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Die Fronten bleiben hart

Atommüll Die Fronten bleiben hart

Drei Stunden lang wurde informiert und gestritten, am Ende blieben die Fronten hart. Das Kieler Umweltministerium hatte im Bürgerhaus Melsdorf einen schweren Stand. Die geplante Einlagerung von schwach radioaktivem Meilerschrott in der Deponie Schönwohld stößt weiterhin auf heftige Ablehnung.

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Die Stühle im Bürgerhaus reichen nicht aus: Gut 200 Anwohner sind bei der Atommüll-Information des Kieler Umweltministeriums. Im Vordergrund sitzt Dr. Jürgen Müller von der Abteilung Reaktorsicherheit.

Quelle: Torsten Müller

Melsdorf/Achterwehr. Die Stühle reichten gar nicht aus, zahlreiche der mehr als 200 Besucher mussten von außen zuhören. Zu der Information hatten die Gemeinden Achterwehr und Melsdorf eingeladen. Minister Robert Habeck erschien nicht, stattdessen hatten die Fachabteilungen seines Hauses die Aufgabe, den Rückbau der kerntechnischen Anlagen im Land sowie die Entsorgung von Abfällen mit sogenannter vernachlässigbarer Radioaktivität zu erläutern. Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Schönwohld“ bekam Gelegenheit, ihre Sorgen zu begründen.

 Johannes Grützner, Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit und Strahlenschutz, wies darauf hin, dass der Rückbau politisch gewollt sei. Nun komme es darauf an, „strahlendes Material ordnungsgemäß zu entsorgen“. Dabei gebe es auch industrielle Bauabfälle mit geringer Belastung. „Die Freigabe muss erteilt werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind“, sagte Dr. Oliver Karschnick. Material, bei dem die gemessene Strahlung unter zehn Mikrosievert liegt, gilt nach der Strahlenschutzverordnung als unbedenklich. Es könnte in Schönwohld abgelagert werden. Dagegen steht allerdings die Benutzungsordnung der Kieler Deponie. Sie schließt die Einlagerung selbst von freigemessenen Abfällen aus Kernkraftwerken aus. Grützner machte aber deutlich, dass sich das Ministerium darüber bei einem Notstand hinwegsetzen und die Einlagerung anordnen könne.

 Sorgen bereitete Bürgern auch eine andere Angabe des Ministeriums: „Die Messungen werden vom Betreiber der Anlage gemacht“, erläuterte Karschnick. Dieser müsse nachweisen, dass die Stoffe sicher seien. Unabhängige Sachverständige würden die Ergebnisse stichprobenartig überprüfen. „Wo Hinweise sind, dass da was ist, wird zu hundert Prozent gemessen, aber nicht jedes Kaninchen“, versicherte Karschnick. Sein Kollege, Dr. Jürgen Müller, betonte, dass jeder Müll aus strahlenden Atomen bestehe, und ging noch weiter: „Jeder, der hier sitzt, hat eine Strahlungsaktivität von 9000 Becquerel. Radioaktivität ist überall.“ Ein AKW strahle aber weniger als Nutella. Die Bürgerinitiative machte deutlich, dass durch die Deponierung eine zusätzliche Belastung und Gefährdung für Anwohner entstehen könne und fragte: „Wird diese Mehrbelastung billigend in Kauf genommen?“ Karsten Hinrichsen (BUND) stellte das Zehn-Sievert-Konzept grundsätzlich infrage, da es auf völlig überholten Annahmen beruhe. Er lehnt die von Habeck gewünschte Entsorgungsvereinbarung ab.

 Erst nach der Kritik an dem in Schleswig-Holstein praktizierten Entsorgungsverfahren stellte das Ministerium Einzelheiten der Deponierung dar: Das Material solle in Bigpacks verpackt, sofort in der Deponie eingebaut und überdeckt werden. „Die Staubentwicklung entfällt damit zwar, aber an unserer prinzipiellen Einstellung ändert sich nichts“, sagte Achterwehrs Bürgermeisterin Anne Katrin Kittmann (SPD). Die Gemeinde hofft seit Jahren, dass die Deponie endgültig geschlossen wird.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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