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Sein Herzschlag war immer spürbar

Kronshagen Sein Herzschlag war immer spürbar

Das Rathaus schwankte zum Abschied nicht. Aber das Wellenrauschen konnte man sich gut vorstellen, als die 140 Gäste im Ratssaal „I am sailing, home again“ sangen. Kapitän Uwe Meister geht von Bord: Nach zwölf Jahren als Bürgermeister von Kronshagen verabschiedete sich der 64-Jährige am Dienstag feierlich.

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Sagten Kronshagen nach zwölf Jahren „tschüs“: Bürgermeister Uwe Meister und Frau Renate.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. Am 1. Juni übernimmt Ingo Sander (CDU) das Steuer des Verwaltungsschiffes.

 Am liebsten hätte er sich wohl verkrochen. So im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht die Sache von Uwe Meister. Deshalb gab es auch keinen XXL-Abschied mit 400 Gästen im Bürgerhaus, sondern einen der Größe S und den sozusagen von der Stange. An seiner Wirkungsstätte, wo er sich wohl und sicher fühlte, scharte er dicht gedrängt 140 Leute um sich: Mitarbeiter, Amtskollegen, Wegbegleiter von nah und fern: Selbst Nikolas Häckel, jetzt Bürgermeister der Gemeinde Sylt, wollte als ehemaliger Kronshagener Bauamtsleiter dabei sein – nur Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) war verhindert. Dafür lud der Stadtobere Meister und Frau Renate am Mittwoch zu einem Abschiedsessen ein.

 „Was hat mir allein dein Name geholfen! Ich konnte sagen, wir haben in Kronshagen einen Meister als Bürgermeister“, gestand Bürgervorsteher Bernd Carstensen (CDU). Als Verwaltungschef habe er die Erwartungen der Gemeinde voll erfüllt: „Du hattest immer einen Plan.“ Das habe sich bereits 2004 beim Amtsantritt gezeigt, als das Mare Klinikum gebaut wurde und kurzfristig noch eine Aufstockung erforderlich war.

 Vor zwölf Jahren wagte der Vater von sechs Kindern (und mittlerweile sieben Enkeln) den Karrieresprung: vom Leitenden Verwaltungsbeamten im Amt Schönwalde zum gewählten Bürgermeister auf Zeit. Bei der Wiederwahl 2010 hatte er nicht mal einen Gegenkandidaten. So richtig heimisch ist der im Kreis Herzogtum Lauenburg Geborene aber in Kronshagen nie geworden. Er brauchte den Abstand. Dennoch konnte man in der Gemeinde seinen Herzschlag wahrnehmen: Meister trat für gute Bildungschancen junger Menschen ein, hatte einen Blick für die Schwächeren und spielte für einen guten Zweck gern mit der Gitarre auf.

 Beruflich gab sich Meister professionell abgeklärt. „Wir arbeiten unsere Themen ab“, war häufig von ihm zu hören. Leidenschaftslos, aber mit viel Energie packte er zum Teil lange liegengebliebene Projekte an: das Neubaugebiet Hühnerland, die Überarbeitung der Bebauungspläne, die Modernisierung der Schulen, die Ortskernplanung und selbst für den Canale Grande in der Unterwelt sorgte er mit einem Sanierungsprogramm – Kronshagen hat sich in den vergangenen zwölf Jahren deutlich verändert. Bis zuletzt forderte den Rathauschef vor allem die menschenwürdige Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Gab es Probleme, ließ er diese allerdings auch schon mal vor der Unterkunft auf dem Nordmarksportfeld antreten und machte ihnen klar: „8 Uhr heißt 8 Uhr und nicht 8.30 Uhr.“ Im politischen Streit verordnete er sich Ruhe und Gelassenheit: „Ich habe mir die verbalen Waffen selten vom Gegenüber aufzwingen lassen.“

 „Das Gute bleibt“, betonte Meister. Zu seinem Abschied sangen Gabriela von Hannecken und Claus Merdingen von Eight Voices den Elvis-Klassiker „You were always on my mind“.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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