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Gehorsam ist gefragt

Mühbrook/Bordesholm Gehorsam ist gefragt

Eine Premiere gibt es am 29. Mai in der Hundeschule Mühbrook. Drei der zehn Teilnehmer, die mit ihren Vierbeinern an dem Sonntag zur Sachkundeprüfung antreten, sitzen im Rollstuhl. "Ich möchte Menschen mit Handicap eine Chance geben, sich sicher mit dem Hund im öffentlichen Verkehr zu bewegen", so Ausbilder Ernst Hoff (66).

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Auch wenn das Frauchen nicht da ist: Luna muss ruhig an ihrem Platz liegen bleiben, wenn sich Melinda Litzendorf mit Carlo nähert.

Quelle: Frank Scheer

Bordesholm/Mühbrook. Unvermittelt brüllt Ernst Hoff in der Wartehalle des Bahnhofs laut los. Einige der Bahngäste gucken verdutzt. Doch die neun Hunde mit ihren Besitzern bleiben erstaunlich cool. „Müssen sie auch, erstens trainieren wir das seit Wochen, und zweitens wird das eine der Prüfungen sein, die die Teilnehmer für den Hundeführerschein bestehen müssen“, erklärt der Mühbrooker Hundeausbilder seine Schrei-Attacke. Zur neunköpfigen Gruppe, die kurz vor Ladenschluss im belebten Zentrum Bordesholms übt, zählen auch drei Rollstuhlfahrer, die mit ihren Lieblingen Ende Mai die Prüfung ablegen wollen – eine Premiere.

 Mit dabei ist die 49-jährige Petra Kracht mit einem Elektrorollstuhl, an ihrer Seite der Malinoismischling Luna. „200 Meter schaffe ich zu Fuß, sonst bin ich auf den Rollstuhl angewiesen“, erzählt die Wattenbekerin. Trotzdem wollte sie auf einen Hund nicht verzichten. Sie hat es ohne Training probiert: Das funktionierte aber nicht. „Luna war wild, sprang herum und wollte immer zu anderen Hunden. Als Rollstuhlfahrer habe ich aber nicht so die Chance, geeignet und schnell zu reagieren. Und dann noch die Motorgeräusche und das Klappern des Stuhls“, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Sie könne auch anderen Rollstuhlfahrer diesen Lehrgang ans Herz legen. Durch das Training seit Anfang Februar habe sich alles verbessert. „Luna ist ruhiger, und ich am Lenker mit Hund sicherer geworden.“

Hier sehen sie Fotos vom Training im Zentrum von Bordesholm:

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 Das stellt auch Melinda Litzendorf (30) aus Blickstedt fest. Tier und Frauchen harmonieren mittlerweile deutlich besser, attestiert Hoff. Ihr Berner Sennenhund Carlo habe ihre sechsjährige Tochter beim Spielen gebissen. „Weil wir auf Carlo aber nicht verzichten wollten, haben wir uns zum Hundeführerschein angemeldet“, so die Rollstuhlfahrerin.

 Zusammen mit den Teilnehmern ohne Handicap führt die Übungsstrecke vom Mühlencenter in Bordesholm über den Bahnsteig, Einkaufsstraße und über die Heinrich-Rix-Straße wieder zurück. Die 19-jährige Nadine Voß, die von der Ausbilderin Melanie Hoff geschoben wird, ist die dritte Rollstuhlfahrerin in der Gruppe. Die Schülerin ist allerdings nicht auf das Gefährt angewiesen. Mit Dalmatiner Juli absolviert sie die Prüfung für ihre Mutter. „Aus gesundheitlichen Gründen kann sie hier nicht mitmachen, aber der Hunde wird so an den Stuhl gewöhnt“, erzählt sie.

 Drei bis sechs Monate dauert die Ausbildung zum Hundeführerschein, bei dem die neuen gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt werden. Die Kosten belaufen sich bei der Hundeschule Hoff auf 450 Euro. Praxis, Gehorsamsschulung und viel Theorie gehört dazu. Als perfekter Begleithund für einen Rollstuhl eigne sich nicht jede Rasse, warnt Hoff. In Internetforen werden immer wieder Golden Retriever und Labrador genannt. „Die passen“, so der der Ausbilder. Auf eine spezielle Rasse wolle er sich allerdings nicht festlegen, gut 80 Prozent seien geeignet. „Es kommt zuerst auf den Menschen an, und dann muss der Hund gehorsam und aggressionsfrei sein“, erklärt Ernst Hoff.

Die Prüfung am Sonntag, 29. Mai, beginnt mit der Theorie. Ab 13 Uhr können Gäste den praktischen Teil auf dem Gelände am Bordesholmer Weg 6 mit verfolgen.

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