigung auch finanzielle Nachteile für die anderen zwölf Orte.

Quelle: Brigitte Lederich

Brügge/Wattenbek. „Für den Zusammenhalt im Amt Bordesholm ist das nicht gut“, kritisiert SPD-Fraktionschef Detlef Köpke. Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein, die den Bücherbus des Kreises Plön auch in dieser Region steuert, spricht vom „Ausstieg aus der Solidargemeinschaft“.

 Wie geht`s ab 2016 weiter, kommt der Bücherbus weiterhin in die anderen zwölf Orte im Amt und zu welchem Preis? Hat die Kündigung Signalwirkung für andere, größere Kommunen? Antworten gibt es erst im Herbst. Amtsdirektor Heinrich Lembrecht kündigt an, nach den Sommerferien ein Gespräch mit der Büchereizentrale über die Finanzierung und den Erhalt im Amt sprechen zu wollen. Er geht davon aus, dass die Bücher den Menschen weiterhin ins Dorf gebracht werden. Wie wichtig das ist, zeigt das Statement von Gero Scheuermann, Bisseer Gemeindevertreter: Er hält das Vehikel als Treffpunkt für die Nachbarschaft und lebendiges Kommunikationszentrum.

 In der Wattenbeker Gemeindevertretung war die Kündigung im Juni bei acht Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie zwei Enthaltungen beschlossen worden, obwohl der Kulturausschuss eine Woche davor eine Fortsetzung empfohlen hatte. Bürgermeister Sönke Schröder machte deutlich, dass es eine „rein finanzielle Entscheidung“ gewesen sei. „Wir sind nicht gegen Bildung, aber umgerechnet kostet der Leseausweis für Wattenbeker im Bücherbus um die 100 Euro.“ In Bordesholm gebe es eine hervorragende Bücherei, die fast jeden Tag geöffnet sei und aus Wattenbek nur knapp drei Kilometer entfernt liege.

 Der Bücherbus wird durch eine Umlage je Einwohner von 2,04 (2016: 2,16 Euro) durch die Kommunen mit finanziert (siehe Infokasten rechts). Der Ausstieg Wattenbeks mit seinen 3000 Einwohnern reißt für die Region Bordesholm ein tiefes Loch in die Finanzierung. Vom Anteil von 13700 Euro fällt fast die Hälfte weg. Detlef Köpke (SPD) aus Brügge poltert daher: „Die Wattenbeker machen sich einen schlanken Fuß auf Kosten der anderen Orte.“ CDU-Fraktionschefin Dörte Westphal spricht von einer „unglücklichen Entscheidung“. Tenor in Brügge: Die Gemeinde Wattenbek sollte sich überlegen, ob sie überhaupt im Amt bleiben wolle.

 Sönke Schröder entgegnet empört: „Wir hätten die Fahrbücherei gerne behalten, aber wir müssen auch das Geld zusammenhalten. Warum senkt die Büchereizentrale den Anteil der größeren Orte bei der Umlage nicht?“ Und beim Thema Solidargemeinschaft gebe es größere Themen im Amt. „Wattenbek würde immer noch die Brügger Schule stützen, obwohl es die Schülerzahlen nicht hergeben.“

 Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale, betont, zu Wattenbek: „Die Leidtragenden sind Kinder, ältere Menschen und junge Familien ohne Zweitwagen, da diese nicht ohne Weiteres die Bücherei in Bordesholm erreichen können. Die Fahrbücherei ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Gemeinden, die nur durch die Solidarität aller ihre Existenzberechtigung erhält.“

In Schleswig-Holstein gibt es 13 Fahrbüchereien, die 577 Kommunen anfahren. Ihr Ziel ist, auf dem Land zur Leseförderung, Information und sinnvollen Freizeitgestaltung ein Medienangebot zu machen. Der Bücherbus des Kreises Plön steuert 47 Gemeinden im dreiwöchigen Rhythmus an, darunter auch die 13 Orte des ehemaligen Amtes Bordesholm-Land. 2128 Nutzer (56 aus Wattenbek) entliehen 2014 insgesamt 115565 Medien. 28237 Bücher, CD und Zeitungen sind an Bord, ausgewählt werden kann aber aus einem Bestand von rund 50000.

Die Gesamtkosten für den Service beliefen sich im Jahr 2014 auf 228000 Euro. 140000 Euro steuerten die 47 Orte durch die Umlage bei, den Rest bezahlte der Büchereiverein Schleswig-Holstein. Die Fahrbücherei Plön hat 162 Stationen. Allein in Wattenbek gibt es sechs Haltestellen. Durch den Ausstieg Wattenbeks fehlen fast fünf Prozent in der Gesamtfinanzierung – steigt eine Kommune aus, müssten die anderen mehr bezahlen, hatte Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale, im Frühjahr angekündigt.

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