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Christoph 42 rückte über 1500 Mal aus

DRF-Luftrettungsstation Christoph 42 rückte über 1500 Mal aus

Wir haben schon viel gesehen, so schnell schockt uns nichts“, erklärt Dr. Christine Hein. Seit 15 Jahren gehört die Notärztin zum Team der DRF-Luftrettungsstation in Rendsburg. Schreckliche Notfälle gehören zu ihrem Alltag. Über 1500 Mal musste der Rettungshubschrauber Christoph 42 allein in 2015 ausrücken.

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Pilot Martin Dlugosch steuert konzentriert den Rettungshubschrauber zum Einsatzort.

Quelle: gme

Rendsburg. Doch wie genau sieht die Arbeit der Luftretter aus? Wir haben die Crew der Station einen Tag lang begleitet.

Um 10.29 Uhr kreischt der Pieper zum ersten Mal. Eine 93-jährige Frau aus Süderbrarup klagt über Schmerzen in der Brust. Notärztin Hein, Pilot Martin Dlugosch und Rettungsassistent Frank Schmelzkopf wissen, jetzt ist Eile geboten. Innerhalb von zweieinhalb Minuten ist der Hubschrauber vom Dach der Station abgehoben, acht Minuten später vor Ort.

„Wir können nicht direkt am Haus landen“, erklärt der erfahrene Pilot per Funk als er den Einsatzwagen aus der Luft erspäht. Die Straße ist zu eng, er landet auf einem Sportplatz in der Nähe. Für Notärztin Hein und Rettungsassistent Schmelzkopf geht es zu Fuß weiter. Von Hektik und Laufschritt ist bei den beiden keine Spur, sie suchen konzentriert ihren Weg und werden schnell fündig.

Wenn die Crew zu weit entfernt landet, um zu Fuß zum Einsatzort zu gelangen, holt die Polizei oder Feuerwehr die Notärztin und den Rettungsassistenten ab. „Wir haben auch schon mal ein Auto oder sogar ein Fahrrad von Privatpersonen gekapert“, sagt die Notärztin.

Christine Hein begleitet die Patientin im Rettungswagen zum Krankenhaus. „Das geht im Auto schneller, weil wir beim Krankenhaus in Schleswig nicht direkt auf dem Dach landen können“, erklärt Schmelzkopf. Ob der Patient geflogen oder gefahren wird, muss also jedes Mal neu abgewogen werden.

Dlugosch und Schmelzkopf fliegen hinterher und holen die Notärztin vom Krankenhaus ab. „Ich bin nur der Fahrer“, so der dienstälteste Pilot der Rendsburger Station. Seit 22 Jahren ist er bei den Luftrettern. Er hat neben den Landemöglichkeiten auch immer das Wetter und die Technik des Helikopters im Blick. Bei Nebel und Gewitter darf nicht geflogen werden. Gerade im Winter mit Nebelfeldern muss „Christoph 42“ daher im Hangar bleiben.

„Als Co-Pilot bin ich die sprechende Mütze“, sagt Schmelzkopf. Alle Rettungsassistenten der DRF Luftrettung haben eine technische Zusatzqualifikation, mit der sie den Piloten beim Navigieren helfen können und den Luftraum beobachten.

Jeder der drei weiß genau, was zu tun ist, die Stimmung ist gut, der Ton freundlich. Wie geht das, wenn man jeden Tag so viele schlimme Notfälle sieht? „Mich motiviert, dass ich den Menschen helfen kann, dass es ihnen besser geht“, sagt Hein und schnallt sich an.

Kaum in Schleswig abgehoben kreischt der Pieper erneut: Eine Frau hat bei einem Lebensmittelmarkt in Eckernförde Schmerzen in der Herzregion. Noch während der letzten Versorgungshandgriffe durch die Notärztin geht der Pieper ein drittes Mal: Eine 29-Jährige hatte mitten in der Feldmark einen Reitunfall, Schädel-Hirntrauma und Lähmungen in den Beinen. Die Patientin muss schnell ins Krankenhaus gebracht werden. „Bei Frakturen an der Wirbelsäule ist wichtig, dass der Transport erschütterungsarm, also ohne Schlaglöcher, verläuft. Das geht am besten mit dem Rettungshubschrauber“, sagt Hein.

Um 15.30 Uhr kreischt der Pieper zum letzten Mal in der Schicht. Diesmal ist es ein Sekundäreinsatz, das heißt, ein Patient muss verlegt werden. Ein 70-jähriger Mann hat ein Aneurysma und muss von der Intensivstation in Rendsburg nach Heide transportiert werden. Wenn die Aussackung des Blutgefäßes reißt, kann das schnell zum Tod führen. Schnelligkeit und wenig Erschütterung, kurz: Christoph 42, ist wieder gefragt.

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