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Von Sehnsuchtsorten und Gerüchen

Was ist Heimat? Von Sehnsuchtsorten und Gerüchen

„Heimat braucht man wie Essen, Trinken, Schlaf und Sex“, auf diese einfache Formel brachte es am Sonnabend Jan Graf, Musiker und Redakteur in Kronshagen. Die VHS und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund hatten zum Talk über die Frage „Was ist Heimat?“ ins Bürgerhaus Kronshagen eingeladen.

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 Sprachen über ihre Definition von Heimat mit Moderatorin Barbara Hagen-Bernhardt (Mitte): Eicke Paysen (von links), Jan Graf, Bernd Carstensen und Serpil Midyatli.

Quelle: Sven Janssen

Kronshagen. Neben Jan Graf war das Podium mit Bürgervorsteher Bernd Carstensen und den beiden Politikern Eicke Paysen und Serpil Midyatli, die zugleich SPD-Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes ist, besetzt. Moderiert wurde der Abend von Barbara Hagen Bernhardt, die stellte dann auch fest, Heimat ist ein Wort mit sieben Buchstaben, dass sehr individuell definiert wird.

Für Paysen ist Heimat eine Sache der Nase. Die Nordstranderin möchte zwar heute nicht mehr zurück, weil sie sich in Kronshagen wohlfühlt, aber Heimat könne man riechen. Carstensen, der in Gaarden aufgewachsen ist, ist fest überzeugt, „Heimaten kann man mehrere haben, es muss auch nicht immer ein Ort sein, Mama und Papa sind für Kinder oft Heimat“.

Für Serpil Midyatli hat die Definition von Heimat lange gedauert. „Erst als ich 16 war und mit meinen Eltern in die Türkei fuhr habe ich mir darüber wirklich Gedanken gemacht“, erzählte die gebürtige Kielerin. Sie wurde gefragt, wo ihr Zuhause sei. Ihre Antwort war „In der Türkei“. Erst als die Gegenfrage kam, „Bist Du sicher?“, hätte das Nachdenken begonnen. „Nach vier Wochen Türkei hatte ich die Schnauze voll und wollte nur noch zurück zu Schwarzbrot und Goudakäse“, erinnerte sie sich.

Einig war sich das Podium, dass der Begriff Heimat nichts Negatives ist. Ein Sehnsuchtsort, den man mit positiven Gefühlen besetzen sollte. „Wir dürfen den Nazis nicht die Definition überlassen, wir haben es lange versäumt, jungen Menschen Halt zu geben und sie mitzunehmen“, sagte Midyatli. „Ein positives Verhältnis zur Heimat ist wichtig“, bestätigte Graf.

Mit Blick auf die Flüchtlinge stellte Carstensen fest, das man Heimat nicht einfach überstülpen kann. „Die Sprache hilft Heimat zu finden“, ist Graf überzeugt, der auch in Stockholm gelebt hat. Begegnung und Beziehung helfe dabei, machte Midyatli deutlich. „Es gab nie eine Zeit ohne Veränderungen, davor braucht man keine Angst zu haben.“ Dem stimmten auch Graf und Carstensen zu. Dennoch sei bei aller Veränderung das Grundgesetz nicht verhandelbar, so Graf.

Die Podiumsdiskussion wurde vom Offenen Kanal Kiel aufgezeichnet und wird am Sonnabend, 26. September, um 17.40 Uhr gesendet.

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