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Lebenslange Haft gefordert

Doppelmord in Haale Lebenslange Haft gefordert

Im Prozess um den Doppelmord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale hat der Staatsanwalt am Mittwoch lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert. Der 29-Jährige leugnet die Tat.

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Im Prozess im den Mord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert.

Quelle: Wolfgang Runge (Archiv)

Kiel . Weil Dennis N. (29) im November 2014 aus nichtigem Anlass kaltblütig zwei Menschen getötet und dabei drei Mordmerkmale erfüllt habe, sah der Ankläger eine besondere Schwere der Schuld.

Sollte die Schwurgerichtskammer in ihrem Urteil am Montag dem Antrag folgen, könnte der Automechaniker nicht mit vorzeitiger Haftentlassung nach 15 Jahren rechnen. Für die Angehörigen der Opfer schloss sich Rechtsanwalt Thomas Görtzen an. Die Verteidigung forderte Freispruch. Kein einziger unmittelbarer Tatbeweis belaste den nicht vorbestraften Mann, der von Zeugen als freundlich und zuvorkommend beschrieben worden war.

Der Zuschauerraum im Schwurgerichtssaal war komplett besetzt, als Staatsanwalt Torsten Holleck die Ergebnisse des Indizienprozesses zusammenfasste. Der Angeklagte leugnet, Tatwaffen liegen nicht vor, Augenzeugen gibt es nicht. Trotzdem schließt Holleck schon zu Beginn seines anderthalbstündigen Plädoyers „vernünftige Zweifel“ an der Täterschaft N.s aus.

Nach seinen Worten hatte der hochverschuldete Angeklagte ein Motiv, war am Tatort und hat kein Alibi. Die Aussage zweier Entlastungszeugen, die sich nach mehr als einem Jahr erinnert haben wollen, zur Tatzeit mit N. in dessen Werkstatt „Red Bull“ getrunken zu haben, seien widersprüchlich und unglaubhaft. Ohne Auswirkungen auf den Fortgang des Prozesses blieb auch ein am Mittwoch aufgetauchtes anonymes Schreiben, in dem statt des Angeklagten die beiden Kumpel der Tat bezichtigt wurden.

Aus Sicht der Lübecker Verteidiger Kai Wohlschläger und Christian Schumacher sind die 7900 Euro, die der Angeklagte als Vorauszahlung für einen nie gelieferten Transporter von der Besitzerin des Pferdehofs (57) erhielt, kein Motiv für einen Mord: Bei 43 000 Euro Schulden habe die Tat seine Geldprobleme nicht gelöst.

Zur Entlastung von N. erklärte am Mittwoch dessen Schwester, sie hätte ihm jederzeit 8000 Euro leihen können. Zu Prozessbeginn verweigerte die Zeugin noch die Aussage. Nun sagt sie, sie habe N. öfter mal Geld geliehen und es stets zurückerhalten. Ihren Bruder nennt sie einen „Überlebenskünstler“, der wirtschaftlich „nicht so den Plan“ gehabt habe.

„Er versuchte sich Geld zu leihen, stopfte Löcher nur kurzfristig“, stellte Holleck fest. Bei der letzten Konfrontation mit Regina F. auf ihrem Hof sei jedoch Ärger vorprogrammiert gewesen. Die als resolut bekannte Pferdehalterin war selbst pleite und stand unter Druck. Ganze 38,57 Euro hatte sie zuletzt auf ihrem Konto.

Zeugen bestätigten, dass die Hofbesitzerin am Tatabend fest mit der Übergabe eines seit Wochen versprochenen Transporters rechnete. „Es gab keinen Ärger“, behauptete dagegen N. früher gegenüber der Polizei. Für die Anklage ist dies „nicht vorstellbar“. Regina F. sei absolut am Ende ihrer Geduld gewesen, so Holleck. Sein Fazit: „Der Angeklagte hat nachweislich in unzähligen Punkten gelogen.“

Für die DNA- und Blutspuren des älteren Opfers am Pkw des Angeklagten hat die Verteidigung eine harmlose Erklärung: Die Frauen hätten sich das Fahrzeug für den Hofbetrieb geliehen. Doch für den Staatsanwalt liegt näher, dass Dennis N. nach dem Durchschneiden der Kehle der 83-Jährigen ihr Blut beim Schalten des Fluchtfahrzeugs am Kindersitz neben sich abstreifte.

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