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Bürger bemängeln Informationsfluss

Unterkunft für Flüchtlinge in Negenharrie Bürger bemängeln Informationsfluss

Vorwürfe, Rechtfertigungen, emotionale Statements, aber auch konstruktive Beiträge und interessante Erfahrungsberichte: Die Einwohnerversammlung in Negenharrie hatte von allem etwas zu bieten. Die Kernfrage: Sollte oder wird die Kommune eine Immobilie kaufen oder bauen, um Flüchtlingen eine Bleibe zu bieten?

Daniel Ladehoff (Amt) informierte über die Unterbringung, links neben ihm Bürgermeister Hans-Jürgen Leptien.

Quelle: Frank Scheer

Negenharrie. Die Einwohner sind in zwei Lager gespalten. Am Donnerstagabend tagt die Gemeindevertretung ab 20 Uhr im Gasthof Zum Alten Haeseler und will eine Grundsatzentscheidung treffen.

 Ursprünglich wollte die Gemeinde ein Grundstück kaufen, um darauf ein Gebäude für bis zu sechs Flüchtlinge zu bauen, und es nach zehn Jahren an den vorherigen Grundstückseigentümer zu verkaufen. Die Kosten wurden auf 149000 Euro geschätzt. Die Gemeinde wollte einen großen Teil über ein zinsloses KfW-Darlehn finanzieren. „Das Projekt ist geplatzt. Man konnte sich mit dem Eigentümer beim Rückkaufswert nicht einigen“, berichtete Bürgermeister Hans-Jürgen Leptien den 75 Zuhörern.

 Er betonte auch, dass sich die Gemeindevertretung im November zur Unterbringung entschlossen habe, um auch „eine Verantwortung bei der Unterbringung von Asylbewerbern im Amt zu übernehmen“. Es habe keine Kungelei gegeben, man habe vorab nur Möglichkeiten ausgelotet. Wegen der Grunderwerbsverhandlung habe er nichts preisgegeben. Am 11. Dezember sei das Thema in einer Sitzung öffentlich geworden. Nach den gescheiterten Verhandlungen führe man seit dem 2. Februar weitere Verhandlungen: ein Haus in der Dorfstraße 55 sei zum Kauf angeboten worden, außerdem Grundstücke an der Dorfstraße. Beschlossen ist aber nichts.

 Einige Einwohner warfen Bürgermeister Hans-Jürgen Leptien vor, gar nicht oder nur unzureichend informiert zu haben: Es habe weder Infozettel im Briefkasten gegeben, noch habe die Gemeinde öffentlich nach Wohnungen gesucht. Anderswo ständen Unterkünfte leer, in Heide beispielsweise. „Warum muss die Gemeinde tätig werden?“, meinte eine Frau. Sorgen bezüglich des Frauenbilds von arabischen Männern und der Sicherheit von jungen Mädchen im Dorf wurden auch laut. Der ehemalige Bürgermeister Joachim Rix erinnerte daran, dass vor 20 Jahren Flüchtlinge in Negenharrie in Containern untergebracht waren. „Damit haben wir negative Erfahrungen gemacht. Man sollte nicht den gleichen Fehler ein zweites Mal machen. Die Unterbringung im ländlichen Bereich ist der falsche Ansatz.“

 Da haben Maren Dube und Heinz-Dieter Gröning aus Schönbek bisher andere Erfahrungen gemacht. Sie sind als Paten für fünf syrische Männer von 24 bis 32 Jahren tätig. „Wichtig ist der Kontakt zur Bevölkerung. So lernen die Flüchtlinge die Kultur kennen, und auch zu schätzen. Je näher man dran ist, umso weniger Probleme gibt es“, so Gröning. In Schönbek habe dies die Dorfgemeinschaft näher zusammengebracht. 20 Personen engagierten sich. Die Debatte, wie die Integration in Negenharrie laufen könnte, kam zu kurz. Allerdings haben sich acht Einwohner in eine Helferliste eingetragen.

 Zuständig für die Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge ist das Amt Bordesholm. Zurzeit leben 228 Asylbewerber in der Region, 137 in Bordesholm, 48 in Wattenbek, 19 in Brügge, 17 in Grevenkrug, fünf in Schönbek und zwei in Sören, berichtete Daniel Ladehoff von der Amtsverwaltung. Der Hauptanteil kommt aus Syrien (91), Irak (27) und Afghanistan (27). Das Amt schließt für die Immobilien mit den Eigentümern Zeitmietverträge ab. Sollte es in Negenharrie zu einer Lösungen kommen, wäre die Gemeinde der Vertragspartner. Aber auch jeder andere private Vermieter aus Negenharrie kann dem Amt zusätzlich Wohnungen für die Unterbringungen anbieten.